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Wirtschaftskritik Sonst knallt’s!

Gastautor: Friedrich & Weik
28.04.2017, 15:10  |  15096   |   |   

Ein aktuelles Interview mit Götz W. Werner, Marc Friedrich und Matthias Weik über ihr erstes gemeinsames Buch „Sonst knallt´s!: Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“.

Wie kam es zu Ihrer Zusammenarbeit? Wie und wann haben Sie einander kennen und schätzen gelernt?
MW: Im April 2013 bei einer gemeinsamen Podiumsdiskussion. Der Titel der Diskussion lautete damals: „Was kommt nach dem ‚größten Raubzug der Geschichte’? – Gibt es Chancen für das Bedingungslose Grundeinkommen“?

MF: Ich war schon lange treuer Kunde von dm und fasziniert von der Unternehmensphilosophie. Auch war mir Götz Werner schon lange ein Begriff für seinen unermüdlichen Einsatz, die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) bekannt zu machen. Dementsprechend begeistert war ich von der Idee, gemeinsam ein Buch zu schreiben. 

GWW: Schon das Buch Der größte Raubzug der Geschichte von Herrn Weik und Herrn Friedrich hat mich sehr beeindruckt, zuletzt dann ihre aktuellen und historischen Analysen in Kapitalfehler. Es gibt viele Schnittmengen, da lag eine Zusammenarbeit einfach in der Luft.

Welches gemeinsame Ziel verbindet Sie?
GWW: Die Erkenntnis, dass wir nicht einfach so weitermachen können wie bisher. Das bedingungslose Grundeinkommen ist eine Idee, deren Zeit gekommen ist.

MW: Wir möchten die Welt zum Positiven verändern. Diese Veränderung ist bitter nötig, denn sonst knallt’s.

MF: Wir alle spüren doch intuitiv, dass seit Jahren etwas nicht stimmt und die Welt aus den Fugen geraten ist. Es haben sich kapitale Fehler eingeschlichen, die wir nun konstruktiv angehen müssen. Bevor die Kollateralschäden der Finanz-Tsunamis der letzten Jahre noch schlimmer werden.

Was stand am Anfang Ihres Gemeinschaftswerks? Welche konkreten Beobachtungen waren Auslöser für Ihr Buch?
MW: Die Gesellschaft driftet immer weiter auseinander. Viele Parteien vertreten nicht mehr die Interessen der Bürger, sondern die von Konzernen und Finanzlobbys. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, ein überparteiliches „Programm“ zu schreiben. Ein Programm für die Menschen.

MF: Obwohl Deutschland seit Jahren wirtschaftlich auf der Überholspur fährt, kommt dieser Wohlstand bei den meisten Menschen nicht an. Hier läuft etwas gewaltig schief. Parallel erleben wir immer schlimmere Krisen und eine Finanzmarktblase nach der anderen. Der Euro und die EU wanken bedenklich. Nachhaltige Lösungsvorschläge aus Wirtschaft und Politik? Fehlanzeige! Unsere Schlussfolgerung: Das muss „von unten“ kommen, aus der Gesellschaft.

GWW: Ich trete ja seit längerem für die Ideen eines BGE und einer ausschließlichen Besteuerung des Konsums ein. Und ich versuche den Menschen zu erklären, dass unsere Wirtschaft viel zu sehr von der Illusion getrieben ist, Geld sei ein Wert an sich. Weil wir ständig aufs Geld starren, sehen wir meist nur „Finanzierungsprobleme“. Dabei sollte die eigentliche Frage doch lauten: Wie machen wir es möglich, dass jeder seine ureigenen Fähigkeiten und Ideen in eine Wirtschaft einbringen kann, die so leistungsfähig ist, wie keine zuvor – und die doch unsinniger Weise allzu viele Menschen zurück lässt.

Was alarmiert Sie momentan am meisten?
MW: Das sich die Bürger von der Politik nicht mehr abgeholt und vertreten fühlen.

MF: Ja, nicht nur unser Wohlstand steht auf dem Spiel sondern auch die Demokratie. Das bereitet mir große Bauchschmerzen. Die Parteien versagen am laufenden Band, und zeitgleich betreibt die EZB ein einmaliges Notenbankexperiment, um das Geldkarussell am Laufen zu halten – was jedoch zum Scheitern verurteilt ist.

GWW: Mich stört, dass viele politische und wirtschaftliche Scheindebatten sehr laut geführt werden – und Diskussionen über die Grundlagen einer wirklich sozialen Marktwirtschaft viel zu wenig.

„Radikal neu denken“, fordern Sie im Untertitel. Welche Bereiche betrifft das konkret?
MW: Die Finanzwelt, das Thema Steuern und unsere Wirtschafts- und Arbeitswelt, welche durch die „Industrie 4.0“ komplett auf den Kopf gestellt und für viele Menschen zu heute noch kaum vorstellbaren Veränderungen führen wird.

MF: Wir müssen komplett neu denken! Wir brauchen wieder Politiker anstelle von Berufspolitikern und Parteien, die nicht in Schubladen denken und ihren jeweiligen Ideologien verhaftet sind. Sondern die im Sinne der Menschen und des Landes agieren. Wir müssen die Wirtschaft wieder menschlicher gestalten und mit Sinn füllen, ansonsten fahren wir komplett gegen die Wand. Noch ist Zeit das Ruder herumzureißen.

GWW: Ich versuche in meinen Vorträgen immer deutlich zu machen, dass vieles in unserer Wirtschaft darum falsch läuft, weil wir es falsch denken. Nämlich betriebswirtschaftlich verengt statt volks- und gemeinwirtschaftlich. Nur Unternehmen haben Kosten. Volkswirtschaftlich betrachtet lösen sich alle Kosten bis auf den letzten Cent in Einkommen auf. Weshalb Gesellschaften vor allem darüber entscheiden müssen, wie sie ihre Einkommensströme regulieren wollen.

Ein wichtiges Schlagwort in Ihrem Buch sind die Steuern. Wie würden Sie folgenden Satzanfang weiterformulieren: „Die Steuern sprudeln, aber ….“

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