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Welche Wirkung hat der Handelskonflikt auf die Kurse? - DAX: Eine normale Gegenbewegung im Aufwärtstrend

Gastautor: Sven Weisenhaus
24.05.2018, 10:00  |  844   |   |   

Geopolitische Themen beherrschen derzeit die Medien und angeblich auch die Börsenkurse. Positiv wurde demnach aufgefasst, dass die chinesische Regierung ihre Einfuhrzölle auf Autos aus dem Ausland ab dem 1. Juli von 25 % auf 15 % senken will. Zudem werden die Importzölle für Autoteile auf 6 % reduziert. In diesem Bereich lagen die erhobenen Abgaben je nach Bauteil bislang zwischen 8 % und 25 %.

Diese Meldung der Zolltarifkommission des chinesischen Staatsrates erfolgte einen Tag nach der gemeinsamen Mitteilung von China und den USA, dass man einen Konsens über Maßnahmen erzielt habe, mit denen das US-Handelsdefizit gegenüber China „erheblich“ verringert werden soll. China erzielte 2017 einen Überschuss im Handel mit den USA von 375 Milliarden Dollar. Und um diesen Überschuss zu reduzieren, werde China zukünftig vor allem mehr US-Produkte aus den Bereichen Landwirtschaft und Energie importieren.

Ein Erfolg von Trumps Drohungen?

Was in den Medien teilweise als Erfolg der Drohungen von US-Präsident Trump im Handelsstreit gewertet wird, war aber sowieso längst geplant. Wie Brad Setser vom Council on Foreign Relations der „Washington Post“ dazu sagt, müsse China sowieso mehr Energie, Futtermittel und Fleisch importieren, um die inländische Nachfrage decken zu können. Einen solchen Deal hätte man „jedem US-Präsidenten angeboten“, so Setzer. Und auch die Ankündigungen aus China zu den Importzöllen kamen nicht überraschend. Denn Staatspräsident Xi Jinping hatte bereits anlässlich der Pekinger Automesse angekündigt, dass die Regierung in Peking die Importabgaben auf Autos bis zum Ende des Jahres „erheblich“ reduzieren werde.

Und wohl deshalb äußerte sich Trump heute auch wenig zufrieden mit den bisher erzielten Verhandlungsergebnissen. Zumal konkrete Zahlen in der gemeinsamen Erklärung nicht genannt wurden. Details würden erst in weiteren Gesprächen ausgearbeitet, hieß es dazu.

Handelsstreit deeskaliert zumindest vorerst

Dennoch setzen die USA im Gegenzug für die bisherigen Ankündigungen Chinas die angedrohten Strafzölle vorerst aus. Und das kann durchaus als eine klare Deeskalation des Handelskriegs zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt gewertet werden, was grundsätzlich positiv für die Börsen ist.

Treffen zwischen Trump und Kim steht auf der Kippe

Negativ wurde dagegen gewertet, dass US-Präsident Trump das für den 12. Juni geplante Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim unter Vorbehalt gestellt hat. Werden bestimmte Bedingungen bis dahin nicht erfüllt, wie die Abrüstung der nordkoreanischen Atomwaffen, könne das in Singapur geplante Treffen verschoben werden oder auch ganz ausfallen. Das sagte Trump am Rande eines Gesprächs mit seinem südkoreanischen Kollegen Moon.

Welche Auswirkungen haben diese Meldungen auf die Börsen?

Wie positiv oder negativ das für die Börsen ist und wie groß die Wirkungen dieser Meldungen auf die Kurse sind, darüber lässt sich sicherlich streiten. Ich behaupte weiterhin, dass das geopolitische Geschehen (Handelskonflikt, Nordkorea, Iran-Deal, Syrien, etc.) aktuell nur eine relativ geringe und immer nur kurzfristige Wirkung auf die Aktienkurse hat (siehe auch Börse-Intern vom 8. Mai). Für die Aktionäre zählt langfristig nur der Einfluss auf die Unternehmensgewinne. Und der ist bislang in allen genannten Themenfeldern extrem gering.

Beispiel: US-Zölle auf Stahl- und Aluminium

Nehmen wir dazu nur einmal als Beispiel die Auswirkung der US-Zölle auf Stahl- (25 %) und Aluminium (10 %) auf Unternehmen aus Deutschland. Die USA sind ohne Zweifel ein wichtiger, wenn nicht gar der wichtigste Abnehmer deutscher Waren. 2017 wurden aus Deutschland Güter im Wert von 111,5 Milliarden Euro in die USA geliefert - vor allem Autos, Maschinen und Pharmaprodukte. Ein Drittel der 30 DAX-Konzerne erwirtschaftet ein Viertel oder mehr seiner Umsätze in den USA. - Das klingt zunächst einmal viel.

Aluminium und Stahl machen aber gerade einmal 0,9 % Anteil am gesamten Handel zwischen der EU und den USA aus. Und aus Deutschland kommen nur 3,7 % der amerikanischen Stahlimporte. ThyssenKrupp liefert weniger als 5 % seiner Jahresproduktion in die USA. Und durch die Zölle würde wohl nur ein kleiner Teil davon entfallen. Daher seien die direkten Folgen durch die US-Zölle beherrschbar, meinte kürzlich auch der Chef von Salzgitter dazu. Er sieht die Gefahr eher darin, dass der für die USA bestimmte Billig-Stahl aus Südkorea oder der Türkei den europäischen Markt überschwemmt.

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