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Auswirkungen des Handelskrieges auf den Aktienmarkt und Asset-Allocations Wie Du mir, so ich Dir

Gastautor: Stefan Keller
12.07.2018, 11:07  |  298   |   |   

Sorgen um den Welthandel dämpfen die Anlegerstimmung und die Aussichten für das weltweite Bruttoinlandsprodukt (BIP) lassen deutliche Risiken erkennen. Dennoch fällt auf, dass die Kurse von risikobehafteten Wertpapieren weniger stark gefallen sind als während der Handelsstreitigkeiten zu Jahresbeginn. Auch wenn davon auszugehen ist, dass sich der Konflikt am Ende in Grenzen halten wird, ist nach der Einführung amerikanischer Zölle auf chinesische Waren im Wert von 34 Milliarden US-Dollar am 6. Juli und den chinesischen Gegenmaßnahmen eine weitere Eskalation möglich. Trump reagiert mit maximalem Druck auf seine „Partner“. Der US-Aufschwung gerät aber nicht aus dem Tritt, auch nicht am Aktienmarkt.

Trumps Kredo: Wachstum in den USA first, dann maximaler Druck auf andere Länder
Höhere Zölle und zusätzlicher Protektionismus sind ein Risiko für die Weltwirtschaft. Nicht zufällig hat die Trump-Administration durch Steuersenkungen und Deregulierung erst die Voraussetzungen für starkes US-Wirtschaftswachstum geschaffen, bevor sie ihre Rhetorik im Handelskonflikt verschärfte. Da das US-Wachstum in diesem Jahr auf drei Prozent steigen dürfte, werden die Handelsbeschränkungen wohl erst später zu einer Abkühlung führen. In gewisser Weise sichert sich Trump mit seiner expansiven Fiskalpolitik gegen die Folgen seiner Handelspolitik ab.

Die Anatomie einer Krise
Weltweit scheint der Kursrückgang risikobehafteter Wertpapiere weniger ausgeprägt als in der Frühphase des Handelskonflikts zu Jahresbeginn. Das reale Wirtschaftswachstum bleibt hoch, und die Extremrisiken halten sich in Grenzen. Den stärksten Aktienmarkteinbruch hatte Trumps aggressive Außenhandelsrhetorik nach dem 9. März ausgelöst, als der Präsident neue Zölle auf Stahl und Aluminium ankündigte. In den beiden Wochen danach verloren US-Aktien sieben Prozent, und weltweit büßten die Aktienmärkte über fünf Prozent ein. In der Woche nach dem 17. April, als der chinesische Telekommunikationsausrüster ZTE ins Visier der amerikanischen Behörden geriet, verloren US-Aktien fast drei Prozent. Der US-Dollar wertete hingegen zwei Prozent auf, was wiederum Emerging-Market-Titeln schadete. Euroraum-Aktien waren in dieser Zeit stabil, auch dank des vergleichsweise schwachen Euro.

Welche Schlussfolgerungen lassen sich daraus ziehen?
Zum einen scheinen die aktuellen Handelsstreitigkeiten vor allem Schwellenländeraktien zu schaden, zumal sich die Maßnahmen insbesondere gegen China richten. Nach ihnen werden vor allem US- und Euroraum-Aktien darunter leiden. Es scheint aber, dass der jüngste Kursrutsch weniger heftig ist als in ähnlichen Phasen zu Jahresbeginn. Zum anderen endete die jüngste Schwächephase der Aktienmärkte, als die USA ihre Drohungen abschwächten und anboten, die Zölle vorübergehend auszusetzen und sich zu Vorverhandlungen bereit erklärten. Zurzeit gibt es mindestens einen kurzfristigen Handelskonflikt zwischen den USA und China – mit der Möglichkeit eines längeren Handelskrieges ohne schnelle Lösung.

Welche Strategie verfolgt die Trump-Administration?
Natürlich glaubt der US-Präsident, dass seine „Kunst der Verhandlung“ – „The Art of the Deal“ – auch für internationale Beziehungen gilt. Deshalb zieht er bilaterale Verträge multilateralen Vereinbarungen vor. In die gleiche Richtung geht seine Erklärung, dass die Welthandelsorganisation (WTO) eine von vielen internationalen Organisationen sei, aus denen die USA gegebenenfalls austreten sollten. Es scheint, als würde die Trump-Administration nicht zwischen „Verbündeten“ (G7, NATO und NAFTA) und anderen Ländern unterscheiden. Das Motto heißt immer noch „America first“.

Ein weiteres wichtiges Element sind die Auswirkungen auf das Vermögen der amerikanischen Wähler. Angesichts der Zwischenwahlen am 6. November kann sich Trump keinen Börsenkrach leisten. Als während des Aktienausverkaufs am 25. Juni sein Wirtschaftsberater Peter Navarro im Fernsehen auftrat und den Zuschauern erklärte, dass keine Einschränkungen ausländischer Investitionen geplant seien, erholte sich der Markt. Und am 29. Juni dementierte Finanzminister Steven Mnuchin eine Meldung, dass Trump über einen Austritt aus der Welthandelsorganisation nachdenke.

Was passiert als Nächstes?
Wir wissen, dass der US-Präsident neue Zölle auf chinesische Importgüter im Wert von 200 Milliarden US-Dollar jährlich angedroht hat. Es bleibt abzuwarten, ob die USA dies näher prüfen. Umgesetzt würden die Maßnahmen aber nicht vor dem Herbst, sodass noch viel Zeit für Verhandlungen bliebe.

Sektion-232 des „Trade Expansion Acts“ von 1962 erlaubt es dem US-Präsident, prüfen zulassen, ob die Importe von beispielsweise Stahl und Aluminium die nationale Sicherheit der USA gefährden. Demnach könnten die nächsten Maßnahmen gegen Importe von Autos und Autoteilen (mit einem Gesamtwert von 176 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017) nach Abschluss dieser Untersuchungen im vierten Quartal 2018 in Kraft treten. Dann wird sich die Aufmerksamkeit wohl von China auf Mexiko, Kanada und die EU verlagern. Wiederum gibt es Raum für Verhandlungen. Die Washington-Reise von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker noch in diesem Monat ist Teil davon.

Danach, kurz vor den Zwischenwahlen, werden am 4. November die US-Sanktionen gegen den Iran in Kraft treten. Wiederholt haben die USA erklärt, dass sie Sanktionen gegen Länder verhängen werden, die nach diesem Termin weiter Geschäfte mit dem Iran machen. Auf Sektorebene dürften von den Drohungen vor allem Öl- und Gaswerte profitieren.

Auswirkungen auf die Asset-Allokation
Nach den zuletzt erfolgten Kurskorrekturen erscheinen die Bewertungen attraktiv, zumal die Unternehmensgewinne im zweiten Quartal ordentlich steigen dürften. Vor allem US-Aktien profitieren von der Steuerreform, Aktienrückkäufen und attraktiven Bewertungen gegenüber Anleihen. Wenn der derzeitige Gegenwind durch den starken US-Dollar und die aggressive Außenhandelsrhetorik nachlassen, dürften Emerging-Market-Aktien vom anhaltend starken Weltwirtschaftswachstum und recht attraktiven Bewertungen profitieren. Wir bevorzugen hier die asiatischen Emerging Markets, die den größten Anteil an der hohen Gewichtung des Technologiesektors (28 Prozent) haben.In Europa ziehen wir Small- und Mid-Caps den Large-Caps vor, da sie vor den Risiken eines Handelskrieges besser geschützt sind. Sie reagieren stärker auf die stabile Binnennachfrage und weniger auf Wechselkursschwankungen. Auf Sektorebene scheinen binnenorientierte Branchen wie Telekommunikationsdienstleister, Versorger und Gesundheit recht immun gegen die Risiken eines Handelskonflikts zu sein.

Alles in allem wird die Trump-Administration in den nächsten Monaten sowohl auf eine starke Binnenkonjunktur als auch auf eine aggressive Rhetorik in Außenhandelsfragen setzen. Zweifellos sind höhere Zölle und darüber hinausgehende protektionistische Maßnahmen ein großes Risiko. Dabei sollte man aber das hohe Wachstum in den USA und die im November anstehenden Zwischenwahlen nicht außer Acht lassen. Die Risiken eines Handelskrieges steigen, und sie schaden der Weltwirtschaft durch ein geringeres Investorenvertrauen. Aber noch ist der Aufschwung selbsttragend und nicht leicht aus dem Tritt zu bringen.

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