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Egbert Prior Merck: Phantasie in der Pharma-Pipeline

Gastautor: Egbert Prior
12.02.2018, 11:34  |  1308   |   |   

Im Mai letzten Jahres markierte die Aktie mit 114,40 Euro ein Allzeithoch. Seither geht’s bergab. Aktuell nur noch 82,60 Euro. Minus 28%. Möglicherweise eine günstige Einstiegsgelegenheit. 70% des Kapitals liegen in den Händen des Merck Familienclans. Merck feiert dieses Jahr den 350. Geburtstag. 1668 gegründet sieht sich Merck als das älteste pharmazeutisch-chemische Unternehmen der Welt. Die Darmstädter sind auf drei zukunfsträchtigen Feldern unterwegs: Die Sparte Healthcare umfaßt verschreibungspflichtige und freiverkäufliche Medikamente. Das Geschäftsfeld Lifescience bietet Laborgeräte an. Der Schwerpunkt des Segments Performance Materials liegt auf Flüssigkeitskristallen für Flachbildschirme. Hier sieht man sich als Weltmarktführer. Das Portfolio ist also relativ breit gestreut und damit weniger schwankungsanfällig. Die meiste Phantasie steckt in der Forschungspipeline selbstentwickelter Medikamentenkandidaten mit Schwerpunkt auf die Immunonkologie. Zuletzt hat das Unternehmen 13% des Umsatzes in Forschung & Entwicklung gesteckt. Die Hessen versuchen, permanent ihr Portfolio zu optimieren. Derzeit läuft der Verkaufsprozeß für das Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten. Nestlé soll 4,2 Milliarden geboten haben. Merck möchte sich im Pharmageschäft auf patentgeschützte, innovative, margenstarke Arzneimittel konzentrieren. Größter Hoffnungsträger in der Forschungspipeline ist Avelumab, ein Medikamentkandidat auf dem Feld der Krebsimmuntherapie, das Merck gemeinsam mit dem Kooperationspartner Pfizer klinisch testet. Im September hatten die Darmstädter schon ihre Biosimilar-Aktivitäten, das sind biotechnologisch erzeugte Generika, an Fresenius verkauft. Vor zehn Jahren trennte sich Merck bereits für rund 5 Milliarden von seinem konventionellen Generika-Geschäft. Merck stößt aber nicht nur Aktivitäten ab, sondern geht auch regelmäßig auf Einkaufstour. 2015 übernahm das DAX-Unternehmen für 17 Milliarden Dollar Sigma Aldrich, ein Hersteller von Laborgeräten. Die größte Übernahme der Firmengeschichte! Davor schnappten sie sich den Filtrationsexperten Millipore für gut 5 Milliarden Euro und das Biotechnologieunternehmen Serono für mehr als 10 Milliarden. Die Portfoliooptimierung lohnt sich. Merck arbeitet höchst profitabel: Bei 15 Millarden Umsatz blieben 2016 unter dem Strich 1,6 Milliarden Gewinn. Die Nettomarge 11%. 2017 ließen höhere Ausgaben für Forschung & Entwicklung, den Vertrieb sowie ein schwaches Geschäft mit Flüssigkeitskristallen die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Ergebnisse in etwa auf Vorjahresniveau. Merck ist solide aufgestellt. Phantasie steckt in der Forschungspipeline. Ein neues Medikament kann schnell einen hochmargigen dreistelligen Millionenumsatz einfahren. Vor diesem Hintergrund erscheint das aktuelle KGV (2018) von rund 13 günstig. Fazit: Längerfristig orientierte Anleger dürften auf ihre Kosten kommen.

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