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finanzmarktwelt.de Warum Griechenland und Tsipras jetzt in der Offensive sind

Gastautor: Markus Fugmann
26.01.2015, 12:56  |  1722   |   |   

..und die Märkte das stark unterschätzen!

Von Markus Fugmann, www.finanzmarktwelt.de

Die Mäkte reagieren nach kurzer Verunsicherung entspannt auf den klaren Wahlsieg von Syriza in Griechenland. Ganz nach dem Motto: wird schon gut gehen. Der Dax erreicht sogar ein neues Allzeithoch, auch der Euro kann sich von seinen Tiefstständen wieder deutlich erholen. Aber es dürfte noch einiges auf uns zukommen, weil der designierte Ministerpräsident Tsipras ein entscheidendes Faustpfand in der Hinterhand hat: den “Grexit”.

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Zwar hat Tsipras immer wieder wiederholt, dass Griechenland unter seiner Führung in der Eurozone bleiben und auch den Euro behalten will. Aber seine Forderungen liegen so weit entfernt von dem, was die EU zulassen könnte, dass ein Kompromiß extrem schwierig zu finden sein wird. Denn die Verhandlungsposition der EU ist relativ schwach: jeder weitgehende Kompromiß würde andere Länder der Euro-Peripherie ermuntern, Ähnliches zu fordern wie Tsipras. Und das muß die EU unter allen Umständen verhindern.

Tsipras aber hat seinen Wählern einen kompletten Neuanfang versprochen und kann daher nicht wirklich Komprommisse eingehen, die an der Grundsituation wenig ändern, ohne sein Gesicht zu verlieren. Er wird daher, wenn sich die EU verweigert, mit dem “Grexit” als Trumpfkarte drohen. Dieser hätte zwar auch katastrophale Auswirkungen auf Griechenland selbst, aber, so die Logik der Wahlsieger in Hellas, viel kann man ohnehin nicht mehr verlieren. Und für die EU wäre das ein echter “Finanz-Tsunami”.

Was nämlich würde bei einem “Grexit” passieren? Zunächst einmal ist das in den Statuten der EU gar nicht vorgesehen, es wäre also gewissermaßen eine Scheidung ohne ein zugrundeliegendes Scheidungsrecht. Die Target-2-Salden (zuletzt mit 36 Milliarden Euro im Minus) würden massiv steigen, da die Griechen in Erwartung der Wiedereinführung der Drachme versuchen würden, sämtliche Euros von ihren Bankkonten zu holen – in der logischen Erwartung, dass eine Drachme im Vergleich zum Euro dramatisch abwerten würde. Je mehr Euros aber von griechischen Bankkonten abgehoben werden, umso stärker laufen die Target-2-Salden ins Minus.

Hinzu kommen dramatische Verluste für alle Gläubiger Griechenlands: die EZB (die bekanntlich griechische Staatsaneihen gekauft hat), der Internationale Währungsfond wie auch private Anleihehalter von griechischen Staatsanleihen (meist Banken) müssten hohe Milliardenbeträge abschreiben. Die Fordernungen der Troika gegenüber Griechenland liegen bei 240 Milliarden Euro. Im Wissen darum aber kann die EU ein solches Szenario nicht zulassen, ohne ein “Lehman-Moment” an den Finanzmärkten zu riskieren.

Hinzu kommt, dass die EU mit einem Austritt Griechenlands selbst “ihr Gesicht verlieren würde”. Mario Draghi und andere haben immer wieder betont, dass man unter allen Umständen die Eurozone in ihrer jetzigen Form beibehalten werde. In der Summe bedeutet das: die EU hat mindestens genau so viel zu verlieren wie Griechenland. Und: würde Griechenland ausscheiden, dürfte der Euro eine fulminante Rally absolvieren – und auch daran haben die EU-Verantwortlichen nicht wirklich ein Interesse..

 

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