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Unterschätzt Sand: Das neue Gold?

08.09.2017, 15:36  |  11479   |   |   

Sand ist ein nichterneuerbarer Rohstoff, der besonders in der Baubranche benötigt wird. Durch den globalen Bauboom wird Sand zunehmend zu einer begehrten Ressource. Der Preis für Kies und Sand ist den USA innerhalb von zwanzig Jahren massiv gestiegen. 

Es klingt absurd, ist aber wahr: Die Wüstenstaaten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate müssen für den Bau ihrer riesigen Hochhäuser und Megastädte Sand aus Australien importieren. Denn Wüstensand kann nicht zum Bauen bzw. zur Herstellung von Stahlbeton verwendet werden. Sand wird aber nicht nur in der Baubranche benötigt, sondern auch zur Herstellung von Mikrochips gebraucht und ist zudem in Glas und vielen Kosmetika enthalten. 

Laut dem Bericht „Sand, rarer than one thinks“ des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) sind Sand und Kies nach Wasser die am meisten genutzten Ressourcen der Welt. Sand zählt dabei, wie die fossilen Energieträger Kohle, Erdöl und -gas, zu den nichterneuerbaren Rohstoffen.  

Die Nachfrage nach Sand ist riesig: Laut dem Handelsblatt rechnet man mit einem globalen Bedarf von rund 14 Milliarden Tonnen pro Jahr. Gleichzeitig wird es immer schwieriger große Sandvorkommen zu erschließen. Zudem verbieten oder monopolisieren Länder den Sandabbau. Deshalb steigt der Sandpreis langsam aber kontinuierlich.

Seit 1997 ist in den USA der Preis für Sand und Kies laut der Bundesbehörde United States Geological Survey von 4,47 US-Dollar auf 8,8 US-Dollar 2016 gestiegen, was einem Wachstum von fast 100% entspricht.

In Europa sieht die Situation jedoch etwas anders aus. Laut dem Focus besteht hier kein Sandmangel, weswegen der Preis bei zwei bis drei Euro pro Tonne liegt. Die Preise seien auch nur im Centbereich gestiegen. 

Global wächst die Nachfrage nach Sand jedoch rapide, insbesondere durch die schnelle Urbanisierung und das Bevölkerungswachstum in Schwellenländern, wie Indien und China. Laut dem kanadischen Businessmagazin Financial Post Business werden global jährlich Kies und Sand im Wert von 70 Milliarden US-Dollar verkauft. Diese Zahlen müssen aber mit Vorsicht betrachtet werden, da es insbesondere in Indien einen riesigen Schwarzmarkt für illegal abgebauten Sand gibt, dessen Erlöse wohl kaum mit in die offizielle Statistik einfließen. 

Der illegale Sandabbau wird dabei zunehmend zu einem Umweltproblem. Besonders der Sandabbau im Meer mittels Saugbaggerschiffen gefährdet maritime Ökosysteme. Denn dabei werden Sandbänke samt Sandbankhabitate einfach aufgesaugt. Außerdem werden durch den extremen Lärm, der unter Wasser noch in 25 Kilometern hörbar ist, Meeresbewohner wie Waale und Robben gestört. Die Dokumentation "Sand - Die neue Umweltzeitbombe" des französischen Filmemacher Denis Delestrac geht auf den Sachverhalt des illegalen Sandabbaus ein und offenbart die problematischen geopolitischen, sozialen und ökologischen Auswirkungen.

Zum Glück forschen Wissenschaftler vermehrt an Möglichkeiten wie man Sand-Recycling aus Bauschutt betreiben könnte. Dies wäre eine gute Möglichkeit, um so dem globalen Sandmangel zu begegnen. Es lässt sich also festhalten, dass Sand und Kies die vielleicht am meisten unterschätzen Rohstoffe sind.

Quellen: 
Focus: „Sogar die Scheichs importieren ihn: das Milliardengeschäft mit Sand“
Handelsblatt: „Auf Sand gebaut“
UNEP: „Sand, rarer than one thinks“
Financial Post: „The world is running out of sand — and you’d be surprised how significant that is“

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