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Ist die Bitcoin-Party abgesagt? CryptoRobby deckt auf: Es werden zwei bis drei schwierige Jahre für Kryptowährungen

Gastautor: Robby Schwertner
02.07.2018, 15:17  |  2371   |   |   

Mal ehrlich: Wer träumt nicht von schnellen Geld, von Unabhängigkeit und davon nicht mehr täglich ins Büro zu müssen, sondern in Bali am Strand unter Palmen Cocktails zu schlürfen.

Doch wie es scheint hat es sich für längere Zeit mal ausgeträumt. Denn ein Blick auf die Kurse von Bitcoin & Co lässt es nur mit einem Wort beschreiben: Katastrophe! Scheinbar ungebremst rasselte die Kryptowährung nach unten: Von fast 20.000 US-Dollar Mitte Dezember 2017 fiel der Kurs in Etappen auf 6.500. Und es scheint kein Ende in Sicht. Viele Hobby­spekulanten dürften wohl am falschen Fuß erwischt worden sein.

Ich verspüre jedoch ein Gefühl der Erleichterung. Der Absturz ist zwar für manche bitter, das Gewitter hatte aber auch etwas Reinigendes. Es wurden viele schwache Projekte und Startups vom Markt geschwemmt, die nur abcashen wollten. Den starken Kursanstieg Ende des vergangenen Jahres sah ich sowieso kritisch. Es war ja klar, dass es nicht ewig so weitergehen konnte. Der Markt war total überhitzt. In einer längerfristigen Perspektive relativiert sich außerdem der starke Kursrückgang. Selbst am tiefsten Punkt der letzten Woche war ein Bitcoin noch immer fast siebenmal so viel wert wie ein Jahr zuvor.

Bedeutet diese Talfahrt von Bitcoin & Co das endgültige Aus für Kryptowährungen? Ist die Party over, so wie es schon mit den Internet-Unternehmen im Jahr 2001 passierte, als viele WorldWideWeb-Startups über Nacht pleite gingen? Und was für Schlüsse sind für die zugrunde liegende Blockchain-Technologie zu ziehen? 

So richtig begonnen hatte der Hype um ­Kryptowährungen, als der Bitcoin-Preis Anfang 2017 begann raketenartig nach oben zu schießen. Nun wurde eine breitere Masse auf den Boom aufmerksam, gegen Jahresende stieg der Kurs mit ein paar Rücksetzern fast senkrecht gegen Norden. Dass es ein bitteres Ende nehmen musst, sagt einem schon der Hausverstand. 

Der stufenweise Crash am Kryptomarkt seit Beginn 2018 hat nur wenige  Blockchain-Enthusiasten aus der Szene vertrieben. Viele – und dazu zähle ich mich auch selbst - sind total überzeugt von der Blockchain-Technologie. Ich komme gerade zurück vom "Blockchain Open Forum“, einer der größten Blockchain-Konferenzen in Seoul, Südkorea. Bitcoin-Legende Bobby Lee trug dort vor und fragte eingangs das Publikum, wie viele von ihnen ihre Coins jetzt, wo der Markt schwach sei, verkaufen. Keiner der 800 Zuhörer zeigte auf. Das, so schloss der Vortragende, zeige das weiter besehende Vertrauen in Kryptowährungen. Das mag stimmen, allerdings braucht es dazu noch eine Portion Realismus: Blockchain-Datenbanken sind heute teuer und ineffizient. Man muss die Geschwindigkeit erhöhen, die Kosten senken. Diese hängen auch mit dem derzeit noch hohen Energieverbrauch zusammen. Doch der ist auch bei Computern in den 1960er-Jahren hoch gewesen und dort man das Problem technologisch lösen können. Allerdings steht Blockchain nicht nur für technologische Herausforderungen: Wir müssen auch die Zäune in den Köpfen niederreißen. In vielen Unternehmen haben jüngere Mit­arbeiter das Potenzial schon erkannt, aber die ältere Generation, die oft die Geschäftsführerpositionen einnimmt, braucht hier noch Zeit, die Chancen zu sehen. Und das sehe ich auch als meine persönliche Aufgabe: Den Menschen die Chancen von Blockchain und Kryptowährungen zu erklären.

Was brachte mich ich zur Krypto-Szene?

Ich kam 2014 ­erstmals mit der Technologie in Berüh­rung – über einen Job bei der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft. Als das erste Projekt zu einer Blockchain-Anwendung im ­Energiesektor auf meinem Schreibtisch landete, begann ich mich in die Materie einzuarbeiten. Mich hat das Thema fasziniert und ich habe mich nächtelang - manchmal bis drei, vier Uhr Früh eingelesen, um zu verstehen wie Blockchain funktioniert. Die Forschungsförderungsgesellschaft habe ich mittlerweile verlassen, schreibe über Kryptothemen hier bei wallstreet-online.de, bin Sprecher auf internationalen Konferenzen, helfe ICOs aufzubauen. Mein Hauptziel: ich unterstütze Blockchain-Projekte, die ein Wachstumspotenzial UND einen Mehrwert für die Gesellschaft bringen. Dazu habe ich einen eigenen Hashtag kreiert, der mittlerweile international bekannt ist: #ReturnonSociety (RoS), also eine Erweiterung des Begriffs Return on Investment (RoI). Meine Beiträge auf der Business­Plattform LinkedIn verfolgen mehr als 30.000 Menschen, meist Krypto-Enthusiasten und Bitcoin-Investoren. Dort postete ich kürzlich, dass sich der Kryptomarkt nun abkühlt. Und viele stimmten zu!

Es werden zwei bis drei schwierige Jahre für Kryptowährungen:

Massive Anstiege wie sie 2017 zu sehen waren, sind in absehbarer Zeit nicht mehr zu erwarten. Ich sehe vielmehr noch Luft nach unten. Warum sollte es nicht bis 2500 US-Dollar oder gar 1000 gehen, sobald einmal die 5000er Marke geknackt ist? Wie komme ich zu dieser Einschätzung: Viele Krypto-Startups verschieben nun ihre ICOs aufgrund der Turbulenzen an den Kryptomärkten, das heißt Profis sehen die Schwäche und reagieren. So, wie es an den Aktienmärkten weniger Börsen­gänge gibt, wenn das Marktumfeld ungünstig ist, ist es eben auch am Kryptomarkt. ­Häufig werden außerdem die Zeiträume verlängert, in denen ICOs ihre Coins anbieten, was auch die Verunsicherung zurückzuführen ist. Das Marktumfeld wird noch länger ein schwieriges bleiben: Es werden zwei bis drei harte Jahre für Kryptowährungen, weil noch ­immer Angst im Markt ist. Ich erwarte bis weit ins Jahr 2019 eine weitgehende Seitwärtsbewegung des Kryptomarktes, die sich in der Bandbreite zwischen 2500 US-Dollar für ein Bitcoin und 12000 - genauer gesagt 11.700 weil dies ist eine wichtige technische Marke - bewegt. Dass es danach wieder bergauf geht, davon bin ich felsenfest überzeugt. Kryptowährungen werden kommen und gehen, die Blase der Blockchain-Technologie aber wird nicht platzen. Die Party ist noch lange nicht over!

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Kommentare

Na dass wird wohl nichts Herr Schwertner mit vielleicht dass der Bitcoin auf 1000 - 2500 Dollar fällt!
Da haben jetzt die Schweizer wahrscheinlich eine ganz andere Einstellung!
Und eher die alten Hochs wieder einzuholen! Und wie mann sieht gefällt es auch denn Bitcoin Anhänger!

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