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Exklusiv-Interview Dr. Jens Ehrhardt: „Niemand in dieser Branche ist länger dabei als ich“

20.09.2019, 18:33  |  13688   |   |   

Ralf Flierl, Chefredakteur von Smart Investor (SI), der Partnerredaktion von wallstreet:online, im Gespräch mit seinem früheren Chef Dr. Jens Ehrhardt, der in diesem Jahr ein rundes Firmenjubiläum feiert.

Dr. Jens Ehrhardt steht an der Spitze der von ihm gegründeten DJE Kapital AG in Pullach, München. Diese verwaltet mit 135 Mitarbeitern an den fünf Standorten München, Frankfurt, Köln, Zürich und Luxemburg in zahlreichen Fonds fast 13 Milliarden Euro an Kundengeldern (Assets under Management) und ist damit der zweitgrößte bankenunabhängige Vermögensverwalter Deutschlands.

SI-Chefredakteur Ralf Flierl war in den Jahren 1997 bis 1999 als Analyst in Dr. Ehrhardts Unternehmen tätig und startete damit seine Börsenlaufbahn.

Smart Investor: Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem 45-jährigen Firmenbestehen, Herr Dr. Ehrhardt. Damit dürften Sie zu den dienstältesten Fondsmanagern Deutschlands gehören, oder?

Ehrhardt: Vielen Dank. Ja, meines Wissens gibt es niemanden in der Branche, der länger dabei wäre als ich.

Smart Investor: Wenn Sie die damalige Zeit, also die Mitte der 1970er-Jahre, mit heute vergleichen: Was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Unterschiede im Investmentgeschäft?

Ehrhardt: Heute gibt es im Fondsbereich deutlich mehr Regulierung – man denke da nur an MiFID, was immer mehr Kapital- und v.a. Personalressourcen bindet. Auf der Investmentseite ist der Einfluss unerwarteter politischer Maßnahmen deutlich größer als früher. Stichwort: Energiewende, im Zuge derer im Grunde die deutsche Versorgerbranche plattgemacht wurde.

Smart Investor: Was waren die Highlights Ihres ein halbes Jahrhundert umfassenden Berufslebens?

Ehrhardt: Als Investment war es sicherlich die K+S-Aktie, die sich in der Spitze in unseren Depots fast verzwanzigfacht hat. In der Firma selbst war ein Highlight die Gründung des ersten eigenen Fonds, nämlich 1987 des FMM-Fonds, und 2003 dann die Gründung der Fondsgesellschaft DJE Investment S.A.

Smart Investor: Gab es auch Tiefpunkte?

Ehrhardt: Der 1987er-Börsencrash war unter Investitionsgesichtspunkten natürlich ein Tiefpunkt, allerdings hatte ich ihn damals kommen sehen, weshalb wir ihn einigermaßen glimpflich überstanden haben. Die Techblase 1997 bis 2001 war sehr schwierig für uns, weil wir ja eher Value Investing betreiben und daher in vielen dieser damaligen Highflyer aus Überzeugung nicht dabei sein konnten. Die Deutsche Telekom beispielsweise empfanden wir immer als überbewertet. Im Nachhinein haben wir damit auch recht bekommen, aber in den ersten Jahren sind wir natürlich beim Gipfelsturm der Technologieaktien nicht oder nicht genügend dabei gewesen. Wir waren damals eher in Value-Titeln wie der eben genannten K+S engagiert und mussten daher damals eine Durststrecke durchmachen. Doch das Blatt hat sich natürlich mit dem Platzen der Blase wieder zu unseren Gunsten gewendet.

Smart Investor: Neuerdings haben Sie auch eine Tochtergesellschaft namens Solidvest, die sich mit Robo-Investing beschäftigt. Passt so etwas zu Ihrem Haus?

Ehrhardt: Ich denke schon. Die Investments erfolgen dort nicht via ETFs, sondern in konkreten Einzeltiteln, die von unserem Hause vorher ausführlich analysiert wurden. Damit unterscheidet sich unsere Vorgehensweise von den anderen Robo-Investoren. Das läuft übrigens bei der Solidvest gar nicht schlecht – ich habe dort selbst investiert und kann die Entwicklung meines Depots ganz aktuell mitverfolgen [zückt sein Handy und zeigt auf die Kursentwicklung seines Depots].

Smart Investor: Ihre Gesellschaft ist in den verschiedensten Branchen bzw. mit unterschiedlichsten Anlagestilen unterwegs, etwa Value, Rohstoffe/Gold, Agrar usw. Verbirgt sich dahinter Ihre Erfolgsformel?

Ehrhardt: Ich denke ja. Durch unser breit diversifiziertes Fondsportfolio können wir eigentlich in jeder Marktphase irgendwo punkten. Das ist mit ein Grund dafür, dass wir uns in der Spitze der Vermögensverwalter halten können.

Smart Investor: Sie wirken mit Ihren 77 Jahren noch sehr agil und unternehmenslustig. Denken Sie gelegentlich ans Aufhören?

Ehrhardt: Gar nicht. Mein Sohn Jan ist ja ebenfalls im Vorstand der Firma und verwaltet inzwischen den größten Teil der Kundengelder – unter anderem managt er die beiden großen Dividendenfonds – und er macht seine Sache wirklich gut. Er hat für die Aktienanalyse inzwischen ein 15-köpfiges Researchteam zur Verfügung, welches nach Value-Perlen Ausschau hält. Insofern ist für meine Nachfolge tatsächlich auch gesorgt.

Smart Investor: Dr. Ehrhardt, danke für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.

Das Interview führte Ralf Flierl, Smart Investor

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