DAX+0,86 % EUR/USD-0,42 % Gold-1,07 % Öl (Brent)+1,66 %

Finanzstabilitätsbericht der EZB Matthias Weik spöttisch: „Zieht bei der EZB jetzt der Realismus ein?“ – „Vollkommener Irrsinn sagen wir“

27.11.2019, 13:28  |  16317   |   |   

Die Niedrigzinspolitik gefährde die Finanzstabilität im Euroraum, warnt die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrem halbjährlichen Finanzstabilitätsbericht. Die niedrigen Zinsen führten dazu, dass z. B. Manager von Investment- und Pensionsfonds und Versicherungen höhere Risiken eingingen. Was sagt der prominente Crash-Prophet Matthias Weik dazu? Exklusive Antworten:

Matthias Weik, Finanzbuch-Autor und Kapitalmarktexperte, erklärte exklusiv gegenüber wallstreet:online: „Oha, zieht bei der EZB jetzt der Realismus ein? Offenkundig setzt sich die Erkenntnis bei der EZB durch, dass das günstige Geld zu riskanten Anlagen verleitet und zu einer ‚Überbewertung‘ der Immobilien geführt hat. Was für eine Überraschung aber auch. Wir sagen bereits seit langem, dass die EZB-Politik vollkommener Irrsinn ist und keinerlei Probleme löst, sondern neue schafft. Immer mehr wird für jedermann ersichtlich, dass der Kaiser nackt ist. Es ist nicht die Frage ob, sondern lediglich wann der Euro scheitert, welcher Europa trennt, anstatt es zu einen und obendrein immer mehr unseren Wohlstand vernichtet. Wir befürchten jedoch, dass die Politik bis zum bitteren und für uns Bürger teuren Ende am Euro festhalten wird.“

Bei der Präsentation des EZB-Finanzstabilitätsberichts in der letzten Woche sagte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos laut dem Handelsblatt: „Während das Niedrigzinsumfeld die Gesamtwirtschaft stützt, stellen wir auch einen Anstieg der Risikobereitschaft fest, der mittelfristig zu Herausforderungen für die Finanzstabilität führen könnte“. Und weiter: „Die Behörden sollten verfügbare Instrumente verwenden, um das Auftreten von Sicherheitslücken zu beheben, sofern dies möglich ist“, meinte der Zentralbanker.

Die EZB warnt in ihrem Bericht außerdem davor, dass die Niedrigzinsen die Ertragsaussichten der Banken gesenkt hätten. „Die Eigenkapitalrendite der Banken im Euroraum wird voraussichtlich weiter unter Druck bleiben - und zwar sowohl aufgrund der schwächeren Konjunkturaussichten als auch aufgrund anhaltender Kostenineffizienzen und Überkapazitäten“, heißt es in dem EZB-Bericht.

Eine weitere Folge der Niedrigzinspolitik seien Fehlbewertungen an den Aktien- und Anleihenmärkten. So heißt es in dem Bericht: „Laut Schätzungen haben die geldpolitischen Maßnahmen der EZB und die Nebenwirkungen der Maßnahmen der [US-Notenbank] Federal Reserve zum Anstieg der Aktien- und Anleihepreise beigetragen.“

Die Preisexplosion am Immobilienmarkt sei eine weitere Folge der Niedrigzinsen, so die EZB. Im Durchschnitt seien Wohnimmobilien im Euroraum um mehr als sieben Prozent überbewertet, heißt es in dem Finanzstabilitätsbericht. Sollte es zu einer Preiskorrektur kommen, könnten Investoren in Probleme geraten, was sich negativ auf die Finanzstabilität auswirken könnte.

Den Finanzstabilitätsbericht der EZB können Sie HIER LESEN.

Autor: Ferdinand Hammer


Diesen Artikel teilen
Wertpapier

Mehr zum Thema
Klicken Sie auf eines der Themen und seien Sie stets dazu informiert. Mehr Informationen hier.
EZBNiedrigzinspolitikEuroRealZentralbank


5 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Kommentare

Und als Letztes Geld erzeugt keine Inflation, siehe Japan, sondern nur überhöhte Löhne. Aber davon sind wir in Deutschland ja weit entfernt.
Die EZB schafft Geld aus dem Nichts und lässt es auch wieder verschwinden. Das sollte langsam Allgemeinwissen sein. Wenn nicht, einfach mal auf der Seite der EZB nachlesen.
Immer wenn eine Anleihe ausläuft oder Aktien wie zurückgekauft werden verschwindet das Geld wieder in der EZB.
Warum bekommt so ein Laie einen Artikel.

Ich sag ja, keine Ahnung vom Geldsystem wie die Oesterreicher
Es wäre schön, wenn irgendwann sich jemand berufen fühlt, den eventuell schon gedachten, aber geheim gehaltenen Ausgang zu publizieren.

Das gestapelte Geld müsste abgebaut werden.

Entweder in Konsum, das wäre die inflatorische Variante, die auch niemand will, wenn man sich den Stau betrachtet. Außerdem hinge das mit Enteignung und Reichensteuer zusammen.

Oder, was Draghi mal andeutete, dass er das Geld wieder einziehen kann.

Der Negativzins auf größere Guthaben ist schon mal ein Versuch? Mitarbeiter und Aktionäre der Banken werden dann nicht aus den Zinsgewinnen bezahlt, sondern aus dem Guthaben der Kunden. Ausweichen ist schlecht möglich, denn einfach Aktien, Immobilien, Ferraies oder Kunst immer teurer zu kaufen, kommt auch an den Punkt, dass die "Werte" plötzlich zusammenbrechen.

Was auch sein könnte, dass Draghi davon ausgeht, dass die Lage eine Babyboomer Ursache hat und sich löst, wenn die Guthaben kleiner werden, wenn die Aufbrauchphase beginnt. Das hat auch seine Tücken, denn viele sind schon über dem Punkt, dass ihr Vermögen wächst, egal wieviel sie ausgeben. Außer die Unternehmensgewinne geraten ins Stocken. Bei den Autogiganten deutet es sich an. Staatliche Förderung wird hochgeschraubt, damit das nicht passiert.

Irgendwann ist Geld für diese Klientel nichts mehr wert und sie "verschenken" es. Finanzieren Solar- und Windanlagen in Afrika. Dann brauchen sie keine fossilien Brennstoffe zu importieren oder die letzten Bäume zu fällen. Oder Kläranlagen ist auch so ein Fass ohne Boden. Oder finanzieren Altenheime, mit erträglicher Belastung. Vielleicht kommt Scholz auf die Idee, an den Steuergesetzen zu schrauben, damit dies möglich wird. Man kann ja nicht einmal Grundsicherungsbeziehern Geld zukommen lassen, ohne dass der Staat mit Anrechnung oder Schenkungssteuer zuschlägt.

OK, ich weiß auch keinen Ausgang. Ich hoffte aber, dass solch ein Artikel wie oben, wenigstens etwas Erhellung bringt. So war es ein Artikel, damit Zeilengeld fliest.
Sie beschreiben den Istzustand und die Folgen der bisherigen Maßnahmen, aber nicht, welche Alternativen die EZB hätte. Zinserhöhung? Einstellung der Aufkäufe?
Allzu viele Möglichkeiten hat sie nicht. Und wehe, sie würde das machen. Dann passiert das Gleiche, was Sie andeuten, nur schlimmer. Denn dann crasht der Euro wirklich. Und nicht nur der. Auch das Bankensystem weltweit.

Alles in allem ist das Ihre reine Panikmache ohne Reaktionsmöglichkeit für den geneigten Leser. Wenn schon Crash, dann bitte alle maßgeblichen Regionen der Erde. Nicht wir gehen altruistisch voran, klopfen uns auf die Schulter und sind der Hauptleidtragende.

Ich denke, das wird so weitergehen mit Nullzins und Liquiditätsflutung. Bei der dreifachen Geldmenge zu den Gütern müssten die Preise sich verdreifachen. Die reine Lehre. Stattdessen stapeln sich die Gelder auf Konten, in Tresoren und zuhause wird die Matratze immer höher.

Mehr Konsum ginge nur, wenn die Leute mit Bedarf ihn ausweiten könnten. Wäre eine interessante Variante. Aber es wächst hauptsächlich bei denen, die nicht noch mehr kaufen, fliegen können.
So wie jetzt kann das noch Jahre weiter gehen, bis jemand die Nerven verliert.

Disclaimer

Aus der Community
LUS Wikifolio-Index BITCOIN, ETHEREUM & GOLD Index Zertifikat Open-End (LASW)
Chart: arniarni
LUS Wikifolio-Index Performance von Kryptowährungen Index Zertifikat Open-End (LASW)
Chart: arniarni
Anzeige

Meistgelesene Nachrichten des Autors

Titel
Titel
Titel
Titel