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Kaufen Chinesen oder Private Equity? Ist OSRAM nach Kursdebakel ein starker Turnaround?

Gastautor: Volker Glaser
12.07.2018, 02:47  |  4592   |   |   

Zwei Gewinnwarnungen in einem Geschäftsjahr sind definitiv eine zu viel. Sollte eine weitere folgen, muss das Konsequenzen für das Management haben. Die Stühle von Osram-Chef Olaf Berlien und seinem CFO Ingo Bank dürften dann wackeln. Aber der Reihe nach: für das Geschäftsjahr 2017/2018, welches Ende September endet, prognostizierten der Vorstand ein Umsatzplus von 5.5 bis 7.5 % sowie ein bereinigtes EBITDA von 700 Mio. Euro. Der Gewinn je Aktie sollte sich auf 2.40 bis 2.60 Euro je Aktie belaufen.

Ende April musste Berlien diese Prognose anpassen. Grund waren die Schwäche des US-Dollars gegenüber dem Euro und eine verhaltene Geschäftsentwicklung im 1. Halbjahr 2018. Das Wachstum wurde dementsprechend auf ein Plus von 3 bis 5 % angepasst. Beim bereinigten EBITDA erfolgte eine Anpassung auf etwa 640 Mio. Euro sowie einem Gewinn je Aktie von 1.90 bis 2.10 Euro. Mit einer Gewinnwarnung können Investoren durchaus noch leben, folgt aber innerhalb kurzer Zeit eine weitere, dann hat das Management sämtliches Vertrauen am Kapitalmarkt verspielt. Sehr unschön für einen MDAX-Konzern ist zudem, dass die Aktie bereits 3 Tage vor der Gewinnwarnung Nummer 2 heftig unter Druck geriet. Osram verkündete diese Gewinnwarnung am Donnerstag 28. Juni 2018 um die Mittagszeit. Am Montag zuvor war die Aktie allerdings bereits um rund 12 % eingebrochen. Investoren knipsten also schon vor der ad-hoc-Mitteilung bei Osram das Licht aus. Das Unternehmen war gemeinsam mit der Commerzbank auf einer Roadshow in Paris unterwegs. Zumindest ein Broker nahm die Vorstellung zum Anlass seinen Kunden zum Ausstieg zu raten, hören wir aus Händlerkreisen. Es verbleibt ein sehr unschönes Bild für Osram, wenn im Vorfeld einer derart negativen Nachricht die Kurse einbrechen. Analysten des Unternehmens sind völlig zurecht säuerlich auf das Unternehmen gestimmt. So hatte z.B. die Berenberg Bank einen Tag vor der Gewinnwarnung die Aktie mit einem Kursziel von 67 Euro erneut zum Kauf empfohlen.

Inzwischen haben sämtliche Analysten die Aktie massiv im Kursziel zurechtgestutzt. Berlien musste die Prognose erneut senken, da sich die Nachfrage aus der Automobilindustrie abgeschwächt hat und sich Projekte verschoben haben. Handels- und Vertriebsbeschränkungen sowie Planungsrisiken bei Automobilherstellern haben zu einer spürbaren Verunsicherung geführt, heißt es aus München. Zudem wird die Geschäftsentwicklung auch durch Projektverschiebungen der Kunden in den Bereichen Mobile Devices und Horticulture beeinflusst. Diese Projekte sollen nun erst im Folgejahr realisiert werden. Osram erzielt derzeit rund 50 % der Erlöse mit der Autoindustrie. Der CEO erwartet nunmehr nur noch ein Umsatzplus von 1 bis 3 %. Das bereinigte EBITDA wird zwischen 570 und 600 Mio. Euro bei einem EPS von 1.00 bis 1.20 Euro erwartet. Mit anderen Worten: Osram fährt in der 2. Jahreshälfte 2017/2018 auf Nettobasis einen Verlust ein. Der Free Cashflow soll sich auf minus 150 bis minus 200 Mio. Euro belaufen.

Nach den 2 Gewinnwarnungen hat der Vorstand beschlossen, die bereits laufenden Maßnahmen zur nachhaltigen Verbesserung der Profitabilität zu beschleunigen. So sollen beispielsweise die Overheadkosten spürbar reduziert werden. Zusätzlich könnte der Vorstand beim Sparprogramm mit gutem Beispiel vorangehen und die eigenen Gehälter zumindest temporär anpassen. Auch könnte der Aufsichtsrat dem Management für dieses Jahr sämtliche Bonuszahlungen komplett streichen. 2017 verdiente der 3-köpfige Vorstand knapp 8 Mio. Euro bei einem Fixgehalt von 2.1 Mio. Euro. Berlien verdient fix 900.000 Euro, seine Gesamtvergütung lag im vergangenen Jahr bei 3.3 Mio. Euro. Das Einsparpotenzial beim Vorstand ist schon recht groß und sollte – wenn nicht freiwillig vom Vorstand – vom Aufsichtsrat umgesetzt werden. Für das Jahr 2020 hat das Management ein EBITDA von 0.9 Mio. bis 1 Mrd. Euro in Aussicht gestellt. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass der CEO diese Prognose nicht erreichen wird und spätestens im Herbst dieses Jahres angepasste Ziele kommunizieren muss.

Bei Kursen von 34 Euro wird die ehemalige Siemens-Tochter derzeit mit 3.5 Mrd. Euro kapitalisiert. Zum damaligen Börsengang im Rahmen einer Abspaltung im Jahr 2013 kostete die Aktie noch 24 Euro. In der Spitze des Jahres – im Januar 2018 – blätterten die Anleger sage und schreibe über 76 Euro für eine Osram-Aktie auf den Tisch. Siemens hatte sich im Oktober 2017 vollständig von Osram verabschiedet. Das Lichtunternehmen ist seitdem fast vollständig im Besitz von institutionellen Investoren und hat keinen Ankeraktionär. Im Prinzip ein gefundenes Fressen für Aktivisten respektive Private Equity, da Osram bereits mit einer relativ geringen Beteiligung beeinflussbar ist – was unserer Meinung nach bisher noch keinem Unternehmen geschadet hat. Zudem könnten wieder chinesische Investoren auf den Plan treten. Schon 2017 gab es Gerüchte, dass Chinesen den Einstieg bei Osram im Visier haben. Vorteil: Heute wäre ein Einstieg deutlich günstiger als noch im Herbst 2017. Wir mögen weitgehend solide Unternehmen, deren Aktien einmal kräftig abstürzen, ganz gerne. Die Bewertung ist nicht mehr sonderlich ambitioniert und die Bilanz von Osram mit einem Nettoguthaben ist gesund. Die Aktie scheint zudem im Bereich von 33 bis 34 Euro an einer Bodenbildung zu arbeiten. Wir raten zum Kauf einer ersten Position.

www.vorstandswoche.de

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OSRAM Licht


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