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Grizzly Investors CEO Olivier Bourdais: „Wohnungsbedarf in Berlin massiv unterschätzt“ - Seite 2

 

Welche Möglichkeiten bestehen in Ballungsräumen wie Berlin neben Neubauten noch, um den dringend benötigten Wohnraum zu schaffen?

 

Berlin hat eine große Chance – keine andere große Hauptstadt ist so wenig dicht bebaut. Man darf nicht vergessen, dass Berlin schon vor 80 Jahren fast 4,5 Millionen Einwohner hatte. Natürlich gibt es größere Neubaugebiete wie Tegel, den Tempelhofer Rand und die Elisabeth-Aue, aber es gibt auch noch viel Raum für Verdichtungen, etwa in Form von Supermarkt-Aufstockungen oder Dachgeschossausbauten. Auch verfügt die Stadt über viele brachliegende Flächen. Der Raum ist in Berlin also nicht das Problem.

 

Gibt es den vielzitierten Mietenwahnsinn tatsächlich?

 

Dass die Steigerung der Mieten so schnell erfolgt ist, ist tatsächlich ein Problem. Unter diesem Gesichtspunkt sind die Ängste der Mieter verständlich. Die Eigentümer als die neuen Bösen hinzustellen, wie es in populistisch angehauchten Debatten oft getan wird, ist aber sicherlich nicht die Lösung.

 

Stattdessen ist es wichtig zu differenzieren. Sicher sind gut renovierte Wohnungen in Hype-Lagen viel teurer geworden und nicht unter 13 bis 18 €/m² zu haben. Außer Kontrolle geraten ist der Markt aber nicht. Dafür spricht vor allem folgendes:

 

  • Die existierenden Mietverhältnisse sind umfassend geschützt. So ist eine Mieterhöhung von 15 % nur alle 3 Jahre zulässig. Außerdem gibt es eine Modernisierungskappung und einen Kündigungsschutz, der nur beim Vorliegen von Sonderfällen wie Mietrückständen und Eigenbedarfskündigungen verfällt.
  • Die Durchschnittsmiete bleibt mit 6,72 €/m² (Mietspiegel 2019) vergleichsweise niedrig.
  • Die Mietspiegelwerte wachsen langsamer als die Einkommen.
  • Wohnungen mit sehr vernünftigen Mieten sind innerhalb der Stadtgrenzen nach wie vor zu finden.

 

Aber ja, die Wohnungen mit 130 m² in Kreuzberg für 400 € pro Monat - meistens im desolaten Zustand - gehören definitiv der Vergangenheit an.

 

Wie stehen Sie zu Maßnahmen wie Vorkaufsrechten, Mietpreisbremsen, Mietendeckeln und Enteignungen?

 

Enteignungen sind meiner Meinung nach nicht mit einem demokratischen System vereinbar und ich finde es erschreckend, wie schnell die Geschichte vergessen wird.

 

Das Vorkaufsrecht, wie es in manchen Bezirken genutzt wird, sehe ich als eine komplette Geldverschwendung an. Die Stadt hat vor 15 Jahre Wohnungen zu 500 €/m² verkauft und kauft sie jetzt für 4.000 €/m² zurück. Die Mieter haben es danach meistens nicht besser als mit den meisten privaten Eigentümern. Auch wird keine einzige Wohnung gebaut, sodass der Nutzen für die Allgemeinheit gegen Null geht. Es ist vor allem Symbolpolitik („wir kaufen uns die Stadt zurück“).

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Gastautor: Rainer Brosy
04.09.2020, 10:51  |  1572   |   |   

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Disclaimer

Grizzly Investors CEO Olivier Bourdais: „Wohnungsbedarf in Berlin massiv unterschätzt“ - Seite 2 Berlin hat ein Wohnraumproblem. Während der Zustrom neuer Einwohner in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat, ist das Neubauvolumen auf einem vergleichsweise niedrigen Level verblieben. Abhilfe sollen Maßnahmen wie der Stadtentwicklungsplan 2030, Mietendeckel und Vorkaufsrechte schaffen. Wir haben mit Grizzly Investors CEO Olivier Bourdais über ihre Erfolgsaussichten und mögliche Alternativen gesprochen.