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BlackBerry verklagt Facebook und Snap, um sein stärkstes Geschäft zu speisen

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
14.04.2018, 08:00  |  629   |   |   

BlackBerry (WKN:A1W2YK) hat kürzlich Facebook (WKN:A1JWVX) und das Snapchat-Mutterunternehmen Snap (WKN:A2DLMS) wegen angeblicher Patentrechtsverletzungen verklagt. Anfang März behauptete BlackBerry, dass Facebook zusammen mit dessen Anwendungen WhatsApp und Instagram seine Messaging-Patente verletzt habe. Anfang April behauptete das Unternehmen, dass Snap seine Map- und Messaging-Patente verletzt habe.

BlackBerry stützt sich in beiden Fällen auf seine Patente für BBM (BlackBerry Messenger), seine Unternehmensmessaging App. BlackBerry veröffentlichte BBM erstmals im Jahr 2005. WhatsApp wurde 2009 eingeführt, Instagram kam 2010 und der Facebook Messenger wurde 2011 herausgebracht.

BlackBerry behauptet, dass man Facebook erst nach „mehreren Jahren des Dialogs“ verklagt hat. In der Klage behauptet BlackBerry, dass Facebook „mobile Messaging-Anwendungen entwickelt hat, die die Innovationen von BlackBerry nutzen und dabei eine Reihe der innovativen Sicherheits-, Benutzeroberflächen- und Funktionserweiterungen verwenden, die die Produkte von BlackBerry zu einem so bedeutenden und kommerziellen Erfolg gemacht haben“.

BlackBerry greift Snap mit ähnlichen Anschuldigungen an, behauptet aber, dass Snapchats kurzlebige Nachrichten und Snap-Map-Funktionen zusätzliche Patente verletzen. Das Unternehmen behauptet, es habe versucht, den Streit mit Snap „ohne Gerichtsverfahren“ durch „verschiedene Briefe, Anrufe und ein persönliches Treffen“ beizulegen.

Die Investoren, die BlackBerry eine Weile nicht verfolgt haben, könnten durch diese abrupten Klagen verwirrt sein. Sie sind jedoch Teil einer umfassenderen Trendwende-Strategie des ehemaligen Smartphone-Führers.

Das „alte“ BlackBerry vs. das „neue“ BlackBerry

BlackBerry kontrollierte 2009 etwa ein Fünftel des weltweiten Smartphone-Marktes. Allerdings wurde das Unternehmen selbstgefällig und verlor den Markt an iPhones und Android-Geräte. Als CEO John Chen 2013 das Ruder übernahm, machten BlackBerrys weniger als 1 % des Smartphone-Marktes aus.

Chen lenkte das Unternehmen weg vom Smartphone-Markt und konzentrierte sich auf die Stärkung der Unternehmenssoftware- und Servicegeschäfte. Die wichtigste Wachstumssäule des Unternehmens wurde BES (BlackBerry Enterprise Service), mit dem Unternehmen die mobilen Geräte ihrer Mitarbeiter überwachen können. Ein weniger bedeutender Wachstumsmotor war BBM, das im Jahr 2015 noch 190 Millionen Nutzer weltweit hatte.

Seit 2016 lagert BlackBerry die Produktion aller seiner Smartphones an den chinesischen Unterhaltungselektronik-Hersteller TCL aus. Dies führte zur Gründung von BlackBerry Mobile, einer Tochtergesellschaft von TCL, die Lizenzgebühren an BlackBerry zahlt.

Chen konzentrierte sich auch auf die Monetarisierung des BlackBerry-Portfolios mit rund 44.000 Patenten. Deshalb verklagt BlackBerry Unternehmen wie Avaya, BLU, Nokia, Cisco, Facebook und jetzt Snap. BlackBerry hat sogar Ryan Seacrest verklagt, als er versuchte, eine iPhone-Hülle mit einer BlackBerry-Tastatur zu verkaufen.

Patentklagen … oder eine kluge Geschäftsstrategie?

Viele Kritiker warfen BlackBerry vor, ein Patent-Troll zu werden. Doch die Strategie zahlt sich eindeutig aus. Die „Lizenz-, IP- und sonstigen“ Umsätze von BlackBerry stiegen im Geschäftsjahr 2018 um 54 % und machten 21 % des Umsatzes aus.

Damit ist das Lizenzgeschäft die am schnellsten wachsende Sparte des Geschäftsbereichs „Software and Services“, zu dem auch die Bereiche Enterprise Software & Services und BlackBerry Technology Solutions gehören. Der Gesamtumsatz von BlackBerry mit Software und Services stieg im Laufe des Jahres um 20 % und machte 80 % des Umsatzes aus.

Leider wurde dieses Wachstum durch die anhaltenden Rückgänge bei den Verkäufen und Servicegebühren für Mobiltelefone ausgeglichen, und der Gesamtumsatz von BlackBerry sank im Gesamtjahr immer noch um 29 %. Da diese beiden Werte jedoch gegen Null gehen, könnte BlackBerry als Anbieter von Unternehmenssoftware und -dienstleistungen wieder wachsen.

Deshalb erwarten die Analysten, dass der Umsatz von BlackBerry in diesem Jahr nur um 8 % sinken wird, gefolgt von 10 % Wachstum im nächsten Jahr.

Aber was ist mit Facebook und Snap?

BlackBerry will Facebook und Snap eindeutig in Lizenzvereinbarungen drängen, die stabile, wiederkehrende Umsätze für das IP- und Lizenzgeschäft generieren würden. Es ist unklar, ob sich die Klagen auszahlen werden, aber BlackBerry hat bereits viele Lizenzgebühren von anderen Unternehmen rausgequetscht.

Wenn BlackBerry diese Klagen gewinnt, könnten sie einen Präzedenzfall für das Unternehmen schaffen, andere Hersteller von Mobile Messaging Apps in der Zukunft zu verklagen.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Facebook.

Dieser Artikel wurde von Leo Sun auf Englisch verfasst und am 09.04.2018 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

Dieser Artikel wurde ursprünglich auf fool.de veröffentlicht.

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