checkAd

Dieses schlüpfrige Mistding

Das klingt nach Blutdruck oder Notrufnummer, und irgendwie stimmt das auch fast.

Eigentlich bin ich mit der Börse und vor allem den Bondmärkten immer einigermaßen klargekommen. Natürlich hatte ich vorher nie eine Ahnung, was genau passieren wird, aber hinterher habe ich meistens durchaus begriffen, was Sache ist.

 

Seit einer Zeit ist da jetzt jedoch diese schlüpfrige und schlabbrige Sch…, dieses Mistding von Zero-Anleihe des Bundes bis zum Jahr 2050, das, egal wann, wie und wo ich es anpacke, mir immer aus den Fingern rutscht und auf die neue saubere Hose klatscht. Platsch, und wieder ist einmal eine Menge Geld verloren.

 

Und niemals begreife ich, warum das so ist. Eine Korrelation mit dem Bund-Future ist da, aber nicht wirklich eng. Eher schon eine negative mit dem Aktienmarkt, also eigentlich ein guter Hedge.

 

Uneigentlich funktioniert der aber dann aber doch nicht, jedenfalls dann nicht, wenn ich zupacke. Dann glitscht mir das Ding garantiert wieder aus der Hand, und dann heißt es plitsch und platsch und wieder daneben.

 

Begeben wurde das glitschige Ding im August 2019 zu etwas über 104 % des Nennwertes. Das heißt, der Bund hat 4 % mehr eingenommen als er 2050 zurückzahlen muss. Und Zinsen muss er keine zahlen, klasse Geschäft, oder?

 

Seitdem nun rutscht diese Kreatur zwischen Kursen von 115 und 92 hin und her. Derzeit steht sie bei etwa 94. Das könnte ein gutes Geschäft sein, wenn wir auf Jahrzehnte Negativzinsen und das deflationäre Szenario behalten werden. Steigen die Zinsen jedoch deutlich, wird das ein fataler Fall.

 

Wie man jedoch so ein Papier deutlich über pari kaufen kann, bleibt mir komplett schleierhaft, vor allem zu Kursen 115 Prozent des Nennwertes. Genau zu wissen, dass man über die gesamte Laufzeit etwa 15 Euro pro 100 Euro verliert und keine Zinsen bekommt, da muss man schon unter Gehirnerweichung leiden.

 

Jetzt habe ich jedoch etwas gefunden, was zumindest interessant klingt: Am 17. März stockt der Bund diese Anleihe, die ursprünglich im Volumen von 19 Mrd. Euro begeben wurde, nämlich noch um weitere 1,5 Mrd. Euro auf.

 

Und wenn das Papier dann immer noch wie jetzt bei 94 steht, würde der Bund, wenn er es marktorientiert verkauft, weniger einnehmen als den Nennwert, also letztlich doch so etwas wie Zinsen zahlen. Was den Olaf von heute natürlich nicht interessiert, denn den gibt es dann natürlich nicht mehr, wenn das Papier fällig wird.

 

Trotzdem. 6 Prozent weniger bei 1,5 Milliarden wären immerhin 90 Millionen Euro. Davon kriegt der Olaf zwar keinen Husten, doch die Saskia kann davon gut ein paar mehr NGOs im Kampf gegen Rechts unterstützen.

 

Wäre es daher nicht schön, das Papier vorher noch hochzuziehen auf den Nennwert? Wozu bei den geringen Umsätzen dort nur ein paar Erdnüsse erforderlich wären. Oder die nette alte Dame von der EZB übernimmt es gleich selbst?

 

Das ist zwar unrealistisch, doch ist nicht fast alles, was heute geschieht, irgendwie unrealistisch?

 

Ich fände das auf jeden Fall eine nette Idee, denn 90 Millionen zu haben oder nicht zu haben, sind schon 180 Millionen. Und so könnte man als Anleger bis zum 17. des Monats 6 Prozent und mehr verdienen. Doch ich fürchte, vorher machte es platsch und ich kann die Hose endgültig wegwerfen.

 

Überdies schafft man derzeit ja 6 Prozent Gewinn mit Aktien an einem Tag. Warum daher so lange warten?

 

Allerdings habe ich gerade beim Arzt im SPIEGEL gelesen, die Aktien könnten nicht ewig steigen. Und die müssen das doch schließlich wissen.

 

Bernd Niquet

 

berndniquet@t-online.de

 

 

 


8 Kommentare
Gastautor: Bernd Niquet
13.03.2021, 07:45  |  1697   |   |   

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Kommentare

Avatar
30.04.21 08:45:44
Die 110248 ist ja mittlerweile bei 90 wie ich eben festgestellt habe. Wenn es so weiter geht mit der Inflation und den Zinsen, dann wird sie sicher auch noch weiter fallen. Da bin ich mal gespannt.

Wenn ich es zeitlich hinbekomme, dann schaue ich mir gern mal die Videos von Markus Fugmann an. Ich finde der macht das wirklich ganz gut und ist auch unterhaltsam. Er geht selten auf einzelne Aktien ein, liefert aber oft gut Hintergrundinfos zu Themen wie Bitcoin, Fed, Zinsen, Inflation etc.

VG Norman_Price
Avatar
15.03.21 10:03:18
Hinterher sieht auch alles immer so einfach aus. Ich habe auch viel zu früh verkauft und nie an pari gedacht. Als wir dann tatsächlich 90 % erreicht haben, habe ich den letzten Rest gegeben. Doch hier greift dann auch der Fiskus immer brutal zu, genau wie bei Argentinien.
Bei der letzten Umschuldung im letzten Jahr wurde ein fiktiver Umtauschkurs gewählt, der weit über jedem je erreichten Marktkurs lag. Und die Bank konnte das auch nicht erklären. Das ist wohl so in den Umschuldungsbedingungen festgelegt, wer weiß aus welchen Gründen, und fertig.
Avatar
15.03.21 08:47:18
Ja, bei Griechenland hätten man wohl zugreifen müssen, aber ich hatte damals noch schlechte Erfahrungen mit Argentinien-Anleihen zu verarbeiten und mich deshalb zurückgehalten.
Avatar
15.03.21 08:04:36
Au Türkei. Damit habe ich früher mal viel Geld verdient. Jetzt zucke ich jedoch. Doch der Chart ist ja prima. Und völlig abstürzen darf das Land die Anleihe nicht. Mal sehen.
Und der andere Vorschlag wird ja eigentlich schon realisiert. Wir haben doch die direkte Staatsfinanzierung schon ...
Schauen Sie mal, die Griechenlandanleihen, die es nach der Umschuldung zu 13 % des Nennwertes gab, stehen heute bei 133 %.
Avatar
14.03.21 17:38:49
Danke! Habe ich direkt gebookmarked.

Die Zinsen sind ja eigentlich egal, wenn die eigene Zentralbank irgendwann sowieso die Anleihe kauft. Vielleicht sollten alle Euro-Länder zufünftig ausschließlich Anleihen mit negativem Realzins ausgeben - dann wäre das Schuldenproblem in der EU irgendwann man gelöst. 🤣

Ich habe vor einigen Monaten diese Anleihe hier gekaukt A0GLU5. Ich denke da kann man immer noch einiges verdienen ... und dem Dollar traue ich sowieso mehr als dem Euro.

Disclaimer

Dieses schlüpfrige Mistding Der Wahnsinn pendelt zwischen 92 und 115