Durchbruch in Postbank-Streit
Deutsche Bank sieht markanten Gewinnsprung im dritten Quartal nach Einigung
Eine Einigung im Rechtsstreit mit Postbank-Aktionären setzt bei der Deutschen Bank zusätzliche Gewinne frei. Die Aktie legt zu. Kommt eine Dividendenerhöhung?
- Einigung mit Postbank-Aktionären: 430 Mio. Euro Gewinn
- Dividendenerhöhung und Aktienrückkäufe möglich
- Positive Auswirkungen auf Jahresziele der Deutschen Bank
- Report: Goldpreis nicht zu stoppen

Die Deutsche Bank steht vor einem entscheidenden Wendepunkt in einem ihrer längsten Rechtsstreitigkeiten. Der deutsche Bankriese hat bekannt gegeben, dass er mit über 80 ehemaligen Postbank-Aktionären eine Einigung erzielt hat, die etwa 60 Prozent der offenen Forderungen in dem jahrelangen Rechtsstreit abdecken.
Diese Einigungen werden der Deutschen Bank voraussichtlich einen zusätzlichen Gewinn von 430 Millionen Euro im dritten Quartal bescheren, was den Aktienkurs des Unternehmens in den kommenden Monaten positiv beeinflussen könnte. Die Aktionäre der Deutschen Bank können nach dem Vergleich auf einen weiteren Aktienrückkauf oder höhere Dividenden hoffen.
Die Auseinandersetzung geht auf das Jahr 2010 zurück, als die Deutsche Bank die Postbank übernahm. Aktionäre behaupteten, dass die Übernahme ihre Anteile zu niedrig bewertet habe, da die Deutsche Bank damals 25 Euro pro Aktie zahlte, während einige Kläger argumentierten, dass ein Preis von bis zu 64,25 Euro pro Aktie gerechtfertigt gewesen wäre.
Dieser Streit, der in den letzten Jahren immer wieder durch die Gerichte ging, erreichte im April 2024 einen dramatischen Höhepunkt, als ein Kölner Gericht den Ansprüchen der Kläger wohlwollend gegenüberstand. Dies veranlasste die Deutsche Bank, Rückstellungen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro zu bilden, was das Unternehmen in das erste Quartalsminus seit vier Jahren trieb. Die Aktie kletterte im frühen Handel um bis zu 3,8 Prozent.









Die nun erzielte Einigung sieht vor, dass die Deutsche Bank den ehemaligen Aktionären 31 Euro pro Aktie zahlt. Das würde im Durchschnitt etwa 45 Prozent der Rückstellungen in Anspruch nehmen, die den Klagen dieser Parteien zugeordnet waren. Die darüber hinausgehenden Rückstellungen für diese Kläger können aufgelöst werden, teilte das Institut mit.
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Diese Einigung umfasst auch den größten Einzelkläger, der rund ein Drittel aller Forderungen in dem Verfahren ausmacht. Die Deutsche Bank zeigte sich zufrieden mit dem Ausgang der Verhandlungen und erklärte, dass die Einigungen die Kosten und Risiken der Postbank-Litigation erheblich reduzierten. "Angesichts der positiven Effekte auf unsere Kapitalplanung werden wir unsere Ausschüttungspläne prüfen und im Rahmen unseres laufenden Dialogs mit unseren Aufsichtsbehörden besprechen", sagte ein Sprecher der Bank gegenüber Reuters.
Werden die Jahresziele nun übertroffen?
Die durch die Einigungen freigesetzten Rückstellungen werden das dritte Quartalsergebnis der Deutschen Bank um 430 Millionen Euro steigern. Analysten hatten vor dieser Ankündigung mit einem Vorsteuergewinn von rund 1,8 Milliarden Euro für das dritte Quartal gerechnet. Mit der zusätzlichen Gewinnsteigerung könnte die Bank ihre Jahresziele nun übertreffen.
Die Deutsche Bank ist vorsichtig optimistisch. Während die aktuellen Einigungen einen großen Teil der rechtlichen Unsicherheit beseitigen, bleibt die endgültige Beilegung des gesamten Streits noch abzuwarten. Trotzdem deutet der positive Ausgang der Verhandlungen darauf hin, dass die Bank ihre Kapitalplanung verbessern könnte, was möglicherweise zu einer Wiederaufnahme der Aktienrückkäufe womöglich noch in diesem Jahr oder Anfang 2025 führen könnte. Auch eine Erhöhung der Dividenden könnte drin sein.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

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