DAX-0,11 % EUR/USD-0,75 % Gold+0,65 % Öl (Brent)+0,68 %

Anleihemärkte im Umfeld steigender Zinsen

Gastautor: Thomas Gräf
14.03.2018, 08:39  |  655   |   |   

Auf der Investment-Konferenz von FondsConsult in Berchtesgaden sprach Martin Dreier von der ODDO BHF Asset Management über das Investieren an Anleihemärkten im Umfeld steigender Zinsen. Für FundResearch erläutert der Portfolio Manager seine Strategien im Bereich der Hochzinsanleihen.

FR: Wie gestaltet sich derzeit das Marktumfeld bei den Anleihen?

Dreier: Unsere Wahrnehmung der Weltwirtschaft ist die einer starken, robusten, synchronisiert wachsenden Welt. Nachdem das BIP weltweit bereits um 3,5 Prozent zugelegt hat, sehen wir dieses Jahr ein weiteres Wachstum auf 3,6 Prozent. Allein die Wirtschaft in den USA wird, angefacht durch Steuerreform und Infrastrukturmaßnahmen, um 2,6 Prozent zulegen. In Europa wird das Wachstum durch den starken Euro und die Sorgen um einen harten Brexit wohl leicht rückläufig sein und bei circa 2,1 Prozent liegen. Trotzdem wachsen Teile der Eurozone über Potenzial – wie z.B. Deutschland, aber auch Portugal und Spanien. Selbst Italien, der kranke Mann Europas, ist wieder in der Lage, Primärüberschüsse zu erzielen. Die Emerging Markets, insbesondere Lateinamerika, verzeichnen eine rasante Erholung seit der Rezession 2015/16. Allein das BIP Brasiliens wird dieses Jahr von 0,7 auf 2,5 Prozent zulegen. Insgesamt also ein gutes Bild. Das wird auch vom Globalen Einkaufsmanager-Index bestätigt: Seit Ende vergangenen Jahres deuten die Werte auf ein starkes weltweites Wirtschaftswachstum hin. 

FR: Werden wir künftig wieder steigende Inflation beobachten? 

Dreier: Wachsende Wirtschaft heißt eigentlich auch immer steigende Preise. Das große Mirakel lautet: Warum sehen wir dann keinen Preisauftrieb? Es gibt derzeit verschiedene Erklärungsansätze, die alle nicht zufrieden stellen. Gleichwohl sehen wir, dass reales Wirtschaftswachstum und Kerninflation in der Vergangenheit stark korrelierten. Wir schätzen, dass die Inflation momentan sechs bis 18 Monate Verzug zum BIP hat. Wir werden also 2018 noch ein deutlich höheres Inflationsniveau sehen. 

FR: Wie werden sich in diesem Jahr die Zinsen entwickeln? 

Dreier: Die jüngsten Äußerungen aus den USA deuten auf drei, möglicherweise sogar 4 weitere Zinsschritte und damit eine Erhöhung um bis zu 100 Basispunkte am sehr kurzen Ende hin. Die Frage ist, ob es Europa gelingt, sich vom Zinsniveau der USA abzukoppeln. In der Tat ist das in den vergangenen fünf Jahren schon geschehen. Die Fed hat deutlich früher und stärker auf die globale Finanzkrise 2009 reagiert, während die EZB sich länger zurückgehalten hat. Die USA arbeiten bereits an einer Normalisierung ihrer Zentralbankpolitik, in Europa bereiten wir erst das Ende des Quantitative Easings vor. 

FR: Was bedeutet ein Zinsanstieg für die Bondmärkte? 

Dreier: Wenn wir die Zinsstrukturkurve der deutschen Staatsanleihen betrachten, sehen wir, wie sensibel die Papiere auf eine Zinsänderung reagieren: Ein Zinsanstieg von nur 50 Basispunkten bedeutet für die zehnjährige Bundesanleihe derzeit einen Performance-Impact von fast vier Prozent. Anders ausgedrückt: Sie halten die Anleihe für 100 Prozent im Portfolio, die Zinsen steigen um 0,5 Prozent und sie machen vier Prozent Miese. 

Der Rentenmarkt ist dramatisch abhängig von der Entwicklung des risikofreien Zinses. Das macht es Renten-Managern und Investoren unglaublich schwer, in einen solchen Markt konfident zu investieren und sich dabei wohl zu fühlen. Staatsanleihen sind ein heikles Thema. Deshalb bewegen wir uns lieber im Bereich der Unternehmensanleihen.

FR: Wie verhalten sich die Hochzinsanleihen konkret im Gegensatz zu den Staatsanleihen? 

Dreier: Der Preis einer Anleihe am Markt besteht aus zwei Komponenten: Aus dem allgemeinen Zinsumfeld und aus dem Unternehmens-Spread – der Risikoprämie, die sie dem Investor als Kompensation für seine Risiken – Ausfall, Volatilität, Liquidität etc. – zahlen. Wenn man Unternehmensanleihen und Staatsanleihen korreliert, zeigt sich, dass im Investment-Grade, also AAA bis BBB, die Unternehmensanleihen immer dann steigen und fallen, wenn auch Staatsanleihen das tun. Und je höher die Bonität, desto stärker die Korrelation. Das beeindruckende an dieser Korrelation ist aber: Wird das Rating eines Unternehmens schlechter, dann korreliert der Kurs immer weniger bzw. sogar negativ mit Staatsanleihen. Für den gesamten High-Yield-Markt liegt die Korrelation bei minus 0,17 und im Single-B-Bereich sogar bei minus 0,24. 

Quelle: BofAML,ODDOBHFAMGmbH

FR: Wie ist diese negative Korrelation zu erklären? 

Dreier: Die Mechanik dahinter ist einleuchtend: Wenn Zentralbanken eine sich überhitzende Wirtschaft mit steigenden Zinsen am kurzen Ende zu bremsen versuchen, dann haben Unternehmen für kurze Zeit die Möglichkeit, höhere Preise am Markt zu verlangen; die Ressourcen sind ja knapp. Die Kosten bleiben vorerst konstant, der Cash-flow steigt. Kurz: Stark verschuldete Unternehmen profitieren im Wachstumsumfeld. Erst wenn die Zinsanhebung der Zentralbank so hoch wird, dass die Zinskosten steigen, der Cash-flow gebremst wird, wenn die Verschuldungsquote wächst und die EBITDA-Margen fallen – erst dann reagieren auch schlechter geratete, wachstumsabhängige Anleihen negativ auf steigende Zinsen. 

Seite 1 von 3


0 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer