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Steinbrück Geldpolitik hat Handlungsfähigkeit verloren

Nachrichtenagentur: Redaktion dts
22.10.2019, 00:25  |  2696   |   |   
Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Ex-Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) fordert die künftige EZB-Chefin Christine Lagarde auf, trotz der flauen Konjunktur nur sehr langsam aus den Negativzinsen auszusteigen. "Das bedarf nicht sofortiger Entscheidungen, aber einer kommunikativen Vorbereitung", sagte Steinbrück der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstagsausgabe). Lagarde übernimmt die EZB am 1. November.

Steinbrück sagte, er halte es für wichtig, "eine Wende beim Zins und der Liquiditätspumpe einzuleiten". Das abflauende Wirtschaftswachstum sei kein Grund, die Negativzinsen beizubehalten. Zwar werde es "einige Gegenargumente geben, weil wir konjunkturell gerade etwas absacken", sagte er. Er nehme das Wort Rezession aber nicht in den Mund, "nur weil wir zweimal hintereinander im Quartal leicht im Minus waren. Ich hielte es für richtig, den Mechanismus der Geldpolitik langsam wieder zu reaktiveren, so dass er in einer richtigen Krisenzeit wieder zu Verfügung steht". Steinbrück betonte, er werde keinesfalls in die Kritik am scheidenden EZB-Präsidenten Mario Draghi einstimmen. "Mario Draghi war ein respektabler Präsident der Europäischen Zentralbank, daran gibt es nichts zu deuteln", sagte Steinbrück. "Ich bin weit davon entfernt, wie andere ein Draghi-Bashing zu betreiben." Der EZB-Chef habe Versäumnisse der Euro-Staaten ausgleichen müssen. "Er repräsentierte in einer großen Krise mit der EZB die einzig handlungsfähige Institution Europas und wurde zum Ersatzakteur der Politik verdammt". Steinbrück zufolge hätte Draghi aber vor etwa zwei Jahren eine Änderung der Geldpolitik einleiten müssen. Inzwischen würden die Nachteile überwiegen: "Erstens, die Geldpolitik hat ihre Handlungsfähigkeit verloren. Wenn wir jetzt in einer Krise kommen, ist sie kastriert. Dann kann nur noch die Fiskalpolitik gegensteuern. Zweitens, der Zinssatz hat seine Funktion als Risikoindikator völlig verloren. Drittens, es ist enorm viel Liquidität im Markt und eines Tages kommt die Frage, wie kriege ich die Zahnpasta wieder in die Tube. Viertens, durch die Geldschwemme sind Unternehmen und Banken leicht an Geld gekommen, obwohl sie kein wettbewerbsfähiges Geschäftsmodell aufweisen. Einige nennen sie daher Zombiebanken und Zombieunternehmen. Das fünfte ist, dass einige Staaten durch den leichten und billigen Zugang zur Refinanzierung ihrer Staatsschulden davon entlastet worden sind, notwendige Reformen durchzuführen. Diese Nachteile überwiegen jetzt".
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Kommentare

Den Berg rauf,gehts aufm Fahrrad schon immer schwerer,als runter!
Sonst wäre das Fahrrad fahren auch verboten,weil dann alle stets zur Hölle fahren würden,nur weil se zu faul sind,zu treten!
Klar,dass ein Kurswechsel auch Mut erfordert,aber hier hatter Recht und nach einer Phase,wo alle eine Chance hatten,sich zu bewähren,werden auch Teilnehmer abgestraft und aus sortiert,die die Gruppe einfach nur auf halten,weil es immer so war,weswegen ein Kurswechsel stets als überraschend aufgenommen wurde!
So etwas,hält eine zu dekadent geratene Gesellschaft "frisch" und es wird Zeit,höchste zeit,dass die Latte höher gelegt wird,sonst fordern die Leute noch die Ost-Mark zurück!
Absteigen,und Platz,für fähige Teilnehmer machen,ist eine Alternative,zum "Eine Gesellschaft zum Teufel politen" indem man die von der EZB verteilten Geschenke nutzt,um zur Hölle zu lenken,weil man eben nicht nur auf sich allein ist,wenn man "lenkt"!
Zwar wirkt es nicht nur zeitlich unverfrohren,La Garde das Amt in solcher Situation zu übergeben,aber selbst sie,kann sich noch beweisen,andere werden Platz machen müssen,oder es kommt,wie es eben kommen muss,was dann nicht ihre,oder gar unsere Schuld sein wird!
Die Zinsen sind nun nach 25 Jahren Gelddruckens (seit Clinton/Greenspan) bei Null oder negativ und koennen gar nicht mehr nennenswert erhoeht werden, weil viele Staaten (inkl. Deutschland) sonst die Zinszahlungen fuer Schulden nicht mehr leisten koennen.

Eine Rueckkehr zu Marktzinsen und freier Marktwirtschaft erfodert nun einen Neustart oder extreme Eingriffe, wie z.B. Enteignungen bei den 1% und Reprivatiserung der Vermoegen an der Boerse.

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