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WDH/GESAMT-ROUNDUP 2 Weimer trimmt Deutsche Börse auf Wachstum - Milliardendeal - Seite 2

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
18.11.2020, 18:18  |  249   |   |   

"Während das organische Wachstum der Nettoerlöse durch ein breites Spektrum von Initiativen in allen Geschäftsbereichen vorangetrieben wird, zielt das Wachstum durch M&A auf sechs Bereiche ab: Index und Analytik, ESG, Rohstoffe, Devisen, festverzinsliche Wertpapiere und Investment Fund Services", sagte Weimer. "Beim M&A-Wachstum werden wir aber immer auch ein Augenmerk auf eine hohe Profitabilität legen - das liegt in unserer DNA." Weimer kann sich dabei auch einen größeren Deal mit einem Volumen von fünf Milliarden vorstellen, schließt aber einen Zusammenschluss mit einem anderen großen Börsenbetreiber weiter aus.

Die am Dienstagabend angekündigte Übernahme des Datenanbieters und Stimmrechtsberaters ISS mit seinen 4000 Kunden passt in die Strategie Weimers. Gemessen am Jahresumsatz von mehr als 280 Millionen US-Dollar wird ISS weniger als zehn Prozent zum Umsatz beisteuern. Das bis 2023 prognostizierte organische Erlösplus von durchschnittlich mehr als fünf Prozent passt dagegen genau zu den Konzernzielen. Die um Sondereffekte bereinigte Marge auf Basis des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) bei ISS in Höhe von zirka 35 Prozent liegt deutlich unter dem Konzernwert.

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Weimer sieht hier aber Potenzial durch die Milliardenübernahme, auf die er so lange hingearbeitet hatte. Zuletzt hatte er bei größeren Deals allerdings immer den Kürzeren gezogen und sich eher kleinere Fische geangelt. Mit Zukäufen vor allem außerhalb des Aktiengeschäfts oder dem dazugehörigen Derivate-Bereich will er den Konzern unabhängiger von den starken Schwankungen an diesen Märkten machen. Die Deutsche Börse ist im Vergleich zu Konkurrenten wie Euronext , die vor der Übernahme der bislang zur London Stock Exchange gehörenden italienischen Börse steht, bereits sehr breit aufgestellt.

Händler lobten den Schritt der Deutschen Börse als strategisch sinnvoll, auch wenn der Preis hoch sei. Dennoch macht der Zukauf vielen Experten zufolge Sinn, da er zu dem Ziel passe, einer der führenden ESG-Datenanbieter zu werden. Berenberg-Bank-Analyst Chris Turner sieht allerdings die Gefahr, dass neue Auflagen der US-Wertpapierbehörde SEC das Geschäft der sogenannten Stimmrechtsberater wie ISS erschweren und die Kosten wegen eines höheren Personalaufwands nach oben treiben könnten. Zuletzt beschäftigte das 1985 gegründete Unternehmen fast 2000 Mitarbeiter.

Weimer ist es in den vergangenen knapp drei Jahren gelungen, den Konzern nach der turbulenten Phase unter dem früheren Chef Carsten Kengeter zu beruhigen. In der Amtszeit seines Vorgängers war die Fusion mit London Stock Exchange (LSE) geplatzt, zudem hatte es Insidervorwürfe gegeben. Am Finanzmarkt wird Weimers Kurs bisher honoriert. Der Börsenwert zog in seiner Amtszeit trotz einer Schwächephase in den vergangenen Wochen um 40 Prozent auf rund 26 Milliarden Euro an.

Damit zählt die Deutsche-Börse-Aktie in diesem Zeitraum zu den erfolgreichsten deutschen Standardwerten. International gesehen sieht es aber nicht so gut aus. Die LSE-Aktie legte in diesem Zeitraum um mehr als 100 Prozent zu. Der Londoner Börsenbetreiber, der kurz vor der 27 Milliarden Dollar teuren Übernahme des Datenanbieters Refinitiv steht, wird derzeit umgerechnet mit 32 Milliarden Euro bewertet. US-Börsenbetreiber wie CME oder Intercontinental Exchange spielen mit umgerechnet 51 Milliarden Euro beziehungsweise 48 Milliarden Euro noch mal in einer anderen Liga./zb/men/he/he


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