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MiFID II Neuer ESMA Entwurf für Suitability Guidelines

Gastautor: Dominik Weiss
21.07.2017, 08:03  |  3397   |   |   

Die Guidelines wirken sich auf die Neugestaltung der Kundenanalysebögen und die internen Prozesse der Geeignetheitsprüfung aus. Spezielle Anforderungen werden an Robo-Adviser und Algorithmensysteme gestellt. Neu sind auch die Anforderungen an die Äquivalenzprüfung bei Neuauflage von Mandaten sowie die Kosten-Nutzen-Analyse bei Umschichtungen.

Am 13. Juli 2017 hat die ESMA ihr Konsultationspapier für die neuen Guidelines für Suitability-Anforderungen vorgestellt. Das war lange angekündigt und soll die Guidelines weiterentwickeln, die die ESMA bereits im Jahr 2012 vorgestellt hatte.

Die Guidelines enthalten neue Anforderungen an die vom Kunden einzuholenden Informationen, die in der Regel durch Analysebögen (WpHG-Bögen) bei den Kunden abgefragt werden. Sie enthalten auch neue Anforderungen, vor allem im Falle des Einsatzes von automatisierten Robo-Advice- oder Suitability-Systemen. Sie geben detailliertere Hinweise, wie der inhaltliche Abgleich zwischen den Kundenangaben und den Produkten zur Feststellung der Geeignetheit ausgestaltet werden soll.

1. Neue Informationspflichten für Robo-Adviser

Bei dem Einsatz eines automatisierten Tools, vor allem bei Robo-Advisern, soll der Kunde darüber informiert werden, dass ein Algorithmus eingesetzt wird, um die Kundeninformationen zu gewinnen und dann Beratungsempfehlungen oder Managemententscheidungen abzuleiten. Ebenso soll der Grad an „menschlicher Mitarbeiter-Involvierung“ dargestellt werden, der noch zum Einsatz kommt.

In ihrem Außenauftritt sollen die Robo-Adviser besonders sorgfältig prüfen, ob der Kundenauftritt auch im aufsichtsrechtlichen Sinne effektiv ist, z.B. sollen wichtige Informationen hervorgehoben werden, grafische Informationen durch Text ergänzt werden und auch angesichts der Darstellungsart, z.B. auf den Mobiltelefonen, angemessen sein.

2.  Neue Fragen für den WpHG-Bogen

Die ESMA schlägt vor, in dem Analysebogen (WpHG-Bogen) hinsichtlich der finanziellen Situation und der Anlageziele folgende zusätzliche Aspekte abzufragen:

• Den Familienstand, vor allem um zu klären, ob der Kunde auch für seinen Partner/seine Partnerin Verpflichtungen im Wertpapierbereich eingehen kann,

• Die familiäre Situation, weil die familiäre Entwicklung Auswirkungen auf die finanzielle Situation haben kann, z.B. bei der Geburt neuer Kinder oder im Falle des Ausbildungsstarts, der von den Eltern finanziert werden soll,

• Das Alter, weil daraus Rückschlüsse hinsichtlich der Anlageziele des Kunden gezogen werden können, z.B. hinsichtlich des finanziellen Risikos, das der Kunde (noch) eingehen will und hinsichtlich des Anlagehorizonts,

• Die Beschäftigungssituation, weil der Arbeitsplatzverlust oder der Eintritt in das Rentenalter die finanzielle Situation maßgeblich beeinflusst, ebenso wie die Anlageziele, 

• Den Liquiditätsbedarf bezogen auf bestimmte Investments.

Für den Fall des Einsatzes von komplexen oder risikoreichen Wertpapieren schlägt die ESMA vor, hinsichtlich der Kenntnisse und Erfahrungen des Kunden deutlich mehr Anfragen durchzuführen, z.B. auch zu seinem Verständnis, warum ein Wertpapier als komplex eingestuft wird und ob er bereits in solche komplexen oder risikoreichen Wertpapiere investiert hat.

Vor allem bei illiquiden Finanzinstrumenten gehöre zu den notwendigen Informationen auch die konkrete Abfrage des Anlagehorizonts.

Für illiquide oder risikoreiche Wertpapiere umfassen die notwendigen Informationen auch:

• das reguläre Einkommen und das Gesamteinkommen und die Frage, ob das Einkommen dauerhaft oder nur temporär erzielt werden kann sowie hinsichtlich der Einkommensquelle die Frage nach Beschäftigungseinkommen, Pensionseinkommen, Investmenterträge, Zinserträge und ähnliche Informationen,

• das gesamte Kundenvermögen einschließlich Liquidität, Immobilienvermögen, Pensionsansprüche und Cash-Positionen einschließlich der Abfrage der Bedingungen, Laufzeiten, Zugang, Kreditfinanzierung, Garantien und mögliche andere Restriktionen dieser Assets,

• die regelmäßigen finanziellen Verpflichtungen, einschließlich zukünftiger finanziellen Verpflichtungen aus Kreditverbindlichkeiten, Fälligkeiten, laufenden Verpflichtungen und ähnlichem.

Im Falle der Anlageberatung empfiehlt die ESMA auch das Verständnis des Kunden zum Risiko und zur Ausgestaltung der Wertpapiere abzufragen, die empfohlen werden sollen. Im Rahmen der Finanzportfolioverwaltung könnte diese Abfrage weniger umfangreich sein, der Kunde müsse aber das Gesamtrisiko des Portfolios generell verstehen sowie die Risiken der typischerweise in der Finanzportfolioverwaltung eingesetzten Arten von Finanzinstrumenten.

Beziehe sich die Anlageberatung auf das Gesamtvermögen des Kunden, sei es angemessen, deutlich höhere oder weitreichende Informationen beim Kunden abzufragen.
Dabei sei es auch wichtig, die Art der Kunden zu berücksichtigen, z.B. seien detailliertere Informationen bei „verletzlicheren“ Kunden erforderlich, z.B. bei älteren Kunden oder unerfahrenen Kunden, die zum ersten Mal eine Anlageberatung oder Finanzportfolioverwaltung anfragen würden.

3. Überprüfung der Kundenangaben

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