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Bankberater unter Druck

24.03.2017, 08:30  |  1275   |   |   

Eine aktuelle Studie zeigt: Anlageberater bei Banken fühlen sich enorm unter Druck. Mehr als ein Drittel beklagt strenge vertriebliche Vorgaben. Zugleich mangelt es aus Sicht vieler Banker an flexiblen Arbeitszeiten, besseren Gehaltsperspektiven und Freiräumen bei der Beratung.

Für Bankangestellte waren die Zeiten wohl noch nie so ungemütlich. Dauer-Niedrigzinsen lassen Erträge wegbrechen, und damit nicht genug, ist die Branche auch aus anderen Gründen im Umbruch. Zunehmende Regulierung, Fusionen, Filialschließungen, Arbeitsplatzabbau. Entsprechend düster sehen die angestellten oft ihre Lage. Laut der aktuellen Studie "Bankberater und private Vermögensanlage“, für die im Auftrag von NFS Netfonds Financial Service GmbH einhundert festangestellte Anlageberater bei Banken befragt wurden, rechnen mehr als 90 Prozent der befragten Berater mit weiteren Filialschließungen und Fusionen in der Zukunft.

Pessimismus breitet sich aus

71 Prozent der Befragten erwarten künftig mehr Kunden pro Berater, wobei schon mehr als ein Drittel beklagt, dass es immer weniger oder gar nicht gelingt, Vorgaben und Ziele zu erreichen. 37 Prozent berichten von strengen Vertriebszielen etwa beim Umsatz, die die Mitarbeiter unter Druck setzen. Jeder fünfte Anlageberater bestätigt Sanktionen wie Bonuskürzungen, wenn die Vorgaben nicht erfüllt werden.

Fast zwei Drittel finden, dass sie nur durchschnittlich oder gar weniger verdienen. Nahezu jeder dritte Bankberater berichtet von unflexiblen Arbeitszeiten, 23 Prozent zeigen sich mit ihrem Handlungsspielraum bei individueller Beratung und Produktauswahl unzufrieden.

Auf der Wunschliste der Befragten stehen Vertriebsideen statt strikter Vertriebsvorgaben mit 47 Prozent ganz oben. „Die Banker stehen massiv unter Druck. Das frisst die vormals hohe Jobzufriedenheit in dieser Berufsgruppe auf. Unser Eindruck ist, dass der Frust enorm zunimmt“, sagt Christian Hammer, Geschäftsführer von NFS Netfonds.

Banker klammern sich an Hoffnungen

Verantwortlich für die Probleme machen die Mitarbeiter mehrheitlich die allgemeine Branchenentwicklung – nicht die Strategie ihrer Arbeitgeber oder gar ihre eigene Beratungsleistung. Nur fünf Prozent der Befragten meinen, die Beratungsqualität der Institute generell habe abgenommen.

Haben sich die Banken von Direktbanken und FinTechs abhängen lassen? Das findet lediglich eine Minderheit der Befragten. 40 Prozent sind der Ansicht, ihre Arbeitgeber hätten die Digitalisierung verschlafen. „Die Berater sehen eine Vielzahl kritischer Aspekte, wie unsere Umfrage bestätigt. Sie zeichnen aber weiter ein durchaus positives Gesamtbild ihrer Arbeitgeber und klammern sich an die Hoffnung, dass der Kelch an ihnen vorüber geht“, so Hammer, der frustrierten Anlageberatern den Schritt in die Selbständigkeit empfiehlt. „Die selbständige Finanzberatung ist eine gute Alternative zur Beratung innerhalb der Bank“, findet Christian Hammer. Die meisten Selbständigen schätzten die Beratungsfreiheit und direkte Verantwortung zum Kunden, so Hammer. Die anfänglichen Anstrengungen und Risiken seien im Verhältnis zu den möglichen Zugewinnen eher gering.

(MvA)



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