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Das Wachstum der USA überrascht nur auf den ersten Blick positiv

Gastautor: Sven Weisenhaus
29.11.2019, 09:08  |  1169   |   |   

Kurz vor dem für viele US-Amerikaner verlängerten Thanksgiving-Wochenende gab es aus den USA noch eine vermeintlich positive Meldung: Die US-Wirtschaft ist im 3. Quartal 2019 stärker gewachsen als bislang angenommen. Zwischen Juli und September stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) demnach mit einer annualisierten Rate von 2,1 %, wie das Handelsministerium vorgestern mitteilte. In einer ersten Schätzung war „nur“ von 1,9 % die Rede, nachdem im 2. Quartal ein Plus von 2,0 % erzielt wurde.

Bruttoinlandsprodukt (BIP) USA

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Diese Meldung ist allerdings nur auf den ersten Blick positiv. Denn schaut man darauf, wie das Wachstum zustande gekommen ist, so fallen eher negative Entwicklungen auf. Der private Konsum, der für gut zwei Drittel des US-BIP steht, legte zwar um 2,9 % zu, doch war das Plus im Vorquartal mit 4,6 % noch wesentlich höher ausgefallen. Zugleich verringerten die Firmen ihre Investitionen im selben Zeitraum um 2,7 %.

Diesen Umstand hatte ich übrigens auch schon bei der Veröffentlichung der ersten vorläufigen BIP-Berechnung Ende Oktober bemängelt. So war in der Börse-Intern vom 30. Oktober zu lesen, dass „die Investitionen der Unternehmen, wohl in Folge der Unsicherheiten durch den Handelskonflikt, zuletzt so stark zurückgegangen [sind] wie seit fast vier Jahren nicht mehr (-1,3 % im 3. Quartal 2019).“ Nun wurden aus den -1,3 % sogar -2,7 %.

Zurückhaltung der Unternehmen hält an

Und diese Tendenz scheint auch im Schlussquartal des laufenden Jahres anzuhalten. Denn wie man dem „Beige Book“, dem aktuellen Konjunkturbericht der Fed in Vorbereitung des FOMC-Meetings im Dezember, entnehmen kann, gibt es bei den Unternehmen auch jetzt noch eine Investitionszurückhaltung, weil Entscheidungen aufgrund des Handelsstreits aufgeschoben werden. Zudem hat die Produktionsaktivität nachgelassen. Und Einzelhändler verwiesen auf höhere Kosten und nannten zum Teil als Grund die Zölle. Dem „Beige Book“ zufolge belasten also die Querelen zwischen den USA und China die Wirtschaft und damit das Wachstum.

Hohes Wachstum ist durch hohe Staatsschulden erkauft

Nun ist diese Erkenntnis nicht gerade neu. Aber genau deshalb muss man das überraschend hohe BIP-Wachstum der USA aktuell umso kritischer hinterfragen. Und so verweise ich auch noch einmal auf die in der Börse-Intern vom 30. Oktober bereits getroffene Feststellung, dass die schwächere Nachfrage der Verbraucher und die Investitionszurückhaltung der Unternehmen durch höhere Staatsausgaben kompensiert wurden. Das hohe Wachstum der US-Wirtschaft ist also durch hohe Staatsschulden erkauft, hieß es hier an dieser Stelle schon Ende Oktober. Und dass diese Entwicklung auf Dauer nicht gesund ist, sollte jedem klar sein, der sich noch gut an die Euro-Staatsschuldenkrise erinnern kann.

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