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MagForce: Bald erste Kooperationen mit Kliniken außerhalb Deutschlands

15.03.2018, 08:00  |  7112   |   |   

Die MagForce-Aktie gehört Zweifels ohne zu den interessantesten Newcomern im Bereich der Krebsbehandlung. Angeführt vom erfahrenen CEO Ben J. Lipps, früher Vorstandsvorsitzender von Fresenius Medical Care, stehen 2018 und 2019 wegweisende Entwicklungen bevor: Der europäische Roll-out der NanoTherm-Therapie und eine wichtige Prostatakrebs-Studie in den USA stehen an, an deren Ende die Behandlungsmethode zugelassen werden soll. Im Interview mit unserer Redaktion spricht Lipps über die Pläne des Unternehmens, die Finanzierung, Krankenkassen und vieles mehr.

Redaktion: Der Ansatz von MagForce in der Behandlung von Krebserkrankungen, das NanoTherm-Verfahren, ist bisher noch nicht besonders verbreitet und bekannt. Können Sie die Wirkungsweise kurz erklären?

Lipps: Die von MagForce entwickelte NanoTherm Therapie ist ein neuartiges Verfahren zur lokalen Behandlung solider Tumore. Dabei werden superparamagnetische Nanopartikel direkt in einen Tumor eingebracht und anschließend in einem magnetischen Wechselfeld (NanoActivator) erwärmt, um Hitze im Inneren des Tumors zu erzeugen. Je nach erreichter Temperatur im Tumor und Behandlungsdauer werden die Tumorzellen entweder irreparabel geschädigt (Thermoablation) oder sie werden empfindlicher gegenüber einer begleitenden Radio- oder Chemotherapie.

Was diesen Ansatz so besonders macht ist, dass man damit den Tumor von innen heraus bekämpft und somit umliegendes gesundes Gewebe schont. Dazu kommt, dass die Partikel aufgrund ihrer Hüllstruktur im Behandlungsgebiet verbleiben. Somit sind wiederholte Behandlungen und multimodale Therapiekonzepte möglich. Die Nanopartikel selbst spürt der Patient in keiner Weise.

Redaktion: Bei welchen Krebserkrankungen kann das NanoTherm-Verfahren zum Einsatz kommen, welche sind eher ungeeignet als Therapiefeld?

Lipps: Grundsätzlich lassen sich zwei Hauptformen von Krebserkrankungen unterscheiden: solide Tumore und Blutkrebs. Generell können alle soliden Tumore mit NanoTherm behandelt werden, da unsere Nanopartikel direkt in das Tumorgewebe injiziert werden. Blut- oder andere hämatologische Krebserkrankungen, bei denen die Krebszellen im Blutkreislauf eines Patienten zirkulieren und keine festen Tumore bilden, eignen sich daher nicht für eine Behandlung mit NanoTherm.

Derzeit konzentrieren wir uns auf zwei Indikationen: In der Europäischen Union verfügt unsere NanoTherm Therapie über eine CE-Zertifizierung für die Behandlung von jeder Form von Hirntumoren. Wir haben uns anfangs auf die aggressivste Form, das Glioblastom, konzentriert, weiten nun aber unsere Thermotherapie auch auf andere kleinvolumige Hirntumore aus.

In den USA hat unsere Tochtergesellschaft MagForce USA, Inc. vor kurzem die Genehmigung zur Durchführung einer klinischen Studie, die sogenannte „Investigational Device Exemption“ oder kurz „IDE“, von der FDA erhalten. Diese erlaubt es uns nun, eine pivotale klinische Studie mit unserer Therapie zur Behandlung von intermediärem Prostatakrebs durchzuführen. Der Grund, warum wir diese Indikation mit intermediärem Risiko anvisieren, ist, dass es in den USA ca. 250 aktive Überwachungsprogramme, Active Surveillance Programme genannt, für Patienten mit Prostatakrebs gibt und sich diese Krebsform durch ein langsames Wachstum auszeichnet und in vielen Fällen heilbar ist, wenn sie frühzeitig erkannt wird. Active Surveillance ist ein Programm, das „Warten unter Beobachtung“ und aktives Erkrankungs-Management in einem für den Patienten interaktiven Programm verbindet. Somit ist es möglich bei Prostatakrebspatienten den Verlauf der Krankheit zu überwachen und eine höchstmögliche Lebensqualität zu erhalten, indem invasive Behandlungen wie Bestrahlung oder Operationen erst später eingesetzt oder sogar vollständig vermieden werden. Mit unserer NanoTherm Therapie wollen wir die kleinen Krebsläsionen direkt zerstören und somit Patienten ermöglichen, in den Active Surveillance Programmen zu verbleiben und ihre Lebensqualität aufrecht zu erhalten.

Redaktion: In der Krebstherapie gibt es zahlreiche weitere innovative Ansätze, wie zum Beispiel onkolytische Viren oder auch Immuntherapien, die gerade in letzter Zeit für einige spektakuläre M+A-Deals im Biotechsektor gesorgt haben. Warum steht MagForce an der Börse vergleichsweise so im Schatten anderer Therapieansätze?

Lipps: Die Krebsforschung entwickelt sich rasant weiter. Es gibt viele biologische Innovationen und es ist unglaublich zu sehen, welche Fortschritte in den letzten 10 bis 20 Jahren gemacht wurden. Man sollte jedoch immer im Hinterkopf behalten, dass viele dieser potenziellen neuen Therapieformen noch viel Entwicklungsarbeit vor sich haben, bis die Produkte für die Patienten verfügbar sein werden.

Im Gegensatz dazu ist MagForce ein innovatives Medizintechnikunternehmen. Wir arbeiten nicht mit systemisch verabreichten Medikamenten, die mehrere Organsysteme eines Patienten beeinflussen können. Unser Gründer und sein Team haben diesen Hyperthermie-Nanotechnologieansatz entwickelt, um lokalisierte Krebstumore mithilfe von Hitze präzise zu zerstören - und das mit minimalem Kollateralschaden im umliegenden gesunden Gewebe.

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8 Kommentare

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Kommentare

Top Kursziele und lauter positive Berichterstattungen, aber keiner steigt ein.
Magforce hat sich wirklich das Vertrauen
in die Firma verspielt.
Trotzdem glaube ich immer noch, dass das Teil irgendwann einfach plötzlich durchstartet.
Zitat von franco51: Kein Kauf Empfehlung kein ceo Interview Hilfen die Aktie mehr
Traurig aber irgend was kann nicht stimmen hier
Halt ein kleiner Nebenwert mit erratischen Kursschwankungen.

Da geht der Kurs viele Wochen lang nur abwärts, um dann innerhalb von wenigen Tagen alles wieder aufzuholen. Manchmal ist es auch umgekehrt.

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