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Türkei: "Radioaktiver Niederschlag" könnte europäische Großbanken vergiften

10.08.2018, 11:05  |  8606   |   |   

Der Euro gab am Freitagmorgen gegenüber dem US-Dollar stark nach, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) über die Auswirkungen einer schwachen türkischen Lira auf die europäischen Banken Besorgnis äußerte.

Der Euro fiel um 0,5 Prozent auf 1,146 US-Dollar in den frühen Morgenstunden des Freitags. Auslöser war ein Bericht der "Financial Times", wonach die spanische Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA), die italienische UniCredit und die französische Großbank BNP Paribas von der anhaltenden Abwertung der türkischen Lira (TRY) besonders betroffen sein könnten.

"Meine Vermutung über den Euro ist, dass es mit der Ansteckung aus der Türkei zusammenhängt", sagte Raymond Lee, Manager bei Kapstream Capital in Sydney. "Im Moment fühlt es sich nicht wie ein systemisches Problem an, sondern eher wie eine Reaktion des Marktes auf die Überraschung",so Lee.

Im vergangenen Jahr verlor die türkische Währung rund 33 Prozent ihres Wertes gegenüber dem US-Dollar. Die Abwertung der Lira könnte die europäischen Banken, die in der Türkei investiert haben, in Mitleidenschaft ziehen. Dem Bericht zufolge ist die EZB besonders besorgt darüber, dass die türkischen Bürger nicht bereit sein könnten, die Abwertung der Lira zu unterstützen, und dass sie bei Fremdwährungskrediten in Verzug geraten werden. Diese machen rund 40 Prozent der Bilanzsumme im türkischen Bankensektor aus.

Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zeigen, dass spanische Banken 83,3 Milliarden US-Dollar von türkischen Kreditnehmern, französische Kreditgeber 38,4 Milliarden US-Dollar und Banken in Italien 17 Milliarden in ihren Büchern haben.

"Natürlich hätte eine ausgewachsene türkische Bankenkrise einige negative Auswirkungen auf Banken in der Eurozone, die ein hohes Kreditrisiko gegenüber der Türkei haben oder türkische Banken besitzen. Aber insgesamt scheint das Bankexposure in der Eurozone zu gering, um eine signifikante Krise auszulösen", schreibt Carsten Hesse, europäischer Ökonom bei der Berenberg Bank, in einer Mitteilung an die Kunden am Freitagmorgen. Unter weiter: "Aber selbst wenn wir uns irren und ein möglicher Zusammenbruch des türkischen Bankensektors für einige Banken in der Eurozone ernsthafte Probleme verursachen würde, hätten die Bankaufsichtsbehörden in der Region genügend Instrumente zur Verfügung, um den Schaden einzudämmen. Dass der radioaktive Niederschlag aus der Türkei zu einer Kreditklemme in irgendeinem Teil der Eurozone führen könnte, ist höchst unwahrscheinlich", sagte er.

Anders sieht es Marktanalyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets: "Es schwingt die Sorge mit, dass die europäischen Banken ihr Geld aus der Türkei nicht wiedersehen werden".

Quellen:

CNBC

ntv

 

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