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Bundesbank-Gold bleibt in den USA "Politischer Druck und völlige Unterwürfigkeit der Bundesregierung sind das Problem"

01.12.2014, 11:42  |  54665   |   |   

Gestern haben die Schweizer unter anderem über die Frage abgestimmt, alle Goldreserven des Landes in die Schweiz zurück zu holen. Zwar konnte für die Goldinitiative der Schweizerischen Volkspartei keine Mehrheit gewonnen werden. Doch insbesondere die Frage, sämtliche Goldbestände künftig in der Schweiz zu lagern, sorgte für Aufsehen.

Auch zwei Drittel der deutschen Goldreserven lagern im Ausland - fast die Hälfte davon in den USA. Forderungen, die deutschen Goldreserven aus London, Paris und den USA zu holen, werden auch hierzulande lauter. Das aktuelle Lagerstellenkonzept der Bundesbank sieht vor, bis zum Jahr 2020 die Hälfte der Goldreserven in Deutschland zu lagern. Allerdings wurde bisher nur ein Bruchteil des Goldes nach Deutschland geschafft und nur fünf Tonnen aus den USA. Carl-Ludwig Thiele, Vorstand der Bundesbank bekundete sein Vertrauen in die Partnernotenbanken und erklärte, es gebe keine offenen Fragen.

Keine offenen Fragen? Das sieht Prof. Dr. Max Otte anders: Das Börsen- und Finanzportal www.wallstreet-online.de spricht mit dem Wirtschafts- und Finanzexperten über die ausländischen Goldreserven der Deutschen Bundesbank, die größtenteils in den USA lagern und welche politischen und wirtschaftlichen Gründe hinter der Entscheidung stecken, das Gold nicht wie angekündigt nach Deutschland zu holen.

 

Sehr geehrter Herr Prof. Otte, in einer aktuellen Umfrage auf wallstreet:online äußern über 80 Prozent die Meinung, das bislang im Ausland befindliche Gold sollte künftig in Deutschland gelagert werden. In einem vor Kurzem auf wallstreet:online veröffentlichen Artikel vertreten Sie die Meinung, dass die Bundesbank ihr Gold nicht zurückholen werde. Wie begründen Sie das?

Prof. Dr. Max Otte: Die Bundesbank hat in einer einfachen Pressemitteilung laut dem bekannten Analysten Tyler Durden von zerohedge.com erklärt, dass man auf die Rückholung wegen technischer Gründe verzichtet habe. Der Text vom Oktober diesen Jahres ist wie folgt:

"Es gab niemals einen Zweifel über die Sicherheit von Deutschlands Gold. In der Zukunft wollen wir unser Gold weiter in internationalen Handelszentren halten, so dass wir es als Reserveguthaben im Ernstfall so schnell wie möglich zur Verfügung haben."

Das ist natürlich der allergrößte Unsinn. Die Bundesbank wurde politisch unter Druck gesetzt. Das Gold liegt größtenteils bei der Federal Reserve Bank in New York. Deutschland ist einer der Stützpfeiler des amerikanischen Dollar. Man wird der Bundesrepublik nicht erlauben, eine souveräne Währungspolitik zu betreiben.

Im gleichen Zusammenhang gehen 70 Prozent der Leser von wallstreet:online davon aus, dass die deutschen Goldbestände in den USA größtenteils beliehen oder verliehen sind und somit nicht ausgeliefert werden können. Könnte das das Problem sein?

Prof. Otte: Das weiß ich so wenig wie Ihre Leser. Das ist aber auch letztlich egal. Wenn es verliehen oder umgeschmolzen wäre, hätte die Fed die Verpflichtung, das Gold zurückzukaufen. Der politische Druck und die völlige Unterwürfigkeit der Bundesregierung sind das Problem.

In einer Präsentation der Bundesbank heißt es, das Gold lagere bei Banken mit der höchsten internationalen Reputation und in Ländern mit stabilen demokratischen Strukturen. Dann ist doch eigentlich alles gut und das Gold in sicheren Händen?

Prof. Otte: Über Demokratie kann man sich streiten, wenn die Wahlbeteiligung um 50 Prozent und darunter liegt und die Gesetze von Lobbys gekauft werden. Privacy International stuft die USA, England, Russland und China als "endemische Überwachungsgesellschaften" ein.

Es geht hier um nationale oder zumindest europäische Souveränität und Handlungsspielräume, um Dominanz und Abhängigkeit. Faktisch wird doch schon im Ausland entschieden, wo und für wen deutsche Soldaten sterben. So war es auch bis 1815. Nach 200 Jahren nähern wir uns diesem Zustand wieder an.

Es gibt auch die Auffassung, das Gold sollte dort gelagert sein, wo es in Krisenfällen direkt verpfändet oder in andere Währungen getauscht werden können - sprich an den Goldhandelsplätzen?

Prof. Otte: Die Bundesbank hat die drittgrößten Goldreserven der Welt, Deutschland ist eine starke Volkswirtschaft. Was spricht dagegen, Frankfurt zu einem Goldhandelsplatz zu machen. Viele Länder fänden das sicher besser als New York oder London. Und genau deswegen wird es uns verboten.

Vor Kurzem hat das Edelmetall Gold die Schwelle von 1.200 US-Dollar unterschritten. Die Notenbanken befeuern die Märkte. Ist Gold als sicherer Hafen nicht mehr gefragt?

Prof. Otte: Das ist ein temporäres Phänomen. Die niederländische Notenbank holt gerade Gold zurück, Russland und die Banken in Asien kaufen massiv Gold. Es mag zwar im Interesse einiger westlicher Länder und Banken sein, Gold herunterzureden, aber auf Dauer wird das nicht funktionieren.

Herr Prof. Otte, vielen Dank für das Interview. 


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Disclaimer

Bundesbank-Gold bleibt in den USA "Politischer Druck und völlige Unterwürfigkeit der Bundesregierung sind das Problem" Die Bundesbank wird auf die Rückholung der in den USA gelagerten Goldreserven wegen technischer Gründe verzichten. Das sei allergrößter Unsinn, kritisiert Prof. Max Otte auf wallstreet:online. Der Bundesregierung werde eine souveräne Währungspolitik verboten.

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