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„Flash-Crash“ Beruhigungspillen statt Krisenmodus

08.02.2018, 09:42  |  472   |   |   

Viele Anleger sind beunruhigt angesichts der Kursverluste in dieser Woche. Finanzberater ringen um die passenden Antworten auf die Fragen nervöser Kunden. Dabei sind Kurskorrekturen völlig normal. Und ebenso das, was danach kommt: Es geht wieder aufwärts. Immer. Eine Auswahl aktueller Marktkommentare bestätigt das.

Die Lage scheint ernst. Der Dow Jones Index verlor in den vergangenen fünf Börsentagen 5,14% an Wert, der DAX folgte mit einem Minus von 4,84% auf den Fuß. Die Aktien im Euro Stoxx 50 (-4,45%) und im Nikkei (-6,79%) ließen ebenfalls kräftig Federn. Da ist es kein Wunder, dass Crash-Propheten, die schon länger die Absturzgefahren beschworen, in diesen Tagen Konjunktur haben. So unkte Großinvestor Carl Icahn auf CNBC: „Der Markt wird eines Tages implodieren“. Auf die Frage, wie schnell ein Marktbeben eintreten könne, äußerte sich der Milliardär allerdings nur vage. So könne es sein, dass nach den ersten Anzeichen das Beben noch fünf, zehn oder gar 20 Jahre auf sich warten ließe. Natürlich: Wer nur lange genug warnt, hat irgendwann Recht.

Was Icahn nicht sagt: Ausnahmslos jeder scharfen Kurskorrektur an den Aktienmärkten folgte bislang das Comeback mit beachtlichen Kursanstiegen. Die alten Höchstwerte der bekannten Leitindizes wurden dabei immer übertroffen. Schon am gestrigen Mittwoch drehte der Markt schon wieder nach oben, ein gutes Zeichen. Deshalb ist Panik nicht angebracht.

Im Gegenteil: Wer als Finanzberater seinen Kunden Gutes tun will, wägt die Chancen für neue Investitionen seiner Klientel gut ab. Hilfreich ist dabei ein Blick auf die aktuellen Markteinschätzungen großer Vermögensverwalter, die – anders als Icahn – zur Besonnenheit mahnen.

BlackRock: Wachstumsprognosen stimmen versöhnlich

Ja, es sei eine erstaunliche Rutschpartie an den Aktienmärkten, sagt etwa Felix Herrmann vom Marktführer BlackRock. Der Kapitalmarktstratege sieht das aktuelle Szenario trotzdem eher gelassen. Als Hauptgrund für den jüngsten Kurssturz bei Aktien benennt er zwar – wie viele andere Analysen auch – die steigenden Renditen bei Anleihen. So kletterte etwa in Deutschland die Verzinsung deutscher zehnjähriger Staatsanleihen seit Jahresbeginn auf den höchsten Stand seit Ende 2015. „Zusammen mit einem weiteren Erstarken des Euros ergab sich erheblicher Gegenwind für deutsche Aktien, die ihre Gewinne seit Anfang Januar komplett wieder abgaben“, so Herrmann. Doch die jüngsten Zinsanstiege in Deutschland und den USA ließen sich fast alle auf das starke globale Wachstumsumfeld zurückführen. Und das sei eben intakt. „Die Wachstumsprognosen wurden jüngst weiter nach oben korrigiert“, so Herrmann. Als  prominentestes Beispiel nennt er den internationalen Währungsfonds, der seine globale Wachstumsprognose für das Jahr 2018 auf 3,9 Prozent anhob. 

Herrmanns Fazit: Vor dem Hintergrund der guten konjunkturellen Lage sieht er keinen nachhaltigen Grund zur Unruhe. Steigen die Zinsen aus Sicht der Aktienmärkte aus den „richtigen“ Gründen, bestehe theoretisch keine große Gefahr. Auch 2018 dürfte unter dem Strich deshalb ein starkes Aktienjahr werden, wenn auch zuweilen etwas holpriger. „Die wichtige Lehre aus der vergangenen Woche lautet für uns eher, dass wir uns auf mehr Unruhe an den Märkten einstellen müssen“, so Herrmann.

Deutsche Wealth Management: Ein Stück mehr Normalität

Auch die Analysten der Deutschen AM haben ihren aktuellen Marktausblick mit ruhigem Puls verfasst. Das Muster an den meisten Aktienmärkten sei demnach ähnlich: Zwar gebe es aktuell Abschläge, doch man müsse auch das Gesamtbild im Blick behalten, konstatieren sie. Zwar hätten tatsächlich einige Indizes den größten Tagesverlust ihrer Geschichte erlitten. Doch das nur in Indexpunkten, und zwar vor allem aufgrund ihrer starken Entwicklung über die letzten Jahre. In Prozentpunkten gerechnet seien Korrekturen von 4,1 Prozent, wie sie etwa der S&P 500 am Montag verzeichnete, in der Historie alles andere als ungewöhnlich, so die Analysten. „Ungewöhnlich war vielmehr, dass der amerikanische Leitindex eine solche fünf-Prozent-Korrektur seit knapp über 400 Tagen nicht mehr verzeichnet hatte. Damit übertraf er den 1996 erreichten Rekord von 395 Tagen“, so die Analysten. Trotzdem gelte: „Der MSCI AC World Index notiert heute immer noch mit einem Jahresplus.“

Kein Grund zur Panik also. Die Verkaufswelle biete sogar Chancen. Der Grund: Die Experten der Deutschen AM gehen davon aus, dass „ein Großteil der Marktbewegung der vergangenen Tage auf sich selbst verstärkende Portfolioumschichtungen und Verkäufe bestimmter Handelsstrategien zurückzuführen ist“. Dazu gehören etwa die Leerverkäufer von Volatilitäts-Optionen oder Fonds mit einem Ziel-Risikograd. „Ebenso dürften viele Trendfolgestrategien sich jetzt neu positionieren. Diese Umschichtungen können sich über Tage ziehen und können zu einem deutlichen Überschießen der Marktbewegungen führen. Wir sehen dies als geeignetes Umfeld, gezielt Positionen in Aktien und ausgewählten Anleihen wieder aufzubauen“, so die Analysten.

Fazit: Langfristig anlegen 

Was seriöse Finanzberater ihren Kunden in der Regel empfehlen, behält also Gültigkeit: Wer langfristig anlegt und nicht überhastet reagiert, kann gelassen auf die Entwicklungen an den Finanzmärkten schauen.

(MvA)

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