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Kennen Sie diese Zahlen? Legenden und Fakten zur Zuwanderungsdebatte

Gastautor: Rainer Zitelmann
09.07.2018, 16:36  |  14648   |   |   

Politiker und Medien behaupten, "wir" hätten Griechenland und Italien mit den Problemen der Zuwanderung "allein gelassen", weil dort die EU-Außengrenzen sind und nicht in Deutschland. Das gehört zu den vielen Legenden in der Zuwanderungsdebatte. Die Behauptung ist ebenso abwegig wie die, man könne durch Entwicklungshilfe die Fluchtursachen beseitigen. Hier einige Fakten aus offiziellen Statistiken und Forschungsberichten:

  1. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen zählt in Deutschland zum Stand Ende vorigen Jahres 1,41 Millionen Schutzberechtigte und Asylbewerber. Nr. 2 ist Frankreich (402.000). Erst danach kommen Italien (355.000) - und weit hinter Ländern wie Schweden (328.000) und Österreich (173.000) erst Griechenland (83.000). Alleine in Berlin leben heute mehr Asylzuwanderer als in ganz Griechenland, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der LINKEN hervorgeht. Demnach wohnten Ende 2017 in Berlin 83.222 Asylzuwanderer (Personen mit einem der vier Schutztitel, Asylbewerber im Verfahren, Geduldete, Niederlassungserlaubnis aus Flucht- sowie humanitären Gründen, Härtefälle). Dabei hat Berlin 3,7 Millionen Einwohner und Griechenland 10,7 Millionen. In Nordrhein-Westfalen leben 433.236 solcher Zuwanderer über das Asylsystem, das sind mehr als das UNHCR für ganz Italien zählt. Dabei hat NRW 17,5 Millionen Einwohner und Italien über 60 Millionen.
     
  2. Auch die Daten zu Asylentscheidungen belegen die Ungleichverteilung in Europa zulasten Deutschlands, nicht - wie immer wieder behauptet - zulasten Griechenlands oder Italiens. Nach Eurostat-Zahlen wurden im vergangenen Jahr 524.185 entsprechende Entscheidungen in der Bundesrepublik getroffen, mehr als in allen übrigen EU-Staaten zusammen.
     
  3. Gebetsmühlenartig wiederholen Politiker, man müsse die "Fluchtursachen beseitigen", und zwar durch Entwicklungshilfe. Laut einem aktuellen Forschungsbericht für das Bonner Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) (http://ftp.iza.org/pp136) wird sich die Hoffnung, dass mehr Entwicklungshilfe die Auswanderung aus armen Ländern tatsächlich reduziert, nicht erfüllen. Die Neigung zur Auswanderung sinkt nämlich erst dann, wenn die betroffenen Länder ein Pro-Kopfeinkommen von etwa 8.000 bis 10.000 US-Dollar (gemessen auf Kaufkraftbasis) erreicht haben. Länder mit einem Pro-Kopfeinkommen von 5.000 bis 10.000 US-Dollar (auf Kaufkraftbasis) haben im Durchschnitt eine dreimal höhere Anzahl an Auswanderern als Länder, in denen das Pro-Kopfeinkommen unter 2.000 US-Dollar liegt. Mit anderen Worten: Bis zum Erreichen der oberen Schwelle nimmt die Migrationsneigung in den ärmsten Ländern bei wachsendem Wohlstand sogar tendenziell zu. Im Normalfall dauert es - wenn man die durchschnittliche historische BIP-Wachstumsrate zugrunde legt - fast 200 Jahre, bis in einem armen Land der Impuls zur Migration nachlässt. Und selbst wenn man sehr optimistisch annimmt, dass sich das Wirtschaftswachstum durch Entwicklungshilfe um zwei Prozentpunkte pro Jahr steigern ließe - eine Verdreifachung der derzeitigen Rate -, würde es bis zum Erreichen dieser Einkommensschwelle noch ein halbes Jahrhundert dauern. Doch das ist unrealistisch, weil Entwicklungshilfe meist nichts bewirkt oder sogar kontraproduktiv ist, wie ich im 2. Kapitel meines Buches "Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung" auf Basis einschlägiger Forschungen belege: http://kapitalismus-ist-nicht-das-problem.de/
     
  4. Deutschland weist im Vergleich der EU die meisten Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung auf. Im vergangenen Jahr lebten im Bundesgebiet 156.710 Personen ohne offizielles Bleiberecht, so die EU-Statistikbehörde Eurostat. Das ist etwa ein Viertel aller Menschen, die sich ohne Papiere in der Europäischen Union aufhalten.
     
  5. Deutschland war laut Eurostat zwar auch der EU-Mitgliedstaat, der 2017 die meisten Nicht-EU-Bürger zur Ausreise anwies (97.165). Tatsächlich verließen mit 44.960 Menschen weniger als die Hälfte der Betroffenen die Bundesrepublik.

30 Leseproben, Interviews und Rezensionen zum neuen Buch von Dr. Dr. Rainer Zitelmann finden Sie hier: http://kapitalismus-ist-nicht-das-problem.de/presse/

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Kommentare

Welchen Sinn machen diese Beiträge. Herr Dr. Dr. hat leider keine Ahnung von volkswirtschaftlichen Zusammenhängen. Ich lese diese Beiträge immer, um etwas Spass am Tag zu haben. Soviel Schwachsinn, wie Herr Dr. Dr. produziert schafft keine Comedy Sendung. Immer wieder Spass für mehrere Tage.
Sieh mal einer an,in Deutschland hängen also wieder die meisten rum!
Jetzt muss man natürlich bedenken,dass wir eigentlich durch die Abkommen von Schengen und Dublin am meisten geschützt waren und vor diesem Hintergrund kann das verwundern,eigentlich sollte unser Bestand nahezu Null sein!
Jetzt,kann man über die Darstellung,wir hätten Griechenland alleine gelassen herzlich lachen,denn es war von Anfang an klar,dass auch Griechenland spezielle Pflichten haben wird,hier beschwert sich allerdings auch keiner,bedenklich nur,dass Italien seinen vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommen will und beharrlich eine Rückführung verweigert.
Bezüglich Entwicklungshilfe habe ich gestern schon ...

Das Problem ist weniger die fehlende Entwicklungshilfe. Vielmehr ist es so, dass gewisse Kreise eine Eigenständigkeit in diesen Ländern verhindern, weil sie sonst von dieser Rückständigkeit nicht mehr profitieren können. Dafür werden dann auch korrupte Diktatoren an die Macht gebracht, Denen geht es, im Gegensatz zum Großteit der Bevölkerung vor Ort, blendend, so dass gar kein Interesse besteht an diesem Ist-Zustand etwas zu ändern. Wer das Spiel nicht mitmacht wird aus dem Amt gefegt. Notfalls unter Anwendung massiver Gewalt, die dann wieder zur Fluchtursache werden.

Habecks Lösung für die Zuwanderung: Afrika "in eine wirtschaftliche Prosperität versetzen" | wallstreet-online.de - Vollständige Diskussion unter:
https://www.wallstreet-online.de/diskussion/1284134-1-10/habecks-loesung-zuwanderung-afrika-in-wirtschaftliche-prosperitaet-versetzen#beitrag_58170269
Kapitalismus ist also das Problem, denn wenn ich eine bestimmte Summe Geld habe will ich mehr und kann damit Nepper und Schlepper bezahlen um in ein Land zu kommen wo ich noch mehr Geld verdienen kann.

Fazit: Daran geht der Kapitalismus zu Grunde an seinen eigenen Regeln des freien Marktes, die Geister die ich rief.

Es gibt nämlich gar keinen freien Markt, freier Markt ist ein Märchen, die Freiheit des Einen ist die Unterdrückung des Anderen.



"Der Zauberlehrling" Zittelmann

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