Heute veranstaltet Tonies seinen ersten Capital Markets Day und
vorab wurden einige wichtige Eckdaten bekannt gegeben (https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2026-06/6879848…
):
"tonies' verfolgt die Ambition, den Gruppenumsatz
bis zum Geschäftsjahr 2030 auf mehr als 1,4 Mrd. EUR
zu verdoppeln und die
bereinigte EBITDA-Marge mittelfristig auf
16-18 % zu steigern"
"Globale Expansion setzt sich fort: mindestens zwei
weitere Markteintritte im Jahr 2027, Präsenz
in allen wichtigen Weltregionen bis 2030 avisiert"
-> Während ich die Internationalisierungsbemühungen natürlich
sehr positiv sehe (wird als nächstes endlich der riesige
spanischsprachige Markt angegangen?) finde ich die Umsatzprognose
eher etwas enttäuschend. Eine mehr als Verdoppelung auf über 1,4
Mrd. € bis 2030 klingt erst einmal beeindruckend, aber bei
näherer Betrachtung relativiert sich das etwas.
-> 2025 wurden 630 Mio. € Umsatz gemacht. Ein Umsatz
von 1,4 Mrd. € bis 2030 würde einer durchschnittlichen
jährlichen Steigerungsrate von nur 15 %
entsprechen. Zum Vergleich die Steigerungsraten seit Börsengang:
2021: 40 %
2022: 38 %
2023: 39 %
2024: 34 %
2025: 31 %
-> Wie man sieht, verlangasamt sich das Wachstum mit den
Jahren, was angesichts der kräftig mitsteigenden jeweiligen
Umsatzbasis auch nicht verwunderlich ist. Nichtsdetotrotz ist ein
Absacken auf durchschnittlich nur noch 15 % für die nächsten 5
Jahre (2026 - 2030), meiner Meinung nach, doch schon etwas
enttäsuchend.
-> Verstärkt wird dieser Eindruck durch folgende Aussage:
"Die Marktdurchdringung in den bestehenden Märkten
verdeutlicht den Wachstumsspielraum: In den USA bedient tonies
derzeit nur rund 12 % der Zielhaushalte, verglichen mit rund 58 %
in der etablierteren DACH-Region."
-> In Deutschland kam Tonies 2016 auf den Markt. Innerhalb von
10 Jahren wurde dann eine Marktdurchdringung von 58 % erreicht.
In den USA kam Tonies in Q4/2020 auf den Markt. 20230 sind dann
also ebenfalls 10 Jahre vergangen. Um deutsche Werte zu erreichen
müßte sich der US-Umsatz von 276 Mio. € in 2025 also bis 2030
knapp verfünffachen (12 -> 58 %) auf 1,33 Mio. €. (Ich setzte
hier die Werte für Nordamerika (USA + Kanada) an, die Tonies in
der Bilanz nur kombiniert ausweist, da die Durchdringung ähnlich
sein dürfte.)
-> Damit müßte allein der NA-Markt um etwas über 1 Mrd. €
wachsen. Das Tonies-Ziel von mehfr als 1,4 Mrd. € in 2030 würde
allein dadurch schon um über 200 Mio. € übertroffen werden. Dazu
kämen weitere Umsatzsteigerungen in anderen Märkten sowie die
Erschließung neuer Märkte.
-> Daraus ziehe ich den Schluß, daß Tonies entweder extrem
vorsichtig prognostiziert, oder sich die Eroberung des US-Marktes
nach anfänglichen sterken Gewinnen als deutlich anspruchsvoller
herausstellt als zuvor erwartet. Ich tippe auf letzteres, schaut
man sich die NA-Umsatzentwicklung in den letzten Quartalen an.
-> Noch ein Blick auf die Gewinn-Prognose. Tonies gibt
hier das adjusted EBITDA als Bezugsgröße an, was leider
kapitalmarktweit mehr und mehr in Mode kommt, allerdings keine so
harte Bilanzahl ist wie das EBITDA. Im letzten Jahr betrug der
Gewinn rund ein Viertel des adjusted EBITDA. Setzt man diese
Quote für 2030 an, ergäbe sich eine Gewinnmarge von 4 - 4,5 %
oder 56 - 62 Mio. €. Das entspräche schon bei der heutigen
Börsenbewertung von rund 1,5 Mrd. € ein KGV von rund 25.
Zukünftige Skaleneffekte eingerechnet vielleicht von 20. Für
einen prognostizierten Gewinn in vier Jahren.
-> Zu eventuellen Auswirkungen der aktuell explodierenden
Chip- und Speicherpreise auf die Margen wurde in der PM nichts
gesagt. Ich hoffe mal, daß das bedeutet, daß hier keine
Margenerosion zu erwarten ist. Ganz sicher bin ich mir da aber
nicht.
Fazit:
Die weitere Internationalisierung ist mit Sicherheit der richtige
Weg, Tonies voranzubringen. Die heute vorgestellten
Wachstumsaussichten sind jedoch eher gedämpft. Sollte hier nicht
sehr viel positiver Überraschungspuffer enthalten sein, erscheint
mir das Kurspotential damit nicht überdurchschnittlich. Der
Newsflow sollte mit Pokemon-Tonies, neuen Markteintritten und
Kooperationen etc. positiv bleiben, während eine schrumpfende
Wachstumsdynamik in den Quartalsberichten aufs Aktionärsgemüt
drücken könnte.
Um das volle Potential auszuschöpfen, wären wahrscheinlich
erhebliche finanzielle Mittel nötig, um den Eintritt in neue
Märkte zu forcieren. Mit einer Finanzierung aus dem Cashflow
könnte sich das zäh gestalten und mögliche Dividendenzahlungen in
die weite Zukunft verschieben.
Ich würde daher eine kräftige Finanzspritze für zielführend
halten, welcher Art auch immer (Verkauf selbst gehaltener Aktien,
Kapitalerhöhung, Wandelanleihen...), Angesichts des zweifellos
vorhandenen Potentials würde ich auch eine Übernahme durch einen
finanzkräftigen und CAPEX-willigen Investor weiterhin als
durchaus möglich ansehen.
Tonies bleibt damit bestimmt ein gutes konservatives Investment,
mit dem man wahrscheinlich nicht viel falsch machen kann (es sei
denn, die Chippreise (s.o.) machen die Margen auf Jahre
zunichte). Einen Kursüberflieger sehe ich bei EInrechnung der
heutigen Prognosen aber nicht. Eine potentielle Übernahme mit
entsprechenden Kursaufschlägen würde ich aber weiterhin nicht
auszuschließen.