Abgas-Skandal: Müssen Euro 6 Diesel von VW, Audi runter von der Straße?

Gastautor: Roland Klaus
02.02.2019, 20:01  |  7446   |   |   

Bisher konnten sich Besitzer eines Euro 6 Diesel relativ sicher vor Fahrverboten fühlen. Doch das könnte sich ändern, wenn es nach dem Willen der EU-Behörden geht. So können sich Verbraucher wehren.

Der Wahnsinn rund um den Diesel geht weiter. Selbst neuesten Diesel-Autos der Euro 6d Norm droht demnächst ein Fahrverbot in europäischen Städten. Das ist die Folge eines Urteils des EU-Gerichts. Die Richter kippten eine Regelung der EU-Kommission, die den Euro 6 Dieseln höhere Grenzwerte bei der Emission von Stickstoffdioxid zugebilligt hatte. Nun gilt: Nur Fahrzeuge, die weniger als 80 Milligramm Stickstoffdioxid ausstoßen, sind vor einem Fahrverbot sicher.

Diese Grenzwerte gelten eigentlich erst für Fahrzeuge, die ab 2021 zugelassen werden. Diverse Großstädte wollen so schnell wie möglich Fahrverbote für alle Fahrzeuge erlassen, deren Ausstoß höher liegt.  Derzeit erfüllen nur die wenigsten Diesel diese Norm. Selbst die meisten Euro 6d Fahrzeuge liegen mit ihren Werten höher. Paris, Brüssel und Madrid hatten bei dem Europäischen Gericht geklagt und Recht bekommen.

Allerdings gilt eine Übergangsfrist von 14 Monaten. Erst danach, also Anfang 2020 dürfen die Städte Fahrverbote erlassen. Dann allerdings könnten Fahrzeuge neuesten Typs betroffen sein, möglicherweise auch Benziner. Paris beispielsweise hat angekündigt, ab 2024 sämtliche Diesel auszusperren. Auch Berlin prüft Fahrverbote für Euro 6 Diesel.

Damit scheint klar: Selbst neueste Diesel sind nicht vor Fahrverboten sicher. Das wird sich auch auf die Wertentwicklung dieser Fahrzeuge auswirken. Wer also heute noch einen Diesel kauft, sollte mit massiven Wertverlusten rechnen, wenn er den Wagen eines Tages verkaufen will.

Und was ist mit all jenen, die in den vergangenen 12-18 Monaten einen Euro 6 Diesel gekauft haben – in dem Glauben, damit auf der sicheren Seite zu sein? Diese Autofahrer sitzen in der Klemme. Den Autohersteller werden sie kaum belangen können, denn eine Manipulation liegt bei diesen Modellen in der Regel nicht vor. Sie sind regulär zugelassen worden.

Dennoch gibt es eine Möglichkeit, für all jene, die den Kauf des Autos auf Kredit oder Leasing finanziert haben: den sogenannten Widerrufsjoker. Aufgrund von Formfehlern in Kredit- und Leasing-Verträgen können viele Finanzierungen noch Jahre nach Abschluss wiederrufen werden. Das bedeutet: Das Auto geht zurück an die Bank, der Kunde erhält sein Geld zurück. Nach Analysen der Interessengemeinschaft Widerruf kommt die Mehrzahl der Kfz-Kredite für ein solches Vorgehen in Frage. Erster Schritt sollte stets die Prüfung des Vertrags durch einen Spezialisten sein. Die IG Widerruf bietet eine kostenlose und unverbindliche Prüfung der Unterlagen und begleitet Verbraucher auch bei der Umsetzung des Widerrufs.

Mehrere Hundert Verbraucher haben in den vergangenen Monaten bereits ihr Fahrzeug erfolgreich an die finanzierende Bank zurückgegeben. Gerade in Zeiten, in denen Verbraucher durch willkürliche juristische und politische Entscheidungen massive Wertverluste tragen müssen, scheint diese Vorgehensweise ein wirksamer Weg zur wirtschaftlichen Selbstverteidigung.

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