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Deutsche Hersteller ziehen mit Batteriefabrik gegen Tesla in den Kampf – vielleicht zu spät

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
17.08.2017, 08:00  |  10093   |   |   

Lange scheint die deutsche Industrie geschlafen zu haben, wenn es um eigene Produktionskapazitäten für die Herstellung von Batterien ging. Das neue gegründete Unternehmen TerraE will nun aber strategische Produktionskapazitäten in Deutschland aus dem Boden stampfen.

Das klingt erst einmal nach einer interessanten Entwicklung, aber bei näherer Betrachtung fragt man sich, ob hier nicht Liliput als Produktionsstandort gewählt wird.

TerraE beendet das lange Zögern

Im Laufe dieses Monats sind schon mehrere Details zu dem geplanten Vorhaben durchgesickert. Die kürzlich gegründete TerraE Holding GmbH will eine Batteriefabrik mit einer Kapazität in Höhe von 34 Gigawattstunden bauen und setzt dabei, wenn man neuesten Berichten trauen kann, auf den Standort Deutschland.

Die Logik dahinter ist, dass deutsche Autobauer und Versorger dank der Trendwende hin zu Elektroautos und Erneuerbaren jede Menge Akkus brauchen werden und man sich dabei nicht nur auf die bisher dominanten asiatischen Hersteller verlassen will. Dahinter steckt deshalb ein Konsortium aus 17 Unternehmen sowie auch das Bundesforschungsministerium, das in der Entwicklung von Batterien schon länger einen Forschungsschwerpunkt sieht.

Die neue Fabrik soll auch deshalb in Deutschland stehen, weil man somit nah an den Autoherstellern bleibt, die wichtige Kunden werden sollen. So müssen die schweren Akkus keine langen Transportwege zurücklegen und können in Zusammenarbeit mit den Abnehmern auf deren Wünsche angepasst werden. Da die Produktion von Anfang an hochautomatisiert ablaufen soll, beeinflussen die im internationalen Vergleich hohen deutschen Löhne auch nicht allzu stark die Herstellungskosten.

Tesla denkt in anderen Maßstäben

Das klingt alles erst einmal schön und gut, bis man sich die Pläne im Detail ansieht und sie dann mit der Gigafactory von Tesla (WKN:A1CX3T) vergleicht.

Die geplante Kapazität von 34 Gigawattstunden ist fast exakt mit der Startkapazität der Gigafactory gleichzusetzen, die ab 2018 35 Gigawattstunden pro Jahr produzieren soll. Allerdings soll diese Kapazität bei TerraE erst 2028 erreicht werden, also in über einem Jahrzehnt. Wenn bei TerraE alles nach Plan läuft, soll Ende 2019 der Bau der Fabrik (bzw. Fabriken, da offiziell von zwei Standorten die Rede ist) beginnen, und demnach kann man frühestens ab 2020 mit einer Batterieproduktion mit einer Gigawattstunden-Kapazität im einstelligen Bereich rechnen.

Tesla wird also schon ein Jahrzehnt zuvor dieselbe Produktionskapazität erreichen und Tesla-Skeptiker sollten hier berücksichtigen, dass das Gigafactory-Produktionsvolumen für 2018 zwar noch nicht in Stein gemeißelt ist, der Gigafactory-Bau bisher allerdings keine Probleme hatte im Zeitplan zu bleiben. Man fühlt sich aber endgültig in die Bundesrepublik Liliput versetzt, sobald man betrachtet, welche Ausweitung der Produktion für die Gigafactory noch in Aussicht gestellt wird. Man rechnet damit, die Produktionskapazität auf circa 105 Gigawattstunden für Batteriezellen und circa 150 Gigawattstunden für Akkus erweitern zu können.

Auf den zweiten Blick sieht TerraE weniger wie ein Paukenschlag aus, sondern lässt eher befürchten, dass die deutsche Industrie mal wieder weiter schlummert, bevor sie überhaupt richtig wach geworden ist.

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Marlon Bonazzi besitzt Aktien von Tesla. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

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8 Kommentare

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Kommentare

E-Mobilität mit der Brechstange macht momentan wenig Sinn.

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/vw-kritisiert-quote-fu…

Der Schanghaier Berater Jochen Siebert schätzt, dass von der halben Million E-Autos, die im vergangenen Jahr im Land verkauft wurden, 90 Prozent zu Flotten von Taxiunternehmen, Fahrdienstanbietern und Behörden gehörten.

(...)

Zudem bekommen auch Hybride sofort und kostenlos ein Nummernschild, das in Städten wie Schanghai für Autos ohne E-Motor derzeit 90.000 Yuan (11.500 Euro) kostet und Wartezeiten von mehreren Jahren haben kann. Wegen des Mangels an Stromtankstellen nutzen Hybrid-Fahrer jedoch dann oft vor allem den Benzinmotor.
Zitat von N424671: Sie haben ja eine Batteriespeicherlösung in Willstätt. Die produzieren ja und etwas besseres wird es in nächster Zukunft nicht geben. Also Leclanche. NiNa Paris


Warum sollte es in 5 Jahren nichts besseres bzw. effektiveres geben?

http://www.badische-zeitung.de/wirtschaft-3/so-werden-in-wil…

Nur jenen Einsatzbereich von Batterien, an den viele Menschen heute als Erstes denken, hat die Firma aktuell nicht im Sinn: die Automobilbranche. Allenfalls dort, wo berechenbare Touren gefahren werden, etwa im Stadtbusverkehr, ist Leclanché aktiv. Wachsend ist der Markt für Stromspeicher im Keller. Kalkuliert man wirklich ökonomisch, sind die Hausspeicher zwar in der Regel für Privatleute noch nicht rentabel.

+++

http://www.dgap.de/dgap/News/adhoc/leclanch-und-narada-power…

- Leclanché wird Narada beim Technologietransfer unterstützen, mit dem Ziel, eine kostengünstige, bedarfsgerechte Produktion der Leclanché Zellen zu erreichen.
(…)
- Mit der Lithium-Titanat-Technologie, Ihrer Schnell-Ladefähigkeit und hoher Zyklenzahl, wird diese Partnerschaft den Marktanteil für seine Produkte für Elektrobusse in China auf signifikante Weise erhöhen. Der chinesische Markt für Elektrobusse ist der größte der Welt (laut einer Navigant Studie, wird dieser auf 4 Mrd. $ geschätzt).
Sie haben ja eine Batteriespeicherlösung in Willstätt. Die produzieren ja und etwas besseres wird es in nächster Zukunft nicht geben. Also Leclanche. NiNa Paris
Der deutsche Erfindergeist wird sich in der noch unausgereiften Hochleistungsbatterienentwicklung wohl inspirierend auswirken.
Ein weiterer Vorteil wäre die Anbindung an die neue Seidenstrasse, so könnte Kobalt, Lithium und Seltene Erden direkt von China Moly angeliefert werden.

Disclaimer

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