Full Stop bei TenX Weiteres Wirecard-Opfer? Krypto-Start-up TenX am Abgrund

16.10.2020, 12:24  |  13602   |   |   

Das auf Krypto-Debitkarten spezialisierte FinTech TenX steckt in einer schweren Krise und stellt seine Dienste ein. Grund dafür ist laut dem Unternehmen die Wirecard-Insolvenz. TenX-Investoren bangen nun um ihr Investment.

Auf der Webseite des Unternehmens heißt es in einer Anfang Oktober veröffentlichten Meldung: “Für alle Kunden mit Wohnsitz im asiatisch-pazifischen Raum wird die TenX Visa Karte heute deaktiviert. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Kartenherausgeber Wirecard SG auf der Grundlage (…) der Monetary Authority of Singapore (MAS) verpflichtet ist, den Betrieb mit sofortiger Wirkung einzustellen.“ Für Kunden aus Europa würden die Dienste ebenfalls bald deaktiviert werden.

TenX wollte Kryptowährungen als Zahlungsmittel massentauglich machen. TenX-Kunden sollten dazu mit speziellen Krypto-Debitkarten, die mit Digitalwährungen wie Bitcoin und Ethereum aufladbar waren, an allen Visa-Akzeptanzstellen bezahlen können.

2017 hatten Investoren rund 80 Millionen US-Dollar mittels eines virtuellen und unregulierten Krypto-Börsengangs – ein sogenannter Initial Coin Offering (ICO) – in das Start-up investiert. Doch die Expansion von TenX missglückte: Der TenX-Token brach von rund fünf US-Dollar je Token im Jahr 2017 auf aktuell rund vier Cent ein.

PAY zu USD

Das Gründer-Team, zu dem auch der deutsche „Krypto-Guru“ Dr. Julian Hosp gehörte, ist inzwischen völlig zerstritten. 2019 war Hosp aus dem Unternehmen ausgeschieden. Kurz vor seinem Ausscheiden war er wegen auffälliger TenX-Token Transaktionen in die Kritik geraten, hatte jedoch stets jegliches Fehlverhalten bestritten.

Nun erklärte Hosp gegenüber dem Handelsblatt: „Die Firma geht jetzt den Bach runter“. Operativ sei TenX quasi nicht mehr tätig und Mitarbeiter verließen das Unternehmen reihenweisen. Einen Exit-Scam, eine Form des Anlagebetrugs, bei dem ein ICO nur zu betrügerischen Zwecken abgehalten wird, unterstellte Hosp dem TenX- Management jedoch nicht.

In den sozialen Medien wird TenX unterdessen scharf kritisiert: TenX wolle sein eigenes Fehlverhalten auf Wirecard abwälzen, so die Kritik.

Geleakte E-Mails zeigen unterdessen chaotische Zustände bei TenX auf, berichtet das Handelsblatt. So seien bei Unterlagen, die TenX bei der liechtensteinischen Finanzaufsicht eingereicht habe, Unregelmäßigkeiten festgestellt worden. Konkret ging es um Daten zu den TenX-Geldgebern, die das Start-up aufgrund von Anti-Geldwäsche-Regelungen vorlegen musste. TenX habe dabei unterschiedliche Angaben zu der Zahl der Investoren und der Investitionssumme gemacht.

TenX hatte diese Unregelmäßigkeiten mit Kommunikationsfehlern und unvollständig abgeschickte Dateien und E-Mails erklärt. Der Finanzaufsicht von Lichtenstein genügte diese Erklärung offenbar, denn TenX erhielt letztendlich die E-Geld-Lizenz in Liechtenstein.

Autor: Ferdinand Hammer

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