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ProCredit Holding: Strategie wird gut angenommen

Gastautor: w:o Gastbeitrag
14.08.2018, 11:34  |  805   |   |   

Die Marktkapitalisierung der ProCredit Holding liegt mit rund 650 Millionen Euro über der der SDAX-Werte SAF Holland, Cewe Stifung, Borussia Dortmund, Deutsche Beteiligungs AG und JOST Werke. Dennoch ist die Bank, die vor allem auf dem Balkan aktiv ist, deutschen Investoren kaum bekannt. Im Gespräch mit unserer Redaktion stellt ProCredit-Vorstand Borislav Kostadinov sein Unternehmen vor. Er spricht über den Wachstumskurs der Bank sowie über die immer beliebter werdenden grünen Kredite. Die Prognose für 2018 und die gerade publizierten Halbjahreszahlen sind weitere Themen im Interview mit Borislav Kostadinov.

Sie sind Ende 2016 an die Börse gegangen. Dennoch sind Sie den meisten Investoren völlig unbekannt. Wie erklären Sie sich dieses?

Kostadinov: Die ProCredit Holding ist als Muttergesellschaft der entwicklungsorientierten Gruppe der ProCredit Banken vor allem in Investorenkreisen bekannt, die sich mit KMU und unseren Fokusregionen Südost- und Osteuropa beschäftigen. Das Listing der ProCredit Holding-Aktien im Prime Standard der Frankfurter Börse im Dezember 2016 war damals nicht mit einer Kapitalerhöhung und der Ausgabe neuer Aktien verbunden. Wir verfolgen seit unserem Börsendebüt eine klare Strategie, um die Bekanntheit von ProCredit zu erhöhen. Die regelmäßige Teilnahme an Kapitalmarktkonferenzen nutzen wir, um europaweit direkte Kontakte zu potenziellen Investoren aufzubauen. Außerdem betreiben wir eine aktive Medienarbeit in Richtung des Kapitalmarkts und informieren auch auf diesem Weg interessierte Anleger. Diese Aktivitäten sind aus unserer Sicht die richtigen Schritte, um die Bekanntheit von ProCredit und das Interesse an unserer Aktie kontinuierlich auszubauen. Bei der erfolgreichen Kapitalerhöhung im Februar 2018, die zur Finanzierung unseres zukünftigen Wachstums erfolgte, wurden wir in unserem Vorgehen bestätigt. Wir konnten hierbei neue Investorenkreise für unsere Gruppe gewinnen.

Worauf legen Sie bei Ihren Geschäften vor allem mit kleinen und mittelständischen Unternehmen in Osteuropa den Fokus?

Kostadinov: In unserer Zusammenarbeit mit kleinen und mittelständischen Unternehmen stehen dynamische Unternehmen mit guten Entwicklungsperspektiven im Fokus, die unsere Werte wie Transparenz, soziale Verantwortung und Umweltbewusstsein teilen. Darunter verstehen wir auch Unternehmen mit stabilen und formalisierten Strukturen, die Investitionen tätigen, ihr Geschäftskonto bei uns führen und ihren Zahlungsverkehr mit uns abwickeln. Wir legen Wert auf eine langfristige Zusammenarbeit mit unseren Kunden und wollen für sie der verlässliche Partner sein, der ihre Bedürfnisse und Herausforderungen als mittelständische Unternehmen in dynamischen Ländern versteht. Eine sorgfältige Prüfung der Bonität dieser Unternehmen durch unsere gut ausgebildeten Firmenkundenberater und ein Abgleich mit unserer Ausschlussliste sind dabei Selbstverständlichkeiten. In dieser Ausschlussliste definieren wir Bereiche wie zum Beispiel Waffenproduktion oder Glücksspiel klar als diejenigen Geschäftsfelder, die wir nicht unterstützen möchten.

Zuletzt haben Sie eine Reihe von Filialen geschlossen, die Zahl hat sich von 645 auf rund 100 reduziert. Gleichzeitig setzen Sie verstärkt auf die Automatisierung von Bankleistungen und auf die Digitalisierung. Wie wirkt sich das auf der Kostenseite aus und wie sind die Kundenreaktionen?

Kostadinov: Unsere Unternehmenskunden wollen ihre Bankgeschäfte dann erledigen, wenn es am besten in ihren operativen Ablauf passt und nicht von Öffnungszeiten einer Bankfiliale eingeschränkt werden. Wir haben daher zunächst die Prozesse zur Abwicklung von Bargeldtransaktionen in vollautomatisierte 24/7-Servicezonen verlagert. Dann haben wir unsere digitalen Angebote ausgeweitet, damit unsere Kunden ihre Bankgeschäfte auch online vornehmen können. Die Beratungstermine mit unseren speziell ausgebildeten Firmenkundenberatern erfolgen natürlich unabhängig von den Öffnungszeiten der Filialen. Die hohe Akzeptanz unserer digitalen Angebote durch unsere Kunden zeigt, dass wir mit diesen Maßnahmen gute Rahmenbedingungen geschaffen haben. Heute haben wir in unserer Gruppe praktisch keine manuellen Bargeldtransaktionen mehr. Auch unser Direktbankkonzept, mit dem wir uns an zukunftsorientierte Privatkunden richten, die eher dem Mittelstand entsprechen, wird sehr gut im Markt aufgenommen. Diese Gruppe möchte ihre alltäglichen Bankgeschäfte einfach und zeitgemäß über digitale Kanäle erledigen. Für uns ermöglichte die Verschlankung des Filialnetzes die Realisierung von Effizienzgewinnen. Unser Kosten-Ertrags-Verhältnis lag im ersten Halbjahr 2018 bei 71,3 Prozent nach einer Quote von 73,8 Prozent für das Geschäftsjahr 2017.

Sie haben seit 2013 die Zahl der Mitarbeiter von 11.500 auf etwa 3.000 Personen reduziert. Hat das für Unruhe gesorgt?

Kostadinov: Die Hauptursache für diese Entwicklung war unsere Entscheidung, das Profil der ProCredit Banken als Banken für kleine und mittelständische Unternehmen mit Entwicklungspotenzial zu schärfen. Diese Entscheidung führte zum Rückzug aus dem Bereich der Kreditvergabe an Kleinstunternehmen, zur Restrukturierung des Filialnetzwerks und zum Rückzug aus bestimmten Ländern. Gleichzeitig stiegen die Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiter. Dieser Prozess begann vor über fünf Jahren und wird seitdem konsequent verfolgt. In der Konsequenz führte dies zu der genannten Reduktion der Mitarbeiterzahl seit 2013. In diesem Zusammenhang dürfte es Sie vielleicht interessieren, dass der Großteil der betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgrund ihrer bei uns erworbenen Qualifikationen und Berufserfahrungen nach unserem Wissen recht schnell innerhalb des Bankensektors oder in der Wirtschaft neue Aufgaben übernehmen konnte.

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