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Candlesticks - DAX DAX noch nicht über den Berg

07.03.2018, 08:07  |  2285   |   |   

Eine alte Händler-Regel lautet: „Unterstützungen kaufen, Widerstände verkaufen!“ Diese Regel scheinen die Anleger in den vergangenen Monaten aus lang- und mittelfristiger Perspektive beherzigt zu haben. So wurde der DAX im Januar 2018 im Bereich eines Widerstands, einer ehemaligen Verkäuferzone, den Tops vom November 2017 bei ca. 13.500 Punkten verkauft. Anlass für das Verkaufsinteresse zum Jahresanfang waren vor allem Zinssorgen und Inflationsängste.

Mit steigenden Renditen in den Bundesanleihen und einem kräftigen Fall des Bund-Futures verlor der DAX dynamisch und fiel Anfang Februar 2018 unter eine bis dahin relevante Unterstützungszone bei ca. 12.800 Punkten. So bildeten sich in den japanischen Candlesticks auf Wochenbasis zwei lange schwarze Wochenkerzen aus. Mit Break der Unterstützungszone, die als bisherige Käuferzone nun entsprechend der Chartanalyse einen Polaritätswechsel zur Widerstandszone erfährt, wurde zudem ein langfristiger Aufwärtstrendkanal im DAX nach unten verlassen. Hieraus ließen sich zwei Kursziele ableiten: Einerseits die Schwankungsbreite der vorherigen Range zwischen ca. 13.500 bis 12.800 Punkten nominal mit Kursziel 12.100 Punkten und andererseits die nach unten parallel gespiegelte Schwankungsbreite des Aufwärtstrendkanals als „Kursziellinie“. Zum Ende der jüngsten Woche wurden beide Abwärtsziele abgearbeitet – es bildete sich nochmals eine längere schwarze Wochenkerze aus.

Deren Wochenschlusskurs notiert auf Jahrestief bei 11.913 Punkten mit einem Verlaufstief bei 11.877 Punkten. Eher negativ ist nun aus Sicht der japanischen Candlesticks zu interpretieren, dass diese beiden Parameter auch unter dem Tief der vorherigen langen schwarzen Wochenkerze von Anfang Februar notieren – die vollendeten letzten vier Wochenkerzen sind somit trendbestätigend aufzufassen. Doch scheinbar haben die Anleger sich in der vergangenen Woche nur zurückgehalten. Vor dem SPD-Mitgliederentscheid zur GroKo und der Parlamentswahl in Italien hielt sich die Kauflaune zurück und getreu dem Motto: „Kaufe die Unterstützung“ griffen die Anleger zum Anfang dieser Handelswoche wieder zu. So konnte der DAX bis Dienstag-Mittag dieser Woche eine kräftige Erholung starten.

Fraglich bleibt indes, ob sich mit der jüngsten Kursentwicklung schon ein aussagekräftiger Boden ausbildet. Als negative Faktoren bleiben aus charttechnischer Sicht der Bruch des langfristigen Aufwärtstrends, der Break der 200-Tagelinie, die aktuell bei 12.730 Punkten notiert sowie die jüngsten langen schwarzen Wochenkerzen im DAX, die noch das Risiko weiterer Verluste aufzeigen. So würde ein neuerlicher Kursverfall mit neuen Tiefs all die Bullen unter Druck bringen, die in den vergangenen vier bis fünf Wochen den kräftigen Rücksetzer als „Schnäppchenmarkt“ für Investitionen genutzt haben. Die Stimmungsumfragen unter den privaten und institutionellen Investoren zeigen auf, dass die Anleger die Schwäche des Aktienmarktes für Neueinstiege genutzt haben – und so bei neuerlichen Tiefs eben keine neuen Käuferschichten auf den Plan treten könnten, um den DAX abermals aufzufangen.

Ein Fall unter die jüngsten Tiefs könnte daher zu weiteren dynamischen Abgaben, Gewinnabsicherungsgeschäften etc. mit Ziel 11.400 Punkten führen, ein „Worst-Case-Szenario“ in Richtung 10.800 Punkten wäre aus charttechnischer Sicht ableitbar. Kurzfristig hat sich das Bild mit der Erholung vom Wochenanfang zwar aufgehellt, da die Unterstützungszone im Bereich 11.900 Punkten (Tief September 2017) bestätigt wurde. Doch Widerstand ergibt sich nun in der mittleren Kurszone der jüngsten langen schwarzen Wochenkerze bei ca. 12.250/12.300 Punkten. Positive Impulse seitens der EZB, den US-Arbeitsmarktdaten am Freitag dieser Woche und vor allem eine Abschwächung der möglichen US-Strafzölle könnten sodann den DAX wieder nach vorn bringen. Eine wesentliche Aufhellung für den DAX ergibt sich allerdings erst mit einem Wochenschlusskurs über den Tops der jüngsten beiden langen schwarzen Wochenkerzen und somit über 12.752 Punkten. In diesem Szenario wäre auch die 200-Tagelinie zurückerobert. Eine weitere Erholung auch in Richtung 13.500 Punkten könnte sich so anschließen.

Vom gegenwärtigen Bild ist jedoch die „Kuh noch nicht vom Eis“. Eine abgeschlossene Bodenbildung liegt nicht vor und das Risiko neuerlicher Tiefs bei negativen Impulsen seitens der US-Handelspolitik muss eingeplant werden. Auch darf der Blick auf die Zinsentwicklung nicht fehlen. Der Bund-Future konnte nach dem starken Verfall der Kurse in den vergangenen Tagen eine Erholung einleiten. Die Inflations- und Zinssorgen haben sich abgeschwächt.

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel wieder zurück. Doch diese kurzfristigen Gegenreaktionen im Bund-Future und der Rendite der Bundesanleihen könnten sich als „Strohfeuer“ entpuppen. Im Kursverlauf des adjustierten Endloskontrakts des Bund-Futures wäre die jüngste Erholung auch als „Flagge“ interpretierbar.

Hier gilt: Neue Tiefs im Bund-Future könnten eine nochmalige kräftige Abwärtsreaktion mit sich bringen und die zehnjährigen Bundesanleihen über 1% hieven. Steigende Zinsen sodann die Stimmung an den Aktienmärkten deckeln.

Anmerkung: Heutiger Artikel aus der Börsen-Zeitung.


Stefan Salomon
Chartanalyst www.candlestick.de
Chartquelle: www.bsb-software.de

Hinweis: Vortrag auf dem Münchener Börsentag am 17. März von Stefan Salomon: Gewinnen mit Zinsen - Chartanalyse/Trading Bund-Future, Ausblick DAX, DOW, Gold, Euro!

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