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Werden Zalando und Zooplus jemals 5 % oder gar 10 % Dividende bezahlen können?

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
13.07.2018, 08:27  |  284   |   |   

Zalando (WKN:ZAL111) hat 2013 die Umsatzmilliarde geknackt und Zooplus (WKN:511170) 2017. Beide haben europaweit expandiert und es in ihrer Kategorie zum Marktführer gebracht. Trotzdem haben Anleger weder beim einen noch beim anderen jemals eine Dividende erhalten. Deshalb bin ich der Frage nachgegangen, ob das ewig so bleiben wird oder ob die Aktionäre wohl irgendwann reich belohnt werden.

Amazon kann keine Dividende bezahlen

Das große Vorbild von beiden ist sicherlich Amazon.com (WKN:906866). Der Gigant hat es vorgemacht, wie man aus verfügbaren Mitteln maximales Wachstum herauspresst. Obwohl der Laden schon seit vielen Jahren den Onlinemarkt beherrscht und sich vor allem am Heimatmarkt langsam zum Monopolisten aufschwingt, kann er seinen Aktionären keine vernünftige Dividende bezahlen.

Richtig, er kann es nicht, selbst wenn er wollte. Denn stell dir mal vor, er würde beabsichtigen, seinen Aktionären eine fünfprozentige Rendite zu bieten. Beim aktuellen Marktwert von 832 Mrd. US-Dollar müsste Amazon somit satte 42 Mrd. US-Dollar ausschütten. So viel Eigenkapital steht leider nicht in den Büchern. Ende 2017 waren es lediglich knapp 28 Mrd., wovon über 13 Mrd. US-Dollar auf durchaus zweifelhaften Übernahmeprämien (Goodwill) basieren.

Ob und wann Amazon in der Lage sein wird, seinen Aktionären etwas zurückzugeben, steht in den Sternen. Zunächst müsste auf alle Fälle erst einmal über ein paar Jahre ein Bilanzpolster aufgebaut werden. Ganz anders sieht es bei einem Qualitätswert wie der Allianz (WKN:840400) aus, wo die Dividenden seit Jahren einem Aufwärtstrend unterliegen.

Wenn man davon ausgeht, dass die zukünftigen Ausschüttungen wie zuletzt um 5 % jährlich steigen, dann würden langfristige Aktionäre beim aktuellen Kurs von 182 Euro (10.07.) ihren Einsatz innerhalb von 15 Jahren zurückbekommen — und immer noch über den gleichen Anteil an der hoffentlich weiterhin prosperierenden Allianz verfügen.

Für meine Begriffe sollte jeder Wachstumswert anstreben und sich irgendwann zu einer Gewinnmaschine wie die Allianz wandeln, damit auch ihre Anleger in den Genuss von 5, 10 oder mehr Prozent Ausschüttung auf den Einstandskurs kommen.

So stehen die Chancen bei Zooplus und Zalando

Lass uns also jetzt mal anschauen, wie es um die beiden deutschen E-Commerce-Champions steht. Hier sind die Zahlen für das Geschäftsjahr 2017:

in Mio. EUR Zooplus Zalando
Umsatz 1.111 4.489
Nettogewinn 2 103
Eigenkapital 111 1.539
Börsenwert 1.170 12.390
Gewinn je Aktie 0,27 0,42
Buchwert je Aktie 16 6
Aktienkurs (10.07.) 164 50
KGV 2017 585 120
KBV 11 8

Quelle: boerse.de, eigene Berechnungen des Autors

Man sieht direkt, dass weder das verfügbare Eigenkapital noch das Gewinnniveau hoch genug ist, um eine sinnvolle Dividende zu bezahlen. Wie Amazon müssen daher auch sie noch viele weitere Jahre stark wachsen und das KGV nachhaltig nach unten drücken, um das aktuelle Kursniveau zu rechtfertigen. Die Alternative wäre eine Kurskorrektur, die die Relation zu Gewinn und Buchwert verbessert, aber davon wollen wir an dieser Stelle absehen.

Im ersten Quartal ist Zalando im Vorjahresvergleich erneut um 22 % gewachsen, bei Zooplus waren es sogar 26 %. Für das Gesamtjahr erwartet Zooplus ein Plus von rund 22 % bei neutralem Ergebnis. Zalando ist mit einem Verlust ins Jahr gestartet, will das Wachstumstempo halten und dabei ein leicht positives Ergebnis im Bereich der Vorjahre erwirtschaften.

Beide haben jede Menge Möglichkeiten, durch die Stärkung der internationalen Präsenz, die Gewinnung von Marktanteilen und die Erweiterung des Angebotsspektrums noch über Jahre in diesem Rhythmus zu wachsen. Das bedeutet etwa eine Vervierfachung alle sieben Jahre. Zalando peilt bereits die Marke von 20 Mrd. Euro an, die bis Mitte der 20er-Jahre fallen soll. Um das erreichen zu können, wird heute in die passenden Strukturen investiert. Auf niedrigerem Niveau könnte Zooplus eine ähnliche Entwicklung hinlegen.

Wenn der Zalando-Gewinn mit der gleichen Rate wie der Umsatz steigt, dann würde er sich bis etwa 2024 ebenfalls vervierfachen und das Eigenkapital über die Zeit um 1,7 Mrd. Euro anschwellen. Das KBV würde dann auf unter 4 fallen und man könnte so langsam daran denken, einen größeren Teil des Gewinns auszuschütten. Unter den gegebenen Annahmen würde er 2025 die Marke von einer halben Milliarde überschreiten, 2026 wären es gut 600 Mio. Euro.

Wenn Zalando das komplett ausschüttet, ergibt sich eine nette Dividendenrendite von 5 %, wobei dann mit dem stürmischen Wachstum wahrscheinlich Schluss wäre. Wenn möglich, sollte der Schuhladen stattdessen lieber noch ein paar Jahre so weiterwachsen. Bis 2030 würde der Gewinn dann auf über 1,2 Mrd. Euro hochschnellen – und theoretisch wären endlich nachhaltige Ausschüttungen mit 10 % Rendite auf den heutigen Einsatz möglich. Spätestens 2040 hätten wir unseren Einsatz zurück – und immer noch unseren Anteil an Zalando.

Man braucht eine Vision und einen langen Atem

Während man eine Allianz-Aktie zum aktuellen Kurs problemlos als besseres Sparbuch nutzen kann, ohne sich großartig Gedanken zu machen, muss man bei Zalando oder Zooplus locker mal 20 bis 25 Jahre nach vorne schauen. Denn so wie es aussieht, braucht vor 2030 keiner mit größeren Dividendenzahlungen zu rechnen, und selbst danach ist es nicht gesagt, dass die erhoffte Belohnung tatsächlich kommt. Konstant 10 % nach so langer brotloser und risikoreicher Wartezeit wären ja nicht gerade der Knaller.

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