Der Herdentrieb lässt sich nicht aufhalten

Gastautor: Sven Weisenhaus
27.03.2020, 10:06  |  9264   |   |   

Die Aktienmärkte sind weiterhin auf Erholungskurs. Und von diesem lassen sie sich aktuell auch nicht abbringen. Da kann kommen, was wolle. Wenn der Herdentrieb einmal im Gange ist, ist er nicht zu stoppen. Das war in der crashartigen Abwärtsbewegung so und das ist auch in der aktuellen Gegenbewegung erkennbar.

Negativ-Rekord am US-Arbeitsmarkt

Die Marktteilnehmer haben gestern mit Spannung auf die Erstanträge auf Arbeitslosengeld in den USA gewartet. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einer Million Anträgen gerechnet. Der bisherige Höchststand wurde 1982 mit 695.000 registriert. Es gab aber auch Schätzungen, die von 4 Millionen Anträgen ausgingen. Und genauso schlimm ist es tatsächlich gekommen: In der vergangenen Woche stellten knapp 3,3 Millionen Amerikaner einen Erstantrag auf Unterstützung, wie das Arbeitsministerium heute mitteilte. Die Coronavirus-Krise sorgt damit für den nächsten Rekord, indem sie voll auf den US-Jobmarkt durchschlägt.

Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA

Doch was machen die Aktienmärkte aus dieser Schocknachricht? Der Dow Jones gibt im Future-Handel knapp 50 Punkte nach, legt dann aber den Vorwärtsgang ein und binnen zwei Stunden um gut 1.500 Punkte bzw. 7 % zu.

Aktienmärkte am Tropf der Notenbanken

Und damit hängen die Märkte wieder vollständig am Tropf der Notenbanken. Denn die Überlegung hinter der Kursrally ist eindeutig: Je mehr US-Amerikaner in die Arbeitslosigkeit rutschen, desto weiter wird die US-Notenbank die Geldschleusen öffnen. Und sie muss die Tore sehr wahrscheinlich sehr weit öffnen bzw. offen halten. Denn nach Ansicht des US-Währungshüters James Bullard könnte die Coronavirus-Krise kurzfristig fast 50 Millionen US-Amerikanern ihren Job kosten.

EZB verliert sämtliche Hemmungen

Die Europäische Zentralbank (EZB) sah sich bereits genötigt, schon wieder neue Maßnahmen zu beschließen. Bei ihren Anleihekäufen lässt sie die selbstgesteckten Obergrenzen bei Staatsanleihen fallen. Bisher hatte sich es die Notenbank selbst untersagt, mehr als ein Drittel der ausstehenden Anleihen eines Landes zu halten. Doch dies soll bei dem neuen „PEPP“ (Pandemic Emergency Purchase Programme) genannten Kaufprogramm nun nicht mehr gelten, wie aus einem in der Nacht zum Donnerstag dieser Woche veröffentlichten Dokument der EZB hervorgeht.

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