Bräustüberl gegen Google Wartezeitenstreit am Tegernsee

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
15.07.2019, 09:31  |  409   |   |   

TEGERNSEE (dpa-AFX) - Idyllische Seenlandschaft, Bergblick - das Herzogliche Bräustüberl Tegernsee an Oberbayerns Promi- und Touristenhotspot ist meist gut besucht. Doch so groß, wie man nach dem Stoßzeiten-Chart bei Google hätte vermuten können, ist der Andrang in der Regel nicht. Dort war die Rede von Wartezeiten: Mal 15 Minuten, an Wochenenden auch mal 90 Minuten. Dabei loben Gäste bei den Bewertungen gleich unter der Grafik zu den angeblichen Stoßzeiten eine "schnelle Bedienung".

Wirt Peter Hubert wehrt sich nun gerichtlich gegen die Angaben des Internetriesen. "Gäste, die sich vorab im Internet informieren, schreckt das ab." Er habe es zwei Jahre gütlich probiert. "Wir sind keine Streithanseln." Aber: "Jetzt klagen wir, dass das unterlassen und richtig gestellt wird." Das Landgericht München I will im August verhandeln.

Mehrere Medien hatten darüber berichtet. Am Freitag war der umstrittene Chart plötzlich verschwunden. Hubert sagte, er wolle den Gerichtsweg aber weiter beschreiten. Es gebe keine Garantie, dass die Angabe dauerhaft nicht mehr auftauche. "Das kann ja übermorgen wieder drin sein." Am Abend meldete sich Google zu Wort. "Die geschätzten Wartezeiten basieren auf anonymen Daten von Personen, die in der Vergangenheit das betreffende Restaurant besucht haben, ähnlich wie bei den Funktionen "Stoßzeiten" und "Besuchsdauer"." Unternehmen könnten aber über einen Link Feedback geben. Und: "Wir werden den Fall außerdem untersuchen, um Google Maps weiter zu verbessern."

Noch einen Tag zuvor, mittags gegen 12.00 Uhr: Gäste sitzen draußen. Von 1500 Plätzen drinnen und draußen sind laut Hubert rund 700 besetzt. Trotzdem meldet Google bis zu eine Viertelstunde Wartezeit. Eine Stunde später sollen Gäste sogar bis zu 30 Minuten warten müssen - das könne nicht stimmen, findet Hubert. Um zu dokumentieren, dass die Angaben falsch sind, machte er Screenshots der Google-Angaben und parallel Fotos mit freien Tischen.

Das Bräustüberl sei kein Einzelfall, sagt Frank-Ulrich John vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. "Beim Wirt haben sich auf die Berichterstattung rund 20 bis 30 weitere Unternehmer quer durch alle Branchen gemeldet, denen es ähnlich ergeht." Vermutlich sei die Zahl der Betroffenen noch viel höher. "Mein Wunsch wäre, sich auf seinen gesunden Menschenverstand zu verlassen und einfach ins Wirtshaus zu gehen, unabhängig davon, was Google meint." Auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband reagierte: "Der Dehoga Bundesverband wird sich im Interesse seiner Mitglieder der Sache annehmen und das Zustandekommen und die Quellen der Informationen, die Google veröffentlicht, hinterfragen."

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