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Schicksalswahl der Briten Johnsons Brexit oder zweites Referendum?

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
05.12.2019, 10:05  |  122   |   |   

LONDON/HUCKNALL (dpa-AFX) - Das britische Parlament gilt vielen seit dem Gezerre um den EU-Austritt als Ort heillosen Zanks. Am kommenden Donnerstag (12. Dezember) wählen die Briten nun neue Abgeordnete. Es gibt dabei einen klaren Favoriten: Premierminister Boris Johnson liegt in den Umfragen mit seinen Konservativen deutlich vorne. Mit einer Mehrheit will er seinen Brexit-Deal durchpeitschen und das Land zum 31. Januar aus der Europäischen Union führen. Labour-Chef Jeremy Corbyn dagegen verspricht ein zweites Brexit-Referendum.

Doch Vorsicht ist angebracht. Wer meint, das Rennen sei bereits gelaufen, könnte sich täuschen. "Falls irgendjemand zu Ihnen kommen sollte und sagen, er wisse, was passieren wird, ziehen Sie eine Augenbraue hoch, lächeln Sie freundlich und wenden Sie sich ab", sagte BBC-Moderator Andrew Marr dazu kürzlich.

Die beiden Spitzenkandidaten sind denkbar unpopulär. Weniger als die Hälfte der Briten hält Johnson für einen guten Premierminister, Corbyn wird der Job von gerade mal einem Viertel zugetraut. Auf den Punkt brachte diese Stimmung kürzlich die 86 Jahre alte Molly Bennet aus der Nähe von Southampton. "Ich weiß, für wen ich nicht stimmen werde", sagte die alte Dame dem Sender Sky News. "Den roten Mann." Gemeint war der Chef der Sozialdemokraten. Doch auch für Johnson hatte sie kein Lob übrig. "Ich wähle normalerweise konservativ, aber ich kann den Kasper nicht ertragen", klagte sie.

Das britische Wahlrecht macht Voraussagen sehr schwer. Selbst ein deutlicher Vorsprung in den Umfragen bedeute nicht unbedingt eine große Mehrheit im Unterhaus, warnte der renommierte Wahlforscher John Curtice von der Universität Strathclyde in Glasgow.

Die Frage ist, ob es zu einem Johnson-Sieg kommt oder wieder zum "hung parliament" - einer Sitzverteilung, in der es keine klare Mehrheit für eine der beiden großen Parteien gibt. Das war bereits nach der Wahl 2017 der Fall - und führte zu einer Hängepartie um den Brexit. Johnsons Vorgängerin Theresa May konnte nur mit Hilfe der nordirischen DUP weiterregieren.

Manch einer hielt das für eine realistische Abbildung der Stimmung im Land, denn der Zank um den EU-Austritt beschränkt sich nicht auf das Parlament. Umfragen zeigen, dass die Briten auch dreieinhalb Jahre nach dem Brexit-Referendum zu ungefähr gleichen Teilen in Austrittsbefürworter und -gegner gespalten sind. Könnte es sein, dass es wieder ein Patt gibt im Unterhaus?

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