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Wieviel Gold gibt es überhaupt noch auf der Welt?

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
15.05.2018, 10:00  |  438   |   |   

Im Jahr 2016 stießen Archäologen, die an einer Ausgrabungsstätte in Bulgarien arbeiteten, auf einen winzigen, aber bedeutenden Fund: Eine Goldperle, die ungefähr drei Millimeter im Durchmesser misst und von der Wissenschaftler annehmen, dass sie das älteste Stück von Menschenhand angefertigten Goldschmucks überhaupt ist – man geht davon aus, dass sie aus dem Zeitraum von etwa 4600 v. Chr. stammt.

Diese Entdeckung ist nicht nur für Wissenschaftler, sondern auch für Investoren von Bedeutung. Einfach ausgedrückt bedeutet das, dass die Menschen seit mehr als 6.600 Jahren Gold abbauen und veredeln. Und wenn das stimmt, werden sich Goldinvestoren fragen: Wie viel Gold ist nach sieben Jahrtausenden des Abbaus in der Welt überhaupt noch vorhanden, das man zu entdecken, abbauen und veredeln kann?

Wie viel Gold wurde bereits abgebaut?

Die Industriehandelsgruppe The World Gold Council schätzt, dass seit dieser ersten Goldperle rund 190.000 Tonnen Gold abgebaut wurden – etwa 77 % der weltweit förderbaren Reserven. Und weil Gold praktisch unzerstörbar ist, ist der größte Teil des abgebauten Goldes noch heute in Form von Schmuck, Goldmünzen, Goldbarren und Elektronik vorhanden. (Gold ist nützlich als Leiter, der nicht anläuft).

Interessanterweise wurde das meiste Gold erst im letzten halben Jahrhundert abgebaut. Gold galt als wertvoll und wurde sowohl als Schmuck als auch als Währung für den größten Teil jener Weltgeschichte benutzt, die mehr als 7.000 Jahre zurückreicht. Und doch wurden in den ersten 6.800 Jahren dieser Geschichte (bis 1835) weniger als 20.000 Tonnen Gold produziert. Es dauerte von 1848 bis 1855, bis die gesamte weltweite historische Goldproduktion über 20.000 Tonnen anstieg. Im nächsten Jahrhundert jedoch verdreifachte sich die kumulierte Goldproduktion bis Anfang der 1940er Jahre auf 60.000 Tonnen, gefolgt von einem raschen Anstieg um 50 % auf 90.000 Tonnen in den nächsten drei Jahrzehnten.

Tatsächlich wurden seit 1967 etwa 50 % des jemals abgebauten Goldes abgebaut, und 80 % des jemals über Tage gebrachten Goldes wurde nach Angaben des U.S. Geological Survey seit 1910 abgebaut.

Wie viel abbaubares Gold ist noch übrig?

Das World Gold Council schätzt, dass die verbleibenden Reserven weltweit nur noch 30 % dessen betragen, was bereits abgebaut wurde – 54.000 Tonnen Gold in ausreichender Konzentration und in ausreichend zugänglichen Tiefen, um zu vernünftigen Kosten abgebaut zu werden.

Bei einer globalen Produktionsrate von zuletzt rund 3.100 Tonnen pro Jahr bedeutet dies, dass in weniger als 20 Jahren alle förderbaren Goldreserven weltweit (oder zumindest die, die mit vertretbarem Aufwand gefördert werden können) erschöpft sein sollten.

Was das für Bergbauunternehmen bedeutet

Da die Goldreserven bald erschöpft und neue Goldvorkommen schwieriger zu finden sind, werden die Produktionskosten im Laufe der Zeit steigen, was die Rentabilität der Abbauunternehmen weltweit beeinträchtigen könnte. Im Jahr 2004 z.B. berichtete das Bergbauunternehmen Barrick Gold durchschnittliche Produktionskosten von nur 300 Dollar pro geförderter Unze Gold. Bis 2011 hatte sich diese Zahl auf 630 Dollar pro Unze mehr als verdoppelt und stieg bis 2014 auf 800 Dollar pro Unze an. Die Produktionskosten haben sich seitdem eingependelt, wobei Barrick nach Angaben von S&P Global Market Intelligence im vergangenen Jahr Produktionskosten in Höhe von 780 Dollar verkündet hat.

Ähnlich beim größeren Bergbauunternehmen Newmont Mining. Newmont berichtete über Goldproduktionskosten pro Unze von 278 Dollar in 2004 und sprang auf 752 Dollar in 2011, dann 920 Dollar in 2014, aber seine Produktionskosten haben sich ebenfalls eingependelt und lagen im Durchschnitt bei 922 Dollar in 2017. Auf der einen Seite kann diese jüngste Kostenerhöhung den Anlegern versichern, dass die Goldproduktionskosten nicht unaufhaltsam steigen müssen.

Andererseits deutet der starke Anstieg der Produktionskosten in den letzten 15 Jahren in Verbindung mit der zunehmenden Geschwindigkeit der Förderung darauf hin, dass die Produktionskosten in den kommenden Jahren noch einmal ansteigen könnten. Solange die Goldproduzenten in der Lage sind, Gold zu Preisen zu verkaufen, die über ihren Produktionskosten liegen, sollte dies die Nachfrage nach Gold hoch halten und die Bergbauunternehmen dazu anhalten, nach Gold zu graben.

Wird der Markt seinen Höhepunkt erreichen?

Befürchtungen um knapper werdendes Gold dürften einige Investoren an die Sorgen über knapper werdendes Öl erinnern. Vor etwas mehr als einem Jahrzehnt, als der Preis für ein Barrel Rohöl auf weit über 100 Dollar pro Barrel stieg, kamen die Analysten von Goldman Sachs mit ihrer mittlerweile berühmten Prognose heraus, dass der Ölpreis auf bis zu 200 Dollar steigen würde. Die Erde näherte sich laut Bericht schnell dem Punkt der „Spitzenölproduktion“, und aufgrund der riesigen Nachfrage noch und nöcher könnte der Ölpreis folglich nur steigen.

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