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Mehr Wohnungen sind aber nicht genug Wohnungen

24.05.2018, 14:02  |  2889   |   |   

Das Statistische Bundesamt meldet, dass im Vergleich zu 2016 im vergangenen Jahr 2,6 Prozent mehr Wohnungen fertig gestellt wurden. Diese 2,6 Prozent sind genau 7.126 Wohnungen. Insgesamt wurden 284.816 Wohnungen bezugsfertig, was deutschlandweit ein Tropfen auf den heißen Stein ist. 

Laut dem Statistischen Bundesamt konnte im vergangenen Jahr erstmals der Spitzenwert von 2002 übertroffen, denn damals wurden 289.600 Wohnungen fertig gestellt. Dies ist ein Erfolg aber wie sieht es in den kritischen Regionen tatsächlich aus? Wir schauen nach Berlin, mit den stärksten Zuzugsraten, und München, dem Brennpunkt in Sachen Preise.

In Berlin, wo der starke Zuzug (2016: + 54.200 Menschen) für eine erhebliche Mietpreissteigerung und ein immer knapper werdendes Angebot sorgt, wurden 2017 insgesamt 15.669 Wohnungen fertig gestellt. Davon sind 4.785 Eigentumswohnungen. Somit entfallen von den deutschlandweiten 284.816 Wohnungen nur 5,5 Prozent auf die Hauptstadt. 

Die meisten Wohnungen entstanden in den folgenden Bezirken: Lichtenberg (2.544 Wohnungen), Mitte (2.510 Wohnungen) und Treptow-Köpenick (2.097). Die wenigsten Wohnungen wurden in den Randlagen fertig gestellt: Spandau (405), Reinickendorf (607), Steglitz-Zehlendrorf (768). Daneben lässt sich beobachten, dass in den Szenebezirken Tempelhof-Schöneberg nur 311 Wohnungen und Neukölln nur 639 Wohnungen entstanden.

Laut den aktuellen Prognosen müssten in Berlin bis 2030 circa 194.000 Wohnungen entstehen, um die Wohnungsnot abzufedern. In den vergangenen Jahren wurden wichtige Schritte für den Wohnungsbau verpasst. So entstand in Mahlsdorf, ein Ortsteil im Bezirk Marzahn-Hellersdorf, die deutschlandweit größte Einfamilienhausansammlung - zusammen mit Kaulsdorf und Biesdorf. Diese riesigen Flächen sind für den Wohnungsbau für immer verloren. Zum 1. Januar 2018 traten die Wohnungsbauförderungsbestimmungen (WFB) 2018 in Kraft. In diesem Zusammenhang unterstützt das Land Berlin im Jahr 2018 mit der Neubauförderung die Errichtung von circa 3.500 mietpreis- und belegungsgebundenen Wohnungen (2017 waren 3.131 Wohnungen). Bereits 2017 konnten die angepeilten 6.000 landeseigenen Wohnungen nicht erfüllt werden.

In München sieht es noch schlechter aus, denn 2017 wurden nur 8.272 Wohnungen fertig gestellt. Am gesamtdeutschen Neubauvolumen sind es nur 2,9 Prozent. München schmückt sich hingegen mit positiven Zahlen, denn in 2017 wurden sechs Prozent mehr Wohnungen fertig als noch 2016. Schön liest es sich auch, dass die Landeshauptstadt eine sozial orientierte Bodenpolitik verfolgt, "indem bei der Vergabe von städtischen Flächen insbesondere Genossenschaften zum Zuge kommen." 

Die kritische Situation in München wird jedoch u. a. darin deutlich, dass die Bürger seit 2018 beim Münchner Sozialreferat Wohnungen melden können, wo der Verdacht einer Zweckentfremdung besteht. Innerhalb der ersten 100 Tage gingen 455 Meldungen ein: davon waren 186 Wohnungen leerstehend, 121 gewerblich genutzte Wohnungen, 114 Ferienwohnungen und 34 Meldungen betrafen Wohnungen, die für Medizintouristen angeboten wurden. 

In München warten derzeit 16.532 Antragsteller auf so eine vergünstigte Wohnung - insgesamt gibt es in München 78.500 Sozialwohnungen. Steigende Baukosten und Grundstückspreise sowie die hohen Baustandards sind mitverantwortlich dafür, dass immer weniger Wohnungen errichtet werden. Bayernweit entstanden 2017 nur 2.860 öffentlich geförderte Wohnungen - von 464 Unternehmen, die dem Verband bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW Bayern) angehören.

Die Leerstandsquote lag Ende 2016 in München bei 0,2 Prozent. Somit gibt es eigentlich so gut wie keine freien Wohnungen. Vor diesem Hintergrund sind die 8.272 in 2017 fertig gestellten Wohnungen eine schwacher Trost für alle Wohnungssuchenden. 

Deutschland befindet sich in einer außergewöhnlichen Situation, denn architektonisch, konzeptionell, städtebaulich und auch bei der Finanzierung von Wohnraum wurden in Vergangenheit sämtliche Möglichkeiten erprobt. Gibt es wirklich kein taugliches Konzept? Oder ist die Bodenspekulationslobby in Deutschland das, was in Amerika die Waffenlobby ist?

Quellen:

Statistisches Bundesamt

Statistik Berlin

München Stadtportal

Bild

Süddeutsche Zeitung

AZ München

 

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Kommentare

Irreal ist, wenn die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen in Berlin die landeseigenen WBGs mit dem Bau von jährlich 6.000 Wohnungen beauftragen, damit die dann davon die Hälfte mit Kaltmieten von 6,00€/m² bis 7,50€/m² anbieten.
Irreal deshalb, weil die WBGs, die der Finanzverwaltung unterstellt sind, damit gleichzeitig eine EK-Rendite von ca.5% erwirtschaften und einen Teil davon an die Senatskasse abführen müssen.
Irreal auch deshalb, weil die landeseigenen WBGs bekannterweise keine eigenen Bauabteilungen mehr haben und deshalb Baufirmen beauftragen müssen, die auch die Eigentumswohnungen für 2.000€/m² bis 3.000€/m² reine Baukosten errichten.
Irreal auch deshalb, weil der Senat genau weiß, dass diese Vorgaben mit diesen Baupreisen nicht zu erfüllen sind.
Selbst umfangreiche staatliche Subventionen würde am Zustand der Kapazitätsengpässe und dem Fachkräftemangel, sowie der geringen Arbeitsproduktivität in der Bauindustrie nichts ändern.
Eine pauschale Förderung würde vor allem in steigende Preise verpuffen.

Es gibt nur eine einzige Lösung. Der Berliner Senat müsste mit Firmen zusammen arbeiten, die Geschosswohnhäuser als KfW-Effizienzhaus40 für 1.000€/m² (BGF)errichten können. Aber daran haben die kein Interesse.
Naja, da wir hier bei Wallstreet Online sind und sich dieser Artikel an Mini-und Möchtegern Spekulanten wendet: die Botschaft soll wohl heissen: die Renditen sind super bei Vermietungsimmobilien.
Kaum aussagekräftiger Artikel, der übliche Copy/Paste, wie zu lesen in allen Mainstream-Quellen. Warum beschränkt sich der sowieso schon inhaltlich dürftige Artikel auf Berlin und München?
Hier sollte wirklich gründlicher recherchiert werden, denn:
1. Tempelhof-Schöneberg ist bei weitem kein Szenebezirk. Friedrichshain dagegen als wirklicher Szenebezirk fehlt gänzlich in der Aufzählung
2. Mahlsdorf existiert bereits seit dem Mittelalter. Es wurde zusammen mit Kaulsdorf und Biesdorf auch nicht erst in den letzten Jahren zu dem europaweit (!) größten und grünsten Einfamilienhausgebiet, sondern ist dies spätestens seit den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. Daher sind auch keine Flächen "für immer verloren", sondern sind bilden einen einzigartigen Stadtteil, der (neben Zehlendorf) zu den wohlhabendsten Teilen Berlins gehört.

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