Was ist Value Investing?

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
15.12.2016, 10:00  |  7189   |   |   
Foto: The Motley Fool.

Der Preis ist, was du bezahlst. Wert ist das, was du bekommst.

In diesem einfachen Spruch hat der berühmte Investor Warren Buffett den Unterschied zwischen dem Preis, also dem Kurs, und dem Wert dargestellt. Die beiden sind nämlich nicht immer dasselbe. Dieses einfache Verständnis hat dem Gründer von Berkshire Hathaway (WKN:A1YJQ2) sehr geholfen, als er sein Vermögen angehäuft hat. Den Unterschied zwischen Preis und Wert zu verstehen macht diese Art des Investierens seit Jahrzehnten so erfolgreich.

Was ist Value Investing?

Value Investing ist, wenn man in Aktien investiert, die zu einem geringeren Kurs gehandelt werden als ihr intrinsischer Wert. Daher kauft man praktisch Aktien mit einem Rabatt darauf, was der Investor glaubt, dass sie wert sind, in der Hoffnung, dass diese Investitionen steigen bis sie ihren intrinsischen Wert erreichen.

Um das besser zu verstehen, sollte man einige Dinge verstehen:

  • Intrinsischer Wert: eine Schätzung des Wertes einer Aktie. Der intrinsische Wert weicht vom Aktienkurs ab, denn er stellt den tatsächlichen Wert des Unternehmens pro Aktie dar.
  • Marktpreis: der Kurs, zu dem eine Aktie zu einem bestimmten Zeitpunkt an der Börse gehandelt wird. Value-Investoren hoffen, dass die Volatilität gelegentlich den Marktwert einer Aktie irrational unter den intrinsischen Wert treibt und damit eine Investitionsmöglichkeit schafft.

Benjamin Graham, der Mentor von Warren Buffett, hat einmal einen berühmten Ausspruch zu diesem Thema geäußert, den man in seinem Buch ‘Der Intelligente Investor’ nachlesen kann. Darin beschreibt er den Markt als einen emotional getriebenen Geschäftspartner, der jeden Tag mit verschiedenen Preisvorstellungen kommt und ein Unternehmen kaufen oder verkaufen möchte.

Stellen Sie sich vor, Sie besitzen ein kleines Unternehmen, und die Aktie hat sie 1.000 US-Dollar gekostet. Einer ihrer Partner namens Mister Market möchte sie gerne von Ihnen kaufen. Jeden Tag sagt er Ihnen, was er glaubt, das dieser Anteil wert ist und darüber hinaus bietet er Ihnen an, Ihren Anteil zu kaufen oder Ihnen einen zusätzlichen Anteil zu verkaufen. Manchmal scheinen seine Vorstellungen angesichts der Geschäftsentwicklungen und der Wachstumsaussichten plausibel und gerechtfertigt zu sein. Oft gehen mit ihm aber die Pferde durch und er ist entweder enthusiastisch oder hat wahnsinnig Angst, und daher sind seine Wertvorstellungen manchmal ziemlich töricht.

  • Sicherheitsmarge: der Unterschied zwischen dem Aktienkurs und dem intrinsischen Wert, wenn eine Aktie unter ihrem intrinsischen Wert gehandelt wird. Üblicherweise wird das in Prozent ausgedrückt. Je größer die Sicherheitsmarge, umso besser.

Die folgende Grafik zeigt, worum es beim Value Investing geht:

Grafik: Autor.

Es gibt verschiedene Arten von Value Investing

Die Investoren sollten erkennen, dass nicht alle Arten des Value Investing dieselben sind. Der Investmentstil lässt sich wohl am besten mit einem Spektrum ausdrücken, wobei man sich deutlich an einem Ende des Spektrums auf den Wert und am anderen Ende auf das Wachstum bezieht.

Am Anfang seiner Karriere hat sich Warren Buffett sehr auf den Wert beschränkt. Genau wie Graham schaute Buffett nur auf den Wert bei einer gegebenen Investition. Er suchte praktisch nach “Zigarrenstummeln”, aus denen man noch etwas herausholen konnte. Zu einer anderen Zeit seiner frühen Karriere suchte Buffett nach nachhaltigeren Geschäften, aber er war mehr darauf fokussiert eine Aktie zu finden, die 1 Dollar wert war und für 0,50 US-Dollar zu haben war. So konnte er langfristig mit dem Zinseszinseffekt mehr verdienen.

Grafik: Autor.

Später in seiner Karriere entdecke Buffett seine Wertschätzung für das Wachstumspotenzial. Dieses Umdenken bei seiner Philosophie wurde besonders von seinem Partner Charlie Munger angestoßen, über den Buffett sagt, er würde ein deutlich besseres Verständnis dafür haben, was ein wundervolles Unternehmen zu einem fairen Preis wäre – im Gegensatz zu einem vernünftigen Unternehmen zu einem hohen Preis.

Durch den Kauf von hochwertigen, nachhaltigen Unternehmen mit starken Wettbewerbsvorteilen kann man als wertorientierter Investor den Turnover in seinem Portfolio vermeiden und die Chancen auf langfristige Kursgewinne deutlich erhöhen. Dieses Umdenken erlaubt es Buffett nach Investitionen zu suchen, die Berkshire Hathaway praktisch für immer halten können. Damit sind Unternehmen wie Coca-Cola, Wells Fargo und American Express gemeint, die Berkshire seit Jahrzehnten hält.

Ein wichtiger Vorteil dabei ist, dass Buffett sich nicht länger damit beschäftigen muss, wann eine Aktie verkauft werden sollte. Das fasste er 1998 in einem Brief an die Aktionäre wie folgt zusammen.

Wenn wir Teile von außergewöhnlichen Unternehmen mit sehr gutem Management besitzen, dann ist unsere bevorzugte Halteperiode für immer. Wir sind genau das Gegenteil von denen, denen es nicht schnell genug mit dem Verkauf und dem Verbuchen der Gewinne gehen kann, wenn sich die Unternehmen gerade gut entwickeln, die aber trotzdem mit einem großen Starrsinn Unternehmen halten, die enttäuschen. Peter Lynch nennt dieses Verhalten die Blumen abschneiden und das Unkraut wässern.

Abgesehen davon gibt es keine exakten Regeln für wertorientiertes Investieren. Das zentrale Thema zwischen den verschiedenen Formen dieser Investmentform ist, dass sie alle im Wert verankert sind. Selbst Buffetts Ansatz hat sich im Lauf der Jahre verändert. Er möchte wundervolle Unternehmen zu fairen Preisen kaufen. Buffett versucht dabei Überbewertungen zu vermeiden. Sobald die Investoren aber beginnen, den intrinsischen Wert zu vernachlässigen, dann praktizieren sie kein Value Investing mehr.

Wenn man sich überlegt, wie gut sich diese Investmentform mit ihrem Fokus auf Unternehmen mit nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen bisher entwickelt hat und wie gut es für Buffett funktioniert hat, dann ist es vielleicht eine gute Idee, es Buffett hier gleich zu tun.

Wirf dein Geld nicht länger zum Fenster raus!

Fehler beim Investieren können dich Tausende von Euro kosten. Das Schlimmste daran: Du weißt vielleicht gar nicht, dass du diese Fehler machst. In diesem brandneuen Spezial Report von The Motley Fool haben wir Top Investoren aus der ganzen Welt befragt, was die schlimmsten Fehler in der Geldanlage sind und wie du sie vermeiden kannst. Klicke hier für den kostenlosen Zugang zu diesem Report.

Mehr Lesen

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Berkshire Hathaway (B shares). The Motley Fool besitzt Wells Fargo. The Motley Fool empfiehlt American Express und Coca-Cola.

Dieser Artikel wurde von Daniel Sparks auf Englisch verfasst und wurde am 09.12.2016 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.



Diesen Artikel teilen

The Motley Fool GmbH – Disclaimer für Anlageempfehlungen

Disclaimer für The Motley Fool GmbH Research Publikationen Hinweis: Auf diesen Seiten findest du Rechtshinweise und die Veröffentlichungen gemäß § 34b Abs. 1 WpHG und MAR (Marktmissbrauchsverordnung (EU) Nr. 596/2014) für alle Wertpapieranalysen und Empfehlungen von The Motley Fool GmbH („The Fool“ nachher) bezüglich aller Unternehmen, die gegenwärtig von dieser beobachtet wird.

Diese Seiten wurden zuletzt am 18. Apr 2017 aktualisiert.

Rechtshinweis / Disclaimer Die Anlageempfehlungen von The Fool enthalten ausgewählte Informationen und erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Die Analysen stützen sich auf allgemein zugängliche Informationen und Daten („die Information“), die als zuverlässig gelten. The Fool hat die Information jedoch nicht auf ihre Richtigkeit oder Vollständigkeit geprüft und übernimmt für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Information keine Haftung. Etwaige unvollständige oder unrichtige Informationen begründen keine Haftung von The Fool für Schäden gleich welcher Art, und The Fool haftet nicht für indirekte und/oder direkte Schäden und/oder Folgeschäden. Insbesondere übernimmt The Fool keine Haftung für in diesen Analysen enthaltene Aussagen, Planungen oder sonstige Einzelheiten bezüglich der untersuchten Unternehmen, deren verbundener Unternehmen, Strategien, konjunkturelle, Marktund/oder Wettbewerbslage, gesetzlicher Rahmenbedingungen usw. Obwohl die Analysen mit aller Sorgfalt zusammengestellt werden, können Fehler oder Unvollständigkeiten nicht ausgeschlossen werden. The Fool, deren Anteilseigner und Angestellte übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Aussagen, Einschätzungen, Empfehlungen oder Schlüsse, die aus in den Analysen enthaltenen Informationen abgeleitet werden. Sollten wesentliche Angaben unterlassen worden sein, haften The Fool für einfache Fahrlässigkeit. Der Höhe nach ist die Haftung von The Fool auf Ersatz von typischen und vorhersehbaren Schäden begrenzt. Die Anlageempfehlungen stellen weder ein Angebot noch eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebots zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers dar. Es ist möglich, dass Gesellschafter, Geschäftsleitung oder Angestellte von The Fool in verantwortlicher Stellung, z.B. als Mitglied des Aufsichtsrats, in den in Analysen genannten Gesellschaften tätig sind, oder eine Investitionsposition darin haben. Die in Anlageempfehlungen enthaltenen Meinungen können ohne Ankündigung geändert werden. Alle Rechte vorbehalten.

Zusätzliche Informationen für Kunden in den USA Die Anlageempfehlungen sind ein Produkt von The Fool. The Fool ist der Arbeitgeber oder Auftraggeber des jeweiligen Research Analysten, der den Report erstellt hat. Der Research Analyst ist keine mit einem US regulierten Broker-Dealer verbundene Person und unterliegt damit auch nicht der Aufsicht eines US regulierten Broker-Dealer.

Erklärung gemäß § 34b Abs. 1 WpHG und MAR sowie Delegierter Verordnung (EU) Nr. 2016/958 („DelVO“) Bewertung Die Bewertung, die der Anlageempfehlung für das hier analysierte Unternehmen zugrunde liegt, stützt sich auf allgemein anerkannte und weit verbreitete Methoden der fundamentalen Analyse, wie z.B. Discounted Cash Flow (DCF)-Modell, Terminal Multiple Bewertung, Peer-Gruppen-Vergleich, „Sum of the parts“ Modell oder ein ähnliche, häufige und weit verbreitete fundementale Bewertungsmethode.

Das Ergebnis dieser fundamentalen Bewertung wird als Basis der Empfehlung benutzt, obwohl es auch von der Einschätzung des Analysten bezüglich möglichen Industrieveränderungen, alternativen möglichen Zukünfte, Unternehmensstrategienergebnisse, Wettbewerbsdruck, usw. angepasst. Die letztendliche Meinung des Analysten sollte nicht als einzigen Punkt von Modell betrachtet, sondern eher die überlegt am wahrscheinlichsten Ergebniss der vielen möglichen zukünftigen Auswirkungen.

Unabhängig von der verwendeten Bewertungsmethode besteht das Risiko, dass das Investitionsergebnis nicht erreicht wird, z.B. aufgrund unvorhergesehener Veränderungen der Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens, Änderungen des Managements, der Technologie, der konjunkturellen Entwicklung, der Zinsentwicklung, der operativen und/oder Materialkosten, des Wettbewerbsdrucks, des Aufsichtsrechts, des Wechselkurses, der Besteuerung, usw. Bei Anlagen in ausländischen Märkten und Instrumenten gibt es weitere Risiken, etwa aufgrund von Wechselkursänderungen oder Änderungen der politischen und sozialen Bedingungen.

Diese Analyse reflektiert die Meinung des jeweiligen Verfassers zum Zeitpunkt ihrer Erstellung. Eine Änderung der der Bewertung zugrundeliegenden fundamentalen Faktoren kann nachträglich dazu führen, dass die Bewertung nicht mehr zutreffend ist. Ob und in welchem zeitlichen Abstand eine Aktualisierung dieser Ausarbeitung erfolgt, ist vorab nicht festgelegt worden.

Es wurden zusätzliche interne und organisatorische Vorkehrungen zur Prävention oder Behandlung von Interessenkonflikten getroffen.

Die Ergebnisse der Analysen, sowie die Meinungen der Analysten, sind nicht vor der Veröffentlichung zu den analysierten Unternehmen offengelegt.

Alle Preise von Finanzinstrumenten, die in dieser Finanzanalyse angegeben werden, sind Schlusskurse des dem jeweiligen ausgewiesenen Veröffentlichungsdatums vorangegangen Börsenhandelstages, soweit nicht ausdrücklich ein anderer Zeitpunkt genannt wird.

Bedeutung der präsentierten Anlageempfehlungen Anlageempfehlung: Erwartete Entwicklung des Preises des Finanzinstruments bis zum angegebenen Kursziel, nach Meinung des dieses Finanzinstrument betreuenden Analysten.

Kauf: Es wird erwartet, dass der Preis der Aktie in den nächsten 3 bis 5 Jahren mehr als den passenden Index steigen wird. Halten: Es wird erwartet, dass der Preis der Aktie in den nächsten 3 bis 5 Jahren entweder weniger als den passenden Index steigen wird, oder stabil bleiben wird. Verkaufen:Es wird erwartet, dass der Preis der Aktie in den nächsten 3 bis 5 Jahren fallen wird.

Handelsregeln und Offenlegungen von Analysten und Dritten in Verbindung mit der Motley Fool GmbH Wenn ein Analyst von Motley Fool über eine Aktie schreibt, von der er oder sie selbst eine Position besitzt oder davon anderweitig profitiert, dann wird dieser Umstand am Ende eines Artikels oder Berichts erwähnt.

Wir haben Aktienempfehlung in unseren kostenpflichtigen Newslettern und wir legen auch diese Empfehlungen offen, wenn wir darüber auf unserer kostenlos zugänglichen Website schreiben (Fool.de). Um unseren zahlenden Mitgliedern gegenüber fair zu bleiben, legen wir diese Empfehlungen mindestens 30 Tage ab der ersten Veröffentlichung der Empfehlung nicht in unserem kostenlosen Content offen. Nach dieser Frist von 30 Tagen werden wir auch diese Empfehlungen offen legen.

Das amerikanische Mutterunternehmen, The Motley Fool, LLC (kurz als „Fool US“ bezeichnet) kann auch Positionen von den Wertpapieren haben, die in unseren Artikeln erwähnt werden. Da wir kein nicht-öffentliches Wissen bezüglich der Positionen unseres Mutterunternehmens haben, werden die Positionen von Fool US auch nicht in unserem kostenlosen oder Premium-Content veröffentlicht. Fool US hat seine eigene Offenlegungsrichtlinien.

Zusätzlich zu den oben erwähnten Anforderungen unterliegen wir unter zusätzlichen Handelsbeschränkungen und Richtlinien. Diese Beschränkungen verlangen, dass die Angestellten von Motley Fool:

- jede Aktie, die sie besitzen mindestens 10 volle Handelstage besitzen müssen. (Daytrading ist nicht zugelassen – als ob wir das überhaupt wollten!) - nicht im Zeitraum von 2 vollen Handelstagen vor und nachdem sie eine Aktie gekauft oder verkauft haben, über diese Aktie schreiben dürfen. - unsere Compliance-Abteilung informieren müssen, wenn sie eine Aktie kaufen oder verkaufen, egal ob sie darüber geschrieben haben oder nicht.

Wir arbeiten auch mit freiberuflichen Autoren, die:

- jede Aktie, die sie besitzen und über die sie bei Motley Fool schreiben, mindestens 10 volle Handelstage halten müssen. - nicht im Zeitraum von 2 vollen Handelstagen vor und nachdem sie eine Aktie gekauft oder verkauft haben, über diese Aktie schreiben dürfen.

0 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

Was ist Value Investing? Foto: The Motley Fool.Der Preis ist, was du bezahlst. Wert ist das, was du bekommst. In diesem einfachen Spruch hat der berühmte Investor Warren Buffett den Unterschied zwischen dem Preis, also dem Kurs, und dem Wert dargestellt. Die beiden sind …

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel