Wirecard-Aktie: Sind diese Entwicklungen der Anfang vom Ende?

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
16.05.2020, 13:40  |  3711   |   |   

Viele Wirecard (WKN: 747206)-Aktionäre sind in diesen Tagen nur noch enttäuscht. Eine zweite Sonderprüfung durch KPMG sollte den großen Befreiungsschlag bringen, bewirkte jedoch genau das Gegenteil. Es herrscht weiterhin keine Klarheit darüber, ob die Vorwürfe der „Financial Times“ und vieler Shortseller, die bereits seit 2016 gegen die Aktie setzten, nicht doch berechtigt waren.

Wachstum als falsche Priorität

Nach heutigem Stand wissen wir nun, dass die Berichte der Jahre 2016 bis 2018 so hätten nicht attestiert werden dürfen. Grund sind Wirecards viele Drittpartner, die in Ländern agieren, in denen der Zahlungsdienstleister selbst keine Lizenz besitzt. Wahrscheinlich lag der Fehler des Wirecard-Vorstands darin, einfach zu viel auf einmal und unter allen Bedingungen und Umständen stark wachsen zu wollen. Ein bisschen erinnert dies an Josef Ackermann und die Deutsche Bank (WKN: 514000)-Aktie vor der Finanzkrise 2008.

Im Nachhinein lässt sich sagen, dass Solidität und Seriosität immer vor einer schnellen Expansion stehen sollten. Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften und dafür langsamer wachsen, sind am Ende die Gewinner, nicht jene, die möglichst schnell nach vorn jagen und dann wieder einbrechen.

Was wusste Ernst&Young?

Doch nun ist das Kind in den Brunnen gefallen und alle Umstrukturierungsmaßnahmen können das Geschehene nicht korrigieren. Jetzt scheinen die Probleme und Klagewellen erst zu beginnen. Die große Suche nach dem Schuldigen hat begonnen. So kommt in diesen Tagen Wirecards Wirtschaftsprüfer Ernst&Young in Bedrängnis.

Für manche Anwälte ist ganz klar: Der Wirtschaftsprüfer hätte die vergangenen Abschlüsse nicht vollkommen kritikfrei bestätigen dürfen. Investoren fühlen sich jetzt getäuscht und bereiten Klagen vor. Der KPMG-Bericht liefert ihrer Meinung nach genügend Beweise für ein Fehlverhalten. So konnte KPMG weder die Höhe noch die Existenz der Umsätze aus dem Drittpartnergeschäft bestätigen und stellte deshalb ein Untersuchungshemmnis fest.

Aber wie konnte Ernst&Young die Zahlen ohne jeden Kommentar bestätigen? In der Vergangenheit gab es bei vielen Prüfungsgesellschaften (auch KPMG) schon ähnliche Fälle (siehe Steinhoff (WKN: A14XB9), FlowTex oder die südafrikanische Genossenschaftsbank VBS), bei denen man sich die gleiche Frage stellen muss. Da Prüfungsgesellschaften gerade mit großen Konzernen viel Geld verdienen, scheinen sie genau dann weniger kritisch zu sein. In den wenigsten Fällen können sie am Ende haftbar gemacht werden, können ihr Honor behalten und sind am Ende am wenigsten betroffen.

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