Neuer Chatbot DeepSeek
Prinzip Nachahmung – Wer ist DeepSeek Gründer Liang Wenfeng?
Wie aus dem Nichts schien der neue chinesische Chatbot gekommen zu sein und hat für ein mittelschweres Beben an den Börsen gesorgt. Aber wer steckt hinter der Entwicklung der neuen, chinesischen KI?
- Neuer KI-Chatbot von DeepSeek sorgt für Börsenbeben.
- Liang Wenfeng wird zum Aushängeschild der KI-Industrie.
- DeepSeek setzt auf Open-Source und innovative Ansätze.
- Report: Goldpreis nicht zu stoppen

Liang Wenfeng, der 39-jährige Gründer des chinesischen KI-Startups DeepSeek, ist innerhalb weniger Wochen zum Aushängeschild der chinesischen Tech-Industrie und zum Hoffnungsträger für Chinas KI-Pläne geworden. Weniges kennt man bis dato über ihn.
Bis zum 20. Januar hatte Liang ein äußerst zurückgezogenes Leben geführt. An diesem Tag jedoch wurde er als einer von neun Personen eingeladen, um eine Rede bei einem nicht öffentlichen Symposium zu halten, das vom chinesischen Premierminister Li Qiang ausgerichtet wurde. Diese Symposien dienen der wirtschaftspolitischen Steuerung, der Kontrolle über Schlüsselindustrien, der Förderung von Innovation.
Zuvor hatte er nur zwei seltene Interviews gegeben – eines im vergangenen Jahr, das andere 2023, beide für das chinesische Nachrichtenportal Waves. Abgesehen davon blieb er weitgehend von der Öffentlichkeit abgeschirmt.
Allein die Tatsache aber, dass Liang zu dem Symposium eingeladen wurde zeigt, dass Peking das Thema KI ziemlich weit oben priorisiert.
In dieser Woche brachte DeepSeek einen kostenlosen KI-Assistenten auf den Markt, der laut dem Unternehmen mit deutlich weniger Daten auskommt und nur einen Bruchteil der Kosten aktueller Lösungen verursacht. Diese Ankündigung löste einen weltweiten Ausverkauf von Tech-Aktien aus.
Ein neuer Ansatz für Chinas KI-Zukunft
Unter Liangs Führung will sich DeepSeek auf hochmoderne KI-Modelle konzentrieren, die dann von anderen Unternehmen für Verbraucher- und Unternehmenslösungen genutzt werden.
Dieser Ansatz unterscheidet sich deutlich von der bisherigen Praxis in Chinas Technologiebranche, die häufig Innovationen aus dem Ausland – von Smartphone-Apps bis zu Elektrofahrzeugen – übernommen und in rasantem Tempo hochskaliert hat, oft schneller als die Ursprungsländer der Erfindungen.
Prinzip Nachahmung
"Chinas KI kann nicht ewig nur hinterherlaufen. Wir sagen oft, dass China in der KI ein bis zwei Jahre hinter den USA liegt. Doch der wahre Unterschied liegt nicht in der Zeit, sondern im Gegensatz zwischen Originalität und Nachahmung," sagte Liang in einem Interview mit Waves im Juli letzten Jahres.
Ob das chinesische KI-Startup DeepSeek unrechtmäßig Daten abgegriffen hat unersuchen zurzeit Microsoft und OpenAI.
Seine Aussagen deuten darauf hin, dass sich die chinesische Tech-Industrie an einem Scheideweg befindet: Sie verfügt zwar über ausreichend Kapital, aber es fehlt ihr an Selbstvertrauen, bahnbrechende Forschung und Entwicklung auf höchstem Niveau voranzutreiben. Und auch an modernen Halbleiter-Chips der neuesten Generation.
"In den letzten dreißig Jahren hat Chinas Tech-Branche nur darauf geachtet, Geld zu verdienen, und Innovation vernachlässigt. Doch Innovation entsteht nicht allein aus wirtschaftlichen Interessen – sie braucht auch Neugier und den Wunsch, etwas Neues zu erschaffen," sagte Liang im Juli.
Anders als OpenAI setzt DeepSeek konsequent auf Open-Source-Technologie. Das bedeutet, dass der Quellcode seiner Modelle frei zugänglich ist und von Entwicklern weltweit genutzt und verändert werden kann.
Vom akademischen Wunderkind zum KI-Pionier
Liang wuchs in der südchinesischen Provinz Guangdong auf, die in den 1980er- und 1990er-Jahren als Vorreiterin der Marktwirtschaft galt. In seiner Umgebung legten viele mehr Wert darauf, ein Unternehmen zu gründen, als akademische Laufbahnen einzuschlagen – doch Liang selbst war stärker an Bildung interessiert.
Mit 17 Jahren schrieb er sich an der renommierten Zhejiang-Universität ein, wo er Elektronik- und Kommunikationstechnik studierte. Anschließend erwarb er einen Masterabschluss in Informations- und Kommunikationstechnik, den er 2010 abschloss.
2015 gründete Liang mit mehreren Partnern einen Hedgefonds, der für den Handel komplexe mathematische Algorithmen anstelle menschlicher Analysen nutzte.
Bis Ende 2021 verwaltete der Fonds ein Portfolio von über 100 Milliarden Yuan (ca. 13,79 Milliarden US-Dollar). Doch im April 2023 verkündete das Unternehmen auf WeChat, dass es sein Tätigkeitsfeld über den Finanzsektor hinaus ausweiten und sich verstärkt mit der Erforschung von Artificial General Intelligence (AGI) befassen wolle. Nur einen Monat später wurde DeepSeek gegründet.
Autor: Krischan Orth, wallstreetONLINE Redaktion
