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Interviews: Dr. Georg von Wallwitz (Eyb & Wallwitz): „Seien wir froh, dass Bitcoin keine Währung ist“
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Interviews Dr. Georg von Wallwitz (Eyb & Wallwitz): „Seien wir froh, dass Bitcoin keine Währung ist“

Nachrichtenquelle: Asset Standard
04.12.2017, 00:00  |  764   |   |   

Im Interview mit FondsDISCOUNT.de erläutert Dr. Georg von Wallwitz, warum Bitcoin keine Währung ist und das auch nie wird.

Der Höhenflug von Bitcoin scheint nicht zu stoppen. Aber handelt es sich wirklich um eine Währung? Im Interview mit Georg von Wallwitz erfahren Sie mehr über die Stärken und Schwächen der Blockchain.

Herr von Wallwitz, Sie managen die Phaidros Funds und haben vor kurzem Ihr neues Buch über den deutschen Mathematiker David Hilbert vorgestellt. Wie sind Sie auf das Thema Bitcoin gekommen? 

Bitcoin schafft es von der Nische in den Mainstream. Das Volumen der Krypto-Währungen insgesamt liegt mittlerweile bei etwa 190 Milliarden US-Dollar. Das Thema ist hochaktuell. Jeder spricht darüber. Wenn man bei einer Taxifahrt auf Bitcoin angesprochen wird, dann wird die Luft vielleicht bald dünn.

Der Preisanstieg im laufenden Jahr stellt mit über 1.000 Prozent und einem Kurs von über 10.000 US-Dollar andere Finanzblasen in den Schatten. Glauben Sie an den langfristigen Erfolg der digitalen Währung?

Die Blockchain wird bleiben. Aber Bitcoin ist keine Währung und das wird es nie werden. Dafür ist die Abwicklung zu teuer und dauert viel zu lang. Ich möchte im Geschäft keine halbe Stunde lang warten, bis die Transaktion im Block festgeschrieben ist. Selbst die kleinste Einheit 0,0001 Bitcoin sind schon über zehn US-Dollar. Die hohen Transaktionskosten sind unpraktisch, so war das vom Entwickler Satoshi Nakamoto nicht gemeint.

Trotzdem findet ja eine gewisse Institutionalisierung rund um Bitcoin statt. Was halten Sie von dem Entschluss der CME Group, im kommenden Jahr Bitcoin Futures zu starten?

Es spricht ja schon Bände, dass es einfacher ist, Bitcoin-Produkte zu kaufen als Bitcoin selbst. Das zeigt, dass Bitcoin keine Währung sein kann. Es handelt sich um reine Spekulation. Da hilft Investoren nur noch die „Greater-Fool-Theorie“: Sie müssen jemanden finden, der ihnen die Bitcoin später abkauft.

Trotzdem fasziniert es die Menschen. Bitcoin ist 2009 entstanden aus dem Misstrauen gegen die Banken und das Finanzsystem, dem Misstrauen gegenüber den Zentralbanken. Bitcoin kann man nicht inflationieren. Das sind Themen, die vielen Leuten einleuchten.

Bitcoin braucht kein zentrales Bankensystem. Wie hoch schätzen Sie die Gefahr für Banken und Zentralbanken ein, von der Blockchain-Technologie überholt zu werden?

Die Technologie wird im Finanzbereich eine Menge Effizienzen heben. Im Backoffice werden viele Stellen wegfallen. Vieles, was in der Abwicklung passiert, wird der Blockchain zum Opfer fallen. Es bietet sich an, automatische Register einzuführen. Back-Up-Prozesse gehen mit der Blockchain viel besser. Das ist gut für die Banken, aber schlecht für die Mitarbeiter.

Die Zentralbanken wird es aber nicht überflüssig machen. Während der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren sind die Leute auf ihrem Gold sitzen geblieben. Mit Geld konnten sie aufgrund der hohen Deflation nichts mehr bezahlen, das Gold wollten sie nicht hergeben, es wurde ja ständig mehr wert. So ähnlich ist es heute mit Bitcoin auch. Wer welche hat, gibt sie nicht mehr her. Gemessen am Bitcoin liegt die Deflation bei 90 Prozent. Niemand wird seine Pizza mit Bitcoin bezahlen wollen.

Die Geldschöpfung der Zentralbanken ist deren wichtigstes Instrument, um Rezessionen und Crashs zu verhindern, das geht mit Bitcoin aber nicht. Wenn Bitcoin eine Währung wäre, wäre unsere Wirtschaft tot. Seien wir also froh, dass es keine Währung ist und freuen uns gemeinsam mit denen, die mit Bitcoin zu Millionären geworden sind.

Kryptowährungen werden scheinbar aus dem Nichts per „initial coin offering“ erschaffen. Ist das Modell Bitcoin replizierbar – oder anders gefragt – kann man es noch besser machen?

Wahrscheinlich kann man Bitcoin besser machen. Allein der Stromverbrauch beim Mining-Prozess übersteigt den Verbrauch von 159 Ländern. Das ist nicht sehr clever konstruiert. Und ökologisch auch nicht.

Mit Bitcoin Cash und Bitcoin Diamond versucht man bereits, die Transaktionsdauer und -kosten in den Griff zu bekommen.

Digitale Geschäftsmodelle basieren auf dem „The Winner takes it all“-Prinzip. Das sieht man ja auch bei Google, Facebook und Amazon. Das Monopol ist die Natur des Digitalen. Daher wird sich am Ende wohl auch nur eine digitale Währung durchsetzen.

Die Bitcoin-Rallye führt dazu, dass sogar manche Broker wie die IG Group – die größte Online Trading Plattform für Bitcoin sowie Bitcoin Derivate – an ihre Grenzen stoßen. Hacker-Angriffe auf die Plattformen stellen große Risiken dar. Würden Sie anhand dieser Risiken Anlegern empfehlen, in Bitcoin zu investieren und wenn ja, wie?

Die Blockchain selbst kann man nicht hacken, weil es ein öffentliches Register ist. Da müsste man schon über 50 Prozent der Computer, auf denen die Blockchain läuft, hacken und das wären Millionen.

Was man allerdings hacken kann, sind die Plattformen und die Fonds, die mit Bitcoin handeln. Das ist ja auch schon vielfach passiert. Als Schutz dagegen könnte man die Zahlenfolge in seinem Block ausdrucken und in einen Tresor legen. Das wäre nicht mehr zu hacken. Dafür braucht man dann natürlich wieder einen Tresor oder eine Bank. Und digital ist das Ganze dann auch nicht mehr (lacht).

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