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EZB-Leitzins Beim Zinssatz noch nicht am Ende - Negativzins möglich

12.11.2013, 11:31  |  4376   |  10   |   
Trotz der jüngsten Zinssenkung sieht die Europäische Zentralbank (EZB) noch geldpolitischen Spielraum. In einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen, "je nachdem, wie sich die Inflation entwickelt, sind wir beim Zinssatz noch nicht am Ende unserer Möglichkeiten". Bei Bedarf sei es zudem nicht ausgeschlossen, dass die Zentralbank beim Einlagesatz für Geschäftskunden in den negativen Bereich gehe. "Ich wäre mit einem solchen Schritt sehr vorsichtig, da er hohe Signalwirkung hätte, würde ihn aber nicht grundsätzlich ausschließen", erklärte Asmussen der Zeitung. Ferner sei es möglich, die Banken nicht länger zu verpflichten, eine Mindestreserve bei der EZB zu halten. "Das bringt den Banken Liquidität", sagte Asmussen.
 
Der EZB-Direktor betonte, vergangene Woche habe es unterschiedliche Positionen darüber gegeben, wann die EZB handeln solle. Die Entscheidung, den Leitzins von 0,5 auf 0,25 Prozent zu senken, verteidigte er: "Ich würde nicht infrage stellen, dass es die Notwendigkeit gab zu handeln, um unser Ziel der Preisstabilität sicherzustellen." Gegenwärtig liege die Inflation im Euro-Raum bei nur 0,7 Prozent, was eine Abweichung von 1,3 Prozentpunkten gegenüber dem Zielwert von 2,0 Prozent bedeute. Das Inflationsziel der EZB sei symmetrisch, deshalb reagiere man auf Abweichungen nach oben wie nach unten, erklärte Asmussen: "Bei einer Abweichung nach oben um 1,3 Prozentpunkte hätten wir eine Inflationsrate von 3,3 Prozent - da würden wir auch geldpolitisch reagieren."
 
Angesichts der intern umstrittenen EZB-Leitzinssenkung sprach sich der Ökonom für eine Offenlegung des Abstimmungsverhaltens aus. "Nach Zinsentscheidungen müssten wir eine Zusammenfassung der Diskussion veröffentlichen. Wir sollten dabei auch offenlegen, wer wofür gestimmt hat", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Regeln des EZB-Rates verbieten es bislang, das Abstimmungsverhalten seiner Mitglieder offenzulegen.
 
Der EZB-Direktor zeigte zudem Verständnis für deutsche Sparer, die unter niedrigen Zinsen litten. "Ich habe Verständnis für den Ärger der deutschen Sparer", sagte er. "Aber Deutschland ist keine Insel." Die Anlagenzinsen in Deutschland würden sich dann wieder erhöhen, wenn es dem Rest Europas besser gehe. "Je besser es den Peripheriestaaten geht, desto besser wird das für den deutschen Sparer sein."
 
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10 Kommentare

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Kommentare

Ich muß sagen, ich habe einen Investitionskredit über 200.000 Euro laufen, variabel, endfällig 2019, da zahle ich aktuell 1,70 % Zins.

Wer aktuell einen festverzinsliches Annuitätendarlehen, mit vielleicht 3,5 bis 4% Zinssatz macht, der gehört gefedert und geteert.
Da dieses Szenario immer wieder am Aufköcheln ist und zunehmend in den Fokus rückt, dürften die Probleme schon um einiges ärger sein, als es in der Öffentlichkeit noch geglaubt wird. Grad heut las ich in der Zeitung, dass das Sparschwein wieder vermehrt an Interesse gewinnt. Zudem aht mir mein Autohändler letzte Woche erzählt, die Margen im Autokauf sind inzwischen auf unter 500 Euro geschrumpft und belaufen sich oft nur mehr auf 200 Euro. Wenn man sich in ein Möbelgeschäft wagt, wird man inzwischen penetrant von Verkäufern verfolgt, die einem unbedingt beratend zur Seite stehen möchten.
Da Problem scheint tiefgründiger zu sein in der EU: Während ein beachtlicher Teil nicht die nötigen finanziellen Mittel hat, um sich ein durchschnittliches Leben zu ermöglichen, wissen andere Gruppen nicht mehr, wohin mit der überbordenden Liquidität. Und gerade Deutschland ist in der besonderen Situation, dass sich die Bürger vermehrt dem Staat verweigern, schon weil regelmäßig EU- Kann-Vorschriften zu 200% umgesetzt werden, was zu Gängelung und Bevormundung führt. Investitionen werden auf das Notwendigste beschränkt. Erkennen kann man dies z.B. in der jetzt schon über ein Jahr andauernden Mangelsituation bei Baby(milch)nahrung.
Während anscheinend unter Bevölkerunggruppen konsumgebremst sind, sind augenscheinlich Unternehmen sehr vorsichtig bei Investitionen und nehmen lieber Umsatzausfälle in Kauf.
Eine Weitere Besonderheit ist, dass in Deutschlnad kaum in Aktien investiert wird. Lieber gibt man Geld in zweifelhafte Ablageformen (Genussrechte) mit festem Zinssatz, als in Anlageformen (Aktien) mit Beteiligung am Eigenkapital und Ertrag.
Meines Erachtens fährt in der heutigen Zeit jener am besten, der sein Privatvermögen auf Guthabenbasis aufbaut und sein Betriebsvermögen auf Fremdkapitalbasis(OPM= other peoples money).
Habe Asmussen immer fuer eine totale Null gehalten und werde immer wieder aufs neue bestaetigt.

Vermutlich hat er deshalb auch den Job bei der EZB bekommen, einen schlauen deutschen Kopf kann waere da sicherlich sehr hinderlich.
"Je besser es den Peripheriestaaten geht, desto besser wird das für den deutschen Sparer sein."

Ist ja wohl der Hammer, was der da von sich gibt.
Ich hab son Hals, könnt kotzen.
Als wenn wir daran Schuld sind, dass es den Staaten so
schlecht geht. Müssen sie es ma mit arbeiten versuchen,
und zwar bis 67, so wie wir auch.
"Stirbt der Euro,stirbt Europa" mir doch egal,
son Europa brauchen wir nicht!!!
Weg mit dem sch... Euro, der bringt nur Unglück.

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