DAX-0,72 % EUR/USD-0,06 % Gold+0,02 % Öl (Brent)-3,19 %

Kritik Ex-EZB-Chefökonom Stark sieht EZB schlecht gerüstet für die nächste Krise

Gastautor: w:o Gastbeitrag
07.01.2019, 07:59  |  1560   |   |   

Der frühere EZB-Chefökonom Jürgen Stark sieht die Europäischen Zentralbank (EZB) in der Konjunkturfalle. In den vergangenen Jahren habe die Notenbank den Ausstieg aus ihrer Krisenpolitik verpasst und nun keinen Spielraum mehr, um einen möglichen Konjunktureinbruch wirksam zu bekämpfen. „Die EZB ist zum Gefangenen ihrer Politik geworden. Regierungen und Finanzmärkte sind von ihr abhängig. Sie ist damit selbst zu einem Risiko für die Finanzstabilität geworden”, sagte Stark gegenüber WELT AM SONNTAG.

Der frühere Währungshüter kritisiert scharf, dass die EZB durch ihre Politik den Zins quasi abgeschafft und mit ihren Interventionen Marktteilnehmer in höhere Risiken getrieben habe. Stark befürchtet, dass die EZB einer möglichen Krise wenig entgegenzusetzen habe: „Die größte Herausforderung wird darin bestehen, den nächsten Konjunkturabschwung oder die nächste Krise geldpolitisch zu parieren. Dazu müsste sich die EZB ein erhebliches Stück in Richtung Normalität bewegen, sowohl bei den Zinsen als auch beim Bilanzvolumen. Aber bleibt ihr dafür die Zeit?“

Stark, der seinen Posten 2011 im Streit um die Anleihekäufe der Notenbank aufgegeben hat, rechnet nicht damit, dass die EZB die Leitzinsen in den verbleibenden Monaten der Amtszeit von Präsident Mario Draghi deutlich erhöhen und damit das Ende der Minuszinsen einläuten wird. „Abgesehen davon, dass die aktuelle Politik der EZB auf einer Fehldiagnose beruht, hat die EZB den Zeitpunkt für den Ausstieg aus dieser Politik verpasst“, sagte er der Zeitung. „Ich rechne nicht damit, dass die EZB während Draghis Amtszeit wieder in den positiven Zinsbereich zurückkehrt. Natürlich hängt vieles von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung im Euro-Raum ab. Aber die konjunkturelle Abkühlung spricht nicht für eine Zinserhöhung.“

Quelle: WELT AM SONNTAG-Exklusivmeldung, vom 06.01.2019.

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Kommentare

So langsam geht mir die Dauerkritik an der EZB auf die Nerven...

Die niedrigen Zinsen bringen die Wirtschaft/Investoren noch immer nicht dazu zu investieren -außer in dem Autobereich....tatsächlich gibts aber noch viele andre Wirtschaftsbereiche...

Der Staat zahlt bald keine Zinsen mehr -- tut dort aber auch nix.
Die Anleger ignorieren Aktien und bunkern Billionen für ---ja für was den?

Nur deswegen sind und bleiben die mittel/langfristigen Zinsen unten -- das würde sich auch durch eine andere EZB Politik nur marginal ändern..

Ganz abgesehen davon das die Trump Blase bald ausläuft und der € (zur Überraschung aller selbsternannten Experten) massiv aufwerten wird
Sieh einer an,aber die Einsicht,scheint da zu sein!
Es ist ja noch nicht sicher,dass die Latte so hoch gelegt werden muss,weil wir zunächst abwarten müssen,ob sich die amerikanische konjunktur tatsächlich unter höheren zinsen erhält!
Auch wäre es nicht erforderlich,jeden Schritt der Fed mit zu machen,einen,könnte man vielleicht noch auslassen,...jetzt wird es dann allerdings zeit,dass die Hausaufgaben gemacht werden!

Disclaimer

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel