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finanzmarktwelt.de Die Krise als Chance – Oder: Warum die Krise ein radikales Umdenken erfordert

Gastautor: Markus Fugmann
25.12.2014, 10:16  |  5414   |   |   

Von Marc Friedrich und Matthias Weik

Die Krise als Chance – Oder: Warum die Krise ein radikales Umdenken erfordert

 

In unseren Ausführungen klang es immer wieder an, dass wir es heute keineswegs nur mit einer Finanz- und Wirtschaftskrise zu tun haben. Sondern vielmehr mit einer umfassenden Systemkrise, die neben den wirtschaftlichen und finanzpolitischen ganz grundsätzlich auch gesellschaftliche, moralische und menschliche Faktoren betrifft. Besser gesagt: Es spricht vieles dafür, dass die moralische Krise unserer Gesellschaft nicht eine Folge des wirtschaftlichen Crashs ist, sondern dass auch der Niedergang der Moral die Krise möglich machte.

Wenn wir diese Krise bewältigen wollen, bedarf es daher nicht nur einer Reform des Wirtschafts- und Finanzsystems, sondern eines tiefgreifenden Struktur- und Gesellschaftswandels. Der wiederum nur durch radikales Umdenken machbar ist, wenn wir nicht – nach nur oberflächlichen, kosmetischen Korrekturen – immer wieder in ähnliche Krisen schlittern wollen.

Es mag für ein Finanzbuch seltsam klingen, aber wir kommen an dieser Stelle am Ende unserer Überlegungen nicht umhin, über Immaterielles zu reden. Über Moral und Werte. Über die Stützpfeiler unserer Gesellschaft. Und über die grundsätzlichen Regeln unseres menschlichen Zusammenlebens, die alles andere als neu sind. Aber im Wahnsinn der sich immer schneller drehenden Beschleunigung der globalisierten Wirtschaft in Vergessenheit geraten sind.
Wir möchten im Folgenden daran erinnern, dass die Erkenntnisse und Lösungsvorschläge, die wir aufgezeigt haben, unvollständig und oberflächlich bleiben, wenn wir uns nicht zugleich wieder besinnen auf Regeln und Werte des menschlichen Zusammenlebens. Nur so können wir einen dauerhaften Wandel erreichen und eine Art von positivem Dominoeffekt erzielen. Unsere Gesellschaft braucht ein stabiles Fundament, das sich auf die folgenden Grundpfeiler stützt:

Bildung und Erziehung
Mündigkeit
Werte, Moral und Ethik
Demut und Dankbarkeit
Liebe und Vertrauen

Diese Pfeiler sind nicht isoliert voneinander zu denken und zu haben. Ohne Bildung und Erziehung wird keine Mündigkeit erreicht, ohne Liebe und Vertrauen ist eine sinnvolle Erziehung nicht denkbar, ohne Demut und Dankbarkeit dringt eine Gesellschaft nicht vor zu Werten, Moral und Ethik und ohne letztere sind wiederum keine nachhaltigen Konzepte für Bildung und Erziehung vorstellbar.

Die Keimzelle der Gesellschaft sollte wieder in die Familie (zurück) verlegt werden. Denn vor allem hier findet Erziehung statt, hier gründet das Urvertrauen, ohne das die spätere Mündigkeit niemals erreicht werden kann. Viel zu lange aber ist Erziehung „outgesourced“ worden. Warum zeugen wir überhaupt noch Kinder, wenn die Erziehung und somit die Übermittlung von Werten hauptsächlich von Fremden übernommen wird und wir keine Zeit mehr für sie haben? Wenn sie denn überhaupt noch stattfindet, denn wir vermehren uns bekanntlich viel zu wenig, die Kinderzahl pro Frau liegt heute bei verheerend niedrigen 1,4 Prozent. Die Familie muss wieder attraktiver werden. Was dafür getan werden muss, ist hinlänglich bekannt und kann hier nur stichpunktartig erwähnt werden. Natürlich benötigen wir progressive, flexible Arbeitszeitmodelle (4 Tage Woche, 30 Stundenwoche, Zeitkonten etc.), höhere Löhne, Erhöhung der Steuerfreibeträge, die Reduzierung der Steuersätze für Familien und vieles mehr.

Ein weiteres zentrales Schlüssel-Problem unserer Gesellschaft ist unser Umgang mit der Zeit. Nie zuvor waren wir effizienter, aber zu keiner Zeit waren die Klagen über zu wenig Zeit größer. Zeit ist zum absoluten Luxusgut geworden. Viele ältere Menschen, mit denen wir uns unterhalten haben, geben zu Protokoll: „Hätte ich doch weniger gearbeitet und somit Zeit bei der Arbeit verbracht, auf Geld verzichtet und mehr Zeit für mich und die Familie genommen.“ Sollte uns das nicht zu denken geben?

 

Wie wir dem Hamsterrad der falsch verstandenen Effizienz entkommen

 

Nur durch erstklassige und lückenlose Bildung können wir einen langfristigen Wandel erreichen. Wir sind hierzulande jedoch meilenweit entfernt von optimalen Bildungsmöglichkeiten. Wir brauchen einen massiv aufgestockten Bildungsetat. Wir benötigen kostenfreie Schulen und Universitäten und eine staatliche Grundsicherung für Studenten während Ihrer Regelstudienzeit, damit studieren nicht ein Privileg für Kinder aus besseren Familien bleibt.
Durch Bildung und Erziehung werden Werte, Moral und Ethik vermittelt, sowie eine selbstverständliche Demut und Dankbarkeit und der Respekt für das Leben und die Natur. Nur so kann ein natürliches, gesellschaftlich tief verankertes Aber gegen Gier und übertriebenen Egoismus wachsen.

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