Die Herausforderungen einer Insolvenz – im Interview mit Georg Kreplin

Gastautor: Rainer Brosy
14.04.2020, 15:07  |  2340   |   |   

Was ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung einer Insolvenz?

Wichtig ist es, so schnell wie möglich einen verlässlichen Überblick über die aktuelle wirtschaftliche Lage eines von der Insolvenz bedrohten Unternehmens zu erhalten. Oftmals ist die wirtschaftliche und rechtliche Situation noch schlechter als zunächst vom Management vorgegeben. In diesen Fällen gilt es dann, sich auf die wesentlichen Produkte, Absatzwege und Kundenanforderungen zu fokussieren und das ggf. verloren gegangene Vertrauen bei Kunden und eigener Belegschaft wieder aufzubauen. Das geht nur durch Transparenz, Kommunikation und dem Einhalten von getätigten Zusagen. Oftmals sind es gar nicht unbedingt die rechtlichen Dinge, die einen vor Probleme stellen, sondern eher die faktischen Schwierigkeiten, mit denen man gerade am Anfang einer Insolvenz umgehen muss, um „den Laden wieder ans Laufen zu kriegen“.

 

Interviewpartner Georg Kreplin. Bildquelle: Georg Kreplin / www.kreplin-partner.de

 

Worauf achten Sie wenn es darum geht ob und wie eine Firma noch zu sanieren ist?

Jeder Fall ist natürlich anders zu beurteilen, aber grundsätzlich läßt sich festhalten, dass der Zeitpunkt der rechtzeitigen Insolvenzantragstellung entscheidend ist für die Beantwortung der Frage, ob ein Unternehmen noch realistische Sanierungschancen hat oder nicht. Je früher der Antrag gestellt wird, desto größer sind die Handlungsmöglichkeiten und umso höher ist die Chance einer nachhaltigen Sanierung –auch im Insolvenzverfahren! Hinzu kommt natürlich auch der Stellenwert und die Position des Produkts im Markt sowie die Vertrauenswürdigkeit des Managements. Alles zusammen sind gute Voraussetzungen für eine Sanierungsfähigkeit des notleidenden Unternehmens.

 

Welche Rolle spielt die Kommunikation mit Lieferanten und Kunden?

Die Kommunikation mit Lieferanten und Kunden spielt eine entscheidende Rolle bei der Frage einer erfolgreichen Sanierung. Gelingt es nicht, das Vertrauen sowohl von Lieferanten als auch Kunden zurück zu gewinnen, wird es in der Regel keine erfolgreiche Sanierung geben können. Zahlungszusagen gegenüber Lieferanten müssen ebenso eingehalten werden wie Auslieferungsdaten gegenüber den Kunden. Auch die Qualität der auszuliefernden Produkte darf in der Insolvenz nicht abnehmen. Im Gegenteil: überpünktliche Zahlungen und Auslieferungen schaffen Vertrauen auf der anderen Seite und führen dazu, dass sich die Liefer- und Kundenbeziehungen auch in der Insolvenz wieder normalisieren können.

 

Zu welchem Zeitpunkt sollte ein Unternehmen den Kontakt zu Ihnen suchen um ein Insolvenzverfahren zu vermeiden?

Sofern bereits Zahlungsunfähigkeit eingetreten ist, wird es in der Regel schwierig. Daher ist der ideale Zeitpunkt für eine Kontaktaufnahme stets der Moment, wo die Geschäftsführung realisiert, dass in ein paar Monaten die Zahlungsunfähigkeit droht. Im Idealfall kommt der Unternehmer so frühzeitig, dass weder Kreditlinien bereits gekündigt oder Kreditversicherer die Lieferbeziehung nicht mehr absichern. In diesen Fällen kann man häufig auch noch gemeinsam Szenarien entwickeln, die vielleicht eine Insolvenzantragstellung ganz obsolet werden lassen. Sollte dies nicht gelingen, ist eine gut vorbereitete Insolvenzantragstellung auch immer die beste Voraussetzung z.B. für eine Sanierung im Rahmen eines sog. Insolvenzplanverfahrens. Hierdurch wird ermöglicht, dass das Unternehmen unter dem Schutz der Insolvenzordnung einen Schuldenschnitt bewirkt, um dann nach wenigen Monaten wieder „frei“ am Markt agieren zu können.

 

Was ist Ihre Meinung zur Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis zum 30. September im Zuge der Coronakrise?

Die dahinter stehende Idee ist gut gemeint, wird aber in vielen Fällen –gerade zum jetzigen Zeitpunkt- nur wenig Relevanz haben, da die aktuelle Krisensituation nicht bereits vor der Corona-Krise eingetreten sein darf. Alle Unternehmen, die z.B. bereits per 31.12.2019 eine wirtschaftliche Krise aufgewiesen haben, bleiben antragspflichtig. Auch die Überschuldung als Insolvenzantragsgrund bleibt grundsätzlich bestehen. Und machen wir uns nichts vor: was bringt es dem Unternehmer, wenn ihn zwar gesetzlich keine unmittelbare Antragspflicht trifft, er aber auf der anderen Seite sein Liquiditätsproblem nicht durch die angebotenen Hilfsprogramme gelöst bekommt? Dann bleibt es dabei, dass ihm häufig nur der Insolvenzantrag und die Möglichkeit des Insolvenzgeldes für die Löhne und Gehälter seiner Mitarbeiter über einen Zeitraum von bis zu drei Monaten die nötigen Mittel beschafft, um überhaupt am Markt bestehen zu können. In diesen Fällen, läßt sich dann eine Sanierung im Insolvenzverfahren unter den oben geschilderten Umständen häufig gut umsetzen.

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Geschäftsführer
http://www.seoplus.expert/

Rainer Brosy (B.Eng.) betreibt eigene Finanz- und Energieportale und gehört zum Team verschiedener ICO`s.

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