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Wie finden Investoren die nächste Amazon-Aktie?

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
04.11.2018, 09:15  |  834   |   |   

Unter Aktienanlegern, insbesondere unter Wachstumsinvestoren, ist die Aktie von Amazon (WKN: 906866) ein Synonym für beeindruckende Renditen. Und das nicht umsonst: Die Amazon-Aktie hat sich von ihrem splitbereinigten Allzeittief bis zu ihrem Allzeithoch ungefähr ver-1562-facht!

Um das ein bisschen greifbarer darzustellen: Hättest du am 22. Mai 1997 640,34 Dollar in Amazon investiert, dann hättest du deine Position – wenn man Gebühren und Steuern außer Acht lässt – am 4. September 2018 für eine Million Dollar verkaufen können. Verrückt, oder?

Die Suche nach dem nächsten Amazon

Gewissermaßen ist es so etwas wie der heilige Gral des Growth Investing, die „nächste Amazon-Aktie“ zu finden – also eine Aktie, die sich in den nächsten zwei Jahrzehnten so entwickeln wird, wie es die Amazon-Aktie in den letzten beiden getan hat. Schließlich ist die Vorstellung, eine solche Aktie rechtzeitig zu finden, bevor sie ihren Raketenritt startet, einfach zu schön.

Und selbst wenn die Wertentwicklung letzten Endes nicht mit der von Amazon mithalten kann: Auch einen Verhundertfacher in seinem Depot zu haben, kann die privaten Finanzen schon komplett auf den Kopf stellen.

Um Aktien zu finden, die in den nächsten zwei Jahrzehnten eine ähnlich steile Kurve hinlegen, müssen wir erst einmal die Eigenschaften Amazons im Jahr 1997 herausfinden und dann schauen, wo wir diese Eigenschaften heute finden können.

Amazon vor zwei Jahrzehnten

Im Jahr 1997, als Amazon an die Börse ging, wimmelte es nur so von neuen Internet-Start-ups und heißen Börsengängen, bei denen das „nächste große Ding“ versprochen wurde. Mittendrin Amazon, der führende Onlineversandhandel für Bücher. Nur drei Jahre vorher war das Unternehmen vom heute reichsten Mann der Welt – Jeff Bezos – gegründet worden und erwirtschaftete nun schon einen Umsatz von knapp 148 Mio. Dollar.

Doch Amazon ruhte sich darauf nicht aus: Das Unternehmen plante, langfristigen Wert zu schaffen. In seinem Aktionärsbrief aus dem Jahr 1997 betonte Bezos, dass dies nur möglich sei, wenn man in dieser extrem wettbewerbsintensiven Branche der Marktführer sei. Daher werde Amazon seinen Erfolg am Umsatz- und Nutzerwachstum messen (und nicht etwa am Gewinn).

Bezos sagte weiter, dass diese ungewöhnliche Haltung des Unternehmens zu Entscheidungen führen könnte, die auf den ersten Blick nicht ganz logisch erscheinen, sich langfristig jedoch auszahlen würden. Beispielhaft nannte er den unablässigen Fokus auf die Kundenbedürfnisse und Investitionen in die Sicherung der Marktführerschaft. Bezos nahm hier auch absichtlich in Kauf, dass einige Entscheidungen sich als absoluter Schuss in den Ofen herausstellen könnten. Immerhin hätte das Unternehmen dann seine Lektion gelernt.

Bezos war sich bewusst, dass all dies zum aktuellen Zeitpunkt das absichtliche Verbrennen von Geld bedeuten würde, und zwar in großem Stil. Doch das war ihm egal. Das Einzige, was für ihn zählte, waren die zukünftigen Cashflows, die sich durch die Investitionen erzielen lassen würden.

Amazon stellte auch sicher, dass die frühen Mitarbeiter alles für die Vision des Unternehmens tun würden: Sie erhielten überwiegend Aktienoptionen als Vergütung, sodass sie alle Anteilseigner des Unternehmens waren. So filterte Amazon weniger überzeugte Mitarbeiter effektiv aus. Denn was will man mit Aktienoptionen eines Unternehmens, an dessen Vision man nicht glaubt?

Warum das alles hervorragende Eigenschaften sind

Es wäre damals leicht gewesen, Amazon nur als eine weitere Internet-Hype-Aktie abzutun. Doch im Gegensatz zu anderen Start-ups hatte Amazon eine Vision, die motiviertesten Mitarbeiter, den Willen, langfristigen Wert zu generieren, und das ultimative Ziel, der Marktführer zu sein.

Es war damals klar, dass man als Aktionär einen langen Atem haben musste, um die Realisierung von Amazons Vision tatsächlich zu erleben. Das Unternehmen würde Verluste schreiben, keine Dividende zahlen und teilweise von Geldgebern abhängig sein. Doch dafür dachte das Unternehmen in großen Zeiträumen und nicht von Quartal zu Quartal wie die etablierten Wall-Street-Konzerne.

Dieser langfristige Fokus war es, der es Amazon ermöglichte, tatsächlich als Sieger aus dem Rennen um die Marktführerschaft hervorzugehen und das Imperium aufzubauen, das wir heute kennen.

Vielleicht denkst du jetzt, dass Amazon diese frühen Eigenschaften mittlerweile längst abgelegt hat und ein Unternehmen ist mit einer Kultur wie jedes andere auch. Doch dem ist nicht so. Die Trial-and-Error-Philosophie bei seinen aggressiven Investitionen hat sich kein Stück verändert, und auch heute noch ist Amazon nicht für besonders üppige Gewinnmargen und erst recht nicht für eine Dividende bekannt. Oder wie CEO Bezos es bis heute in jedem Aktionärsbrief formuliert: „It’s always day one.“

Wonach wir suchen müssen

Um „das nächste Amazon“ zu finden, sollten wir also nach kleinen, jungen Unternehmen suchen, die …

  • bereits heute in ihrer noch kleinen Branche führend sind und superschnell wachsen
  • eine revolutionäre Vision haben, die ein riesiges Marktpotenzial erschließt
  • langfristig denken und alles, was sie tun, auf das Erreichen dieser Vision und den Ausbau der Marktführerschaft auslegen
  • den Mut haben, aggressiv zu investieren und dabei auch mal zu scheitern
  • sich wie besessen auf den Nutzen für den Kunden fokussieren
  • motivierte und einsatzkräftige Manager und Mitarbeiter haben, die alle die DNA des Unternehmens in sich tragen

Ein Unternehmen, das all diese Eigenschaften vereint, ist natürlich nicht zu 100 % das nächste Amazon. Möglicherweise ist die Wahrscheinlichkeit dafür sogar immer noch ziemlich gering. Unvorhergesehene Ereignisse und falsche Entscheidungen können für ein verlustträchtiges, junges Start-up schnell die Pleite bedeuten.

Doch wenn wir nach genau solchen Unternehmen suchen, haben wir unsere Chancen zumindest stark verbessert. Und das ist letztendlich alles, was wir als Investoren tun können – sicher kann man sich an der Börse nie sein.

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