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Forex-Report US-Zolldrohung – amerikanischer Konjunkturmasochismus? – Italien…

Gastautor: Folker Hellmeyer
11.07.2018, 09:35  |  830   |   |   

Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1.1729 (07:21 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1.1690 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 111.08. In der Folge notiert EUR-JPY bei 130.28. EUR-CHF oszilliert bei 1.1637.

Chinas Regierung hat die Pläne der US-Administration im Handelskonflikt für Zölle auf chinesische Waren im Wert von 200 Mrd. USD als absolut inakzeptabel bezeichnet. Das ist hinsichtlich des internationalen Handelsorganigramms vollständig nachvollziehbar und geboten.

Die USA nehmen für sich eine Form der Rechtsauffassung in Anspruch, die gegenüber dem Rest der Welt mindestens eine Diskriminierung darstellt. Manche mögen es einen hybriden Krieg der USA nennen. Auf jeden Fall ist es eine Aggression und gleichzeitig eine Disruption.

China werde umgehend eine Klage gegen die USA bei der Welthandelsorganisation einreichen. China rufe die Welt auf, sich gegen Handelsschikanen zu stellen und die Freihandelsregeln zu schützen. In der Tat ist es geboten, keinen Ansatz der Willfährigkeit gegenüber den USA zu zeigen.

Der potentielle Schaden bei fortgesetzter Eskalation seitens der USA für die nicht autark aufgestellte Ländergemeinschaft der Weltwirtschaft, die internationale Arbeitsteilung, die Basis der Funktionalität der Weltwirtschaft ist, zur Disposition zu stellen, wäre markant. Unabsehbare Folgen für die Versorgung der Wirtschaftsräume und damit für die globale politische Stabilität wären die Folge. Dort sind wir aber noch nicht!

O-Ton aus Peking: Das Vorgehen der Regierung in Washington schade nicht nur China und der übrigen Welt, sondern auch den eigenen Interessen der USA. Hier kommen wir zur Achillesferse der aktuellen US-Handelspolitik. An dieser Stelle ist eine nüchterne Einwertung der geplanten US-Maßnahmen bitter notwendig, um die Nervosität zu beherrschen, die derzeit grassiert.

Es geht um Importe aus China in die USA. Das Volumen beträgt, sofern dieser Plan vollzogen wird, 200 Mrd. USD. Unter der Annahme, dass der Aufschlag bei 20% liegt, reden wir über eine Verteuerung dieser Produktpalette um 40 Mrd. USD. Um diese Belastung von 40 Mrd. USD in eine Sinn stiftende Relation zu stellen, nehmen wir Bezug auf das die US-Wirtshaft stimulierende US-Haushaltsdefizit, das sich in den ersten 190 Tagen des laufenden Jahres auf 716 Mrd. USD stellt. Hier wird erkennbar, dass wir derzeit über überschaubare Größen bei der Belastung der Weltkonjunktur reden.

Da die USA in weiten Teilen überhaupt nicht die Produktionskapazitäten, aber auch nicht die Arbeitnehmerkapazitäten (Ausbildung, Drogenfreiheit) haben, ergeben sich maßgeblich Folgen im Preisgerüst und weniger im Mengengerüst der Importe aus China in die USA auf kurze und mittlere Sicht. Diese Preiseffekte wären von den US-Verbrauchern zu schultern. Der Preiseffekt erhöhte den Druck über importierte Inflation auf die Federal Reserve, den Zinserhöhungszyklus fortzusetzen, was die historisch hoch verschuldeten US-Verbraucher zusätzlich in ihrem diskretionären Einkommen einschränkte. Da circa knapp 70% des US-BIP mit dem privaten Konsum korreliert sind, ergeben sich aus der US-Handelspolitik veritable Risiken für den zukünftigen US-Konjunkturverlauf.

Am Ende hat der von den USA verursachte Handelskonflikt primär belastende Folgen für den US-Verbraucher und damit für die US-Konjunktur. Ergo ist die US-Zollpolitik bei vollzogener Eskalation am Ende auch Ausdruck eines US-Konjunkturmasochismus.

Bei der Vergeltung der US-Zölle durch betroffene Länder, die im Rahmen des Regelwerks der WTO agieren, ergeben sich für diese Länder völlig andere Chancen, den Folgen der Zollspirale mit den USA zu entgehen. So kann China beispielsweise bei Rindfleisch/Steaks auf gute Qualitäten aus Argentinien und Brasilien zurückgreifen, was beiden aufstrebenden Ländern helfen würde.

Wenn der Rest der Welt mit 85% der Weltwirtschaft sich gemeinsam gegen den unrechtmäßigen Angriff aus den USA wehrte, darf Zuversicht dominieren. Anzeichen für diesen Schulterschluss gab es gestern. Chinas Ministerpräsident Li Keqiang hat deutschen Autokonzernen die Sicherheit ihrer Daten und Technologien bei der gemeinsamen Entwicklung des autonomen Fahrens zugesagt. Sein Land wolle die Technologie mit deutschen Herstellern entwickeln. O-Ton Li: „Wir wollen Win-Win-Situationen erzeugen.“ Verletzungen beim Diebstahl geistigen Eigentums würden "schonungslos geahndet", versicherte der chinesische Regierungschef.

Im Rahmen des Austausches mit Deutschland stand der Begriff Kooperation im Vordergrund.

Das ist gut so – auch im Hinblick auf die Seidenstraße und „OBOR“!

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