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Silizium macht’s möglich Ein Tesla mit 1300 Kilometern Reichweite? Deutsches Unternehmen arbeitet am Batterie-Feinschliff

18.06.2021, 17:43  |  12858   |   |   

Altech verspricht keine Superbatterie. Stattdessen will das Unternehmen herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien verfeinern. Eine Spezialbeschichtung soll mehr Reichweite, schnelles Laden und längere Lebensdauer bringen.

Uwe Ahrens spricht von einem Game-Changer für die Batterieindustrie. Im Interview mit wallstreet:online klickt sich der CEO der Altech Advanced Materials AG durch Power Point-Folien, erklärt die Funktionsweise von Batterien und die chemischen und physikalischen Prozesse, die beim Laden und Entladen ablaufen. "Schon im ersten Lade-Zyklus verliert eine Lithium-Ionen-Batterie 8-10 Prozent ihrer Leistung", sagt Ahrens.

Eine Formel für die Lösung dieses Problems hat das Unternehmen aus Heidelberg auch gefunden: HPA – hochreines Aluminiumoxid. Mit einer patentierten Technologie wird das Material in einem nass-chemischen Verfahren auf die Graphit-Anoden der Batteriezellen aufgetragen. "Diese Art der Beschichtung ist ein starkes Alleinstellungsmerkmal von Altech", sagt Ahrens. "Unser Verfahren der Anodenmaterial-Beschichtung ist kostengünstig und in industriellem Umfang anwendbar. Es wird erwartet das dies die Sicherheit bei einem mechanischen Schaden erhöht, die Lebensdauer um 30 Prozent verlängert, die Reichweite der Batterie um 10 Prozent erhöht und auch die Schnelladefähigkeit verbessert." Im April vereinbarte das Unternehmen einen Kooperation mit dem Graphithersteller und S-Dax-Konzern SGL Carbon.

Im sächsischen Schwarze Pumpe will das Unternehmen nun den nächsten Schritt in seiner Machbarkeitsstudie gehen. Das Tochterunternehmen Altech Industries will in einer Beschichtungsanlage schon im nächsten Jahr die ersten Testmaterialen ausliefern. Gleichzeitig sicherte sich das Unternehmen eine weitere 14 Hektar große Fläche neben der Testanlage, auf der die Produktion ausgeweitet werden kann. Um das Projekt zu finanzieren, führt Altech derzeit eine knapp 6,5 Millionen Euro schwere Kapitalerhöhung durch.

Einen neuen Wunderakku hat Altech nicht geplant, wie Uwe Ahrens versichert. "Wir brauchen kein neues Batteriekonzept, wir bauen auf der jetzigen Funktions- und Bauweise der Lithium-Ionen-Batterie auf und verfeinern das Material." Ahrens und sein Team wollen ihre Spezialbeschichtung nicht nur auf die handelsüblichen Graphitanoden auftragen, sondern auch auf Batteriematerialen aus Silizium. Das Material kann theoretisch zehn Mal mehr Strom speichern als Graphitanoden. Bei Batterieproduzenten und Autobauern ist Silizium daher heiß gehandelt. "Tesla verbaut aktuell einen geringen Prozentsatz Silizium in seinen Batterien und will, wie beim Tesla Battery Day erwähnt, diesen Anteil deutlich ausbauen", erklärt Uwe Ahrens. "Die Beschichtung von Graphit-Silizium-Anoden stellt eine mögliche Lösung im industriellen Rahmen dar."

Einziges Problem: Silizium dehnt sich beim Aufladen extrem aus. Ein Problem, das Batteriehersteller bisher noch nicht lösen konnten. Die Beschichtungstechnologie von Altech soll hier Abhilfe schaffen. Silizium hat laut Ahrens einen weiteren entscheidenden Vorteil: Es ist günstiger als Graphit und weltweit an vielen Orten verfügbar.

Sollte es gelingen, Batterien mit erhöhtem Siliziumgehalt herzustellen, könnte das die Reichweiten von Elektroautos deutlich steigern. "Es wird prognostiziert, dass ein Silizium-Anteil von 30 Prozent in der Anode die Reichweite eines Tesla Model 3 auf bis zu 1300 Kilometer steigern kann", sagt Uwe Ahrens.

Autor: Julian Schick, wallstreet:online Zentralredaktion

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