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Wirecard-CEO Markus Braun: Neuer Milliardär? WIRECARD - Bald im DAX?

Gastautor: Volker Glaser
15.11.2017, 07:22  |  906   |   |   

Wer hätte das gedacht? Wirecard ist ein waschechter Anwärter für den DAX! In der Rangliste per Ende Oktober bringt es die Firma beim Kriterium des Börsenwertes auf Rang 32 und beim Handelsumsatz auf Rang 34. Nur Covestro und Deutsche Wohnen stehen etwas besser da. Die Ex-Tochter des Bayer-Konzerns belegt die Plätze 31 und 30 bezogen auf beide Kriterien. Das Immobilienunternehmen kommt bei der Kapitalisierung bereits auf Rang 27 und beim Handelsvolumen auf Platz 33. Mit dem Showbetrieb ProSiebenSat.1 Media befindet sich im DAX ein klarer Absteiger, der das Kriterium des Börsenwertes bereits deutlich verfehlt. Und auch Beiersdorf erfüllt bei beiden Kriterien die 30/30 Regel nicht mehr. Ob Wirecard nun bereits im Dezember in Deutschlands wichtigsten Börsenindex aufsteigt glauben wir nicht. 2018 könnte es aber soweit sein. Sofern die Entwicklung weitergeht wie bisher, wird der Aufstieg in den DAX nicht mehr zu verhindern sein.

Für Markus Braun, CEO von Wirecard, wäre die Notiz im DAX ein echter Ritterschlag. Denn damit hätte wohl keiner, außer vielleicht er selbst, gerechnet. Der Weg von Wirecard war an der Börse durchaus steinig. Im Jahre 2004 wurde das einstige Geschäft von Wirecard in die börsennotierte Infogenie Europe AG eingebracht und entsprechend umgewandelt. Lenker von Wirecard ist damals wie heute Braun. Damals erzielte die Firma einen Umsatz von 40 Mio. Euro. Die Aktie legte zunächst eine perfekte Rally aufs Parkett . Kursplus bis heute: Über 2 500 % in gut 13 Jahren! Wir waren die erste Publikation, die die Aktie im Jahr 2004 entdeckt hatte. 2008 entbrannte ein regelrechter Krieg zwischen Wirecard und Anlegern, die der Gesellschaft ganz schwerwiegende Bilanzmängel vorwarfen. Fast schien es damals so, als ob die Story von Wirecard schneller endet als sie angefangen hat. Die damaligen Akteure haben die Rechnung allerdings ohne den hartnäckigen und sehr ehrgeizigen Österreicher Markus Braun gemacht. Von diesem Schrecken hat sich Wirecard längst erholt. Auch in den letzten Jahren erfolgten von Shortsellern und/oder Publikationen immer wieder harte Angriffe wegen angeblicher Bilanzierungsthemen und gar Themen wie Geldwäsche und Betrug. Vergeblich. Mit jeder Attacke hat Wirecard stets an Kraft gewonnen. Rund um die jüngsten Enthüllungen der „Paradise Papers“ geriet die Aktie kurzfristig kräftig unter Druck, um sich aber in kürzester Zeit wieder zu erholen. Bis heute konnten die gesammelten Vorwürfe nie richtig belegt oder gar bewiesen werden. Gegenüber Investoren wiederholt Braun immer wieder gebetsmühlenartig, dass die Geschäfte alle sauber sind.

Trotz all dieser Themen hat sich Wirecard auch operativ kräftig nach vorne entwickelt. Das Unternehmen wächst sehr stark und ist ein erheblicher Profiteur der Digitalisierung rund um sämtliche Zahlungsprozesse. Bisher hatte Braun für 2017 ein EBITDA von 392 bis 406 Mio. Euro in Aussicht gestellt, welches nach einem starken Q3 auf eine Bandbreite von 398 bis 415 Mio. Euro erhöht wurde. Im Gesamtjahr 2017 dürfte Wirecard einen Umsatz von fast 1.4 Mrd. Euro einfahren und ein EBITDA von mehr als 400 Mio. Euro. Auf dieser Basis könnten netto bis zu 240 Mio. Euro in der Kasse klingeln. 2018 dürfte der Umsatz auf über 1.8 Mrd. Euro steigen und das EBITDA die Marke einer halben Mrd. Euro locker überschreiten. Netto rechnen wir für 2018 mit einem Gewinn von über 320 Mio. Euro oder einem Gewinn je Aktie von mehr als 2.60 Euro.

Wirecard wächst organisch und auch über Akquisitionen. In der Vergangenheit hat Braun auch immer wieder gerne das Kapital erhöht. Die letzte Barkapitalerhöhung liegt nunmehr ein paar Jahre zurück. Sofern Braun weiter über Zukäufe wachsen will, könnte auch mal wieder eine Kapitalerhöhung erfolgen, um Firmen zu kaufen und das weitere Wachstum zu stemmen. Angesichts eines Börsenwertes von mehr als 10 Mrd. Euro könnte Braun über eine Kapitalerhöhung um bis zu 10 % des Grundkapitals rund 1 Mrd. Euro einsammeln, um damit weiter Vollgas zu geben.

Wirecard ist zweifelsfrei ein Liebling institutioneller Investoren. Das Verhältnis zwischen Wirecard/Braun und den Medien ist eher gestört. Braun gibt fast nie Interviews. Er erkannte bereits 2006, dass nicht die Medien Kurse machen, sondern ausschließlich Investoren selbst. Wenn Braun dann tatsächlich mit Wirecard in den DAX aufsteigt, dürften die meisten Medien nicht mitfeiern. Vor allem nicht das Manager Magazin, welches das Unternehmen zu Beginn des Jahres 2017 angegriffen hatte. Braun wird’s kaum stören. Er selbst ist bei Wirecard über seine Beteiligungsgesellschaft mit 7 % beteiligt. Das Paket hat derzeit immerhin einen Wert von sage und schreibe 700 Mio. Euro. Erreicht Braun seine Vision 2020, die einen Umsatz von mindestens 2.5 Mrd. Euro vorsieht. und hält Wirecard die aktuellen Margen, könnte Braun mit Wirecard sogar zum Milliardär aufsteigen.

Wir haben bei der Aktie viel zu früh zu Gewinnmitnahmen geraten und die jüngste Rally des Papiers verschlafen. Auf den aktuell fahrenden Zug würden wir aufgrund der recht hohen Bewertung, KGV 2018 von über 30, nicht mehr aufspringen. Wir raten daher erst einmal bei Wirecard abzuwarten.

www.vorstandswoche.de

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