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    Eigentlich wäre das jetzt ein idealer Zeitpunkt, seine Aktien zu verkaufen. Der Rohölpreis wird zwar nicht ins Endlose steigen und auch andere Wagnisse nicht unendlich weiter zunehmen. Doch Zeiten steigender Zinsen sind niemals gute Aktienzeiten gewesen. Die Zinsentwicklung ist nämlich – im Gegensatz zur Geldmengenentwicklung, die letztlich irrelevant ist – eine der entscheidendsten Einflussfaktoren auf die Aktienmarktentwicklung.

    So habe ich gedacht, bis ich neulich mit meiner Tochter vor dem Fernseher gesessen und einen Winnie Puuh-Film angesehen habe. So wie andere Chips essen vor dem Fernseher, pflegt meine Tochter zu Winnie Puuh-Filmen stets – in direkter Identifikation mit der Hauptfigur – Honig mit dem Finger aus dem Glas zu schlecken.

    „Na, du Winnie Puuh“, sage ich zu ihr.
    „Ich bin kein Winnie Puuh“, antwortet sie.
    „Aber du isst doch Honig wie der Winnie Puuh.“
    „Aber nein“, kontert sie, „ich esse ihn nicht, ich lutsche ihn.“

    Und irgendwie, so denke ich jetzt, werden wir es mit den Zinsen vielleicht auch so machen. Wir müssen die bittere Pille gar nicht schlucken, wir werden sie ganz langsam lutschen. So langsam, dass die Bitterkeit vielleicht gar nicht mehr auffällt. Denn letztlich ist es höchstens zweitrangig, wie hoch das absolute Zinsniveau liegt. Wichtig ist nur, wie wir das subjektiv bewerten. Und wenn die Laune weiterhin gut bleibt, kann man wohl auch bei steigenden Zinsen in den Aktien investiert bleiben.

    berndniquet@t-online.de



    Bernd Niquet
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    DER NEUNTE BAND VON "JENSEITS DES GELDES" IST ERSCHIENEN: Bernd Niquet, Jenseits des Geldes, 9. Teil, Leipzig 2023, 648 Seiten, 23,50 Euro

    Leseprobe: "Jenseits des Geldes".

    Eigentlich war ich vollkommen sicher, dass jetzt die Zeit dieser ganzen Auseinandersetzungen hinter mir lag. Deswegen hatte ich auch extra meine Mietrechtschutzversicherung gekündigt. Dann habe ich aber doch einmal in die Betriebskostenabrechnung hineingeschaut und musste unwillkürlich rechnen. 29.220 Euro im Jahr 2018 für die Reinigung der Treppen und Flure, das sind 93 Euro pro Haus pro Woche. Ich würde das jeweils in zehn Minuten schaffen, doch selbst wenn die ungelernte Hilfskraft zwanzig Minuten braucht, sind das 279 Euro Stundenlohn, den die Leiharbeitsfirma dafür einfährt. Wer dabei nicht an Sizilien denkt, kann eigentlich nicht mehr voll bei Verstand sein.

    Bernd Niquet ist Jahrgang 1956 und wohnt immer noch am letzten grünen Zipfel der Failed Stadt Berlin. Die ersten acht Teile von „Jenseits des Geldes“ sind ebenfalls im Engelsdorfer Verlag erschienen, und zwar in den Jahren 2011, 2012, 2013 sowie 2018, 2019, 2020, 2021 und 2022.

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    Verfasst von Bernd Niquet
    Jetzt verkaufen? Eigentlich wäre das jetzt ein idealer Zeitpunkt, seine Aktien zu verkaufen. Der Rohölpreis wird zwar nicht ins Endlose steigen und auch andere Wagnisse nicht unendlich weiter zunehmen. Doch Zeiten steigender Zinsen sind niemals gute Aktienzeiten …